Castingshow Duisburg

Foto: WNM

Duisburg schafft’s wieder im Negativ-Schlagzeilen-Casting ganz nach vorne. Bauskandale, Parteispenden, Korruptionsvorwurf gegen Sauerland.

Wenn die Staatsanwaltschaft nach wochenlangen Ermittlungen aus einem Zeugen einen Beschuldigten macht, hat das allerdings schon Gewicht. Was sind das für neue Erkenntnisse? „Sauerland unter Korruptionsverdacht“, das macht bundesweit die Runde – wen wundert’s angesichts des Abwahlverfahrens.

Ganz normaler juristischer Vorgang

Dabei handelt es sich zunächst um einen ganz normalen juristischen Vorgang; gleichwohl: Es hat eine ganz andere Qualität, wenn eine so in der Kritik stehende Person wie der OB als „Beschuldigter“ gilt. Das überlegt sich ein Staatsanwalt dreimal. Die Ermittlungen also als „Blödsinn“ abzutun, ist CDU-Pfeifen im Wald. Mit der nun schnellen Klärung der Vorwürfe würde auch der Mutmaßung begegnet, die Justiz hätte den OB auf dem Kieker.

Sauerland ficht das alles nach außen nicht an. Wenn auch im Parteiumfeld die Sorgen größer werden: Seine CDU, das zeigte sie demonstrativ auch gestern Abend, geht geschlossen in den Abwahlkampf.

Ringen mit den Geistern, die man rief

Die Abwahl-Initiative ringt derweil mit den Geistern, die sie rief. Noch so ein paar Diskussionen wie in dieser Woche und die Sauerland-Gegner können einpacken. Was sich da bei Einzelnen an, ja man muss sagen, populistischem Parteienhass Bahn brach, entsetzt. Natürlich ist das Hinterfragen der Parteien-Unterstützung legitim. Blauäugig wäre es zu glauben, dass etwa SPD und Linke im OB-Urnengang nicht den Hebel sähen, den missliebigen CDU-Mann loszuwerden.

Wie ihre Unterstützung erfolgt, gehört öffentlich gemacht. Deswegen Parteien wie Mitglieder quasi an die Wand zu stellen, ist dagegen absurd. Dann müsste man auch die CDU und ihre Mitglieder für ihre Unterstützung Sauerlands geißeln.

Duisburg kommt sympathisch rüber

Während Sauerland zweifelhafter Ruhm als Casting-Sieger der Polit-Bühne zuteil wird, stehen andere Duisburger von singenden Polizisten bis tanzenden Friseuren im Scheinwerferlicht. Zu unterstellen, dass man nur mit solchen Casting-Shows als Underdog hier rauskommt und Erfolg hat so wie Basketballer aus Harlem oder Rapper aus dem Ghetto, ist natürlich Galgenhumor. Scherz beiseite: Duisburg kommt damit sympathisch rüber. Ist doch gut so.

 
 

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