Duisburger Recyclinghöfe haben jetzt Bücherschränke

Auf dem Recyclinghof Mitte steht jetzt eine öffentliche Bücherzelle der Bürgerstiftung. Die Wirtschaftbetriebe kümmern sich als Paten darum.
Auf dem Recyclinghof Mitte steht jetzt eine öffentliche Bücherzelle der Bürgerstiftung. Die Wirtschaftbetriebe kümmern sich als Paten darum.
Foto: Stephan Eickershoff
  • 17 Bücherschränke gibt es in Duisburg bereits, zwölf weitere sollen noch hinzu kommen
  • Auf den vier Recyclinghöfen (Nord, Mitte, Süd und West) stehen ab jetzt umgebaute Telefonzellen mit Büchern
  • Die Bürgerstiftung, die die Bücherschränke betreut, sucht noch nach Paten für die neuen Standorte

Duisburg.. Wenn Karl May und Bibi Blocksberg Seite an Seite stehen, ein Liebesroman sich an ein Sachbuch reiht und auf einen Krimi ein Kochbuch folgt, steht man in einem öffentlichen Bücherschrank der Bürgerstiftung. An 17 Standorten in der Stadt können dort Leseratten nach Herzenslust stöbern. Das Prinzip ist denkbar einfach: Jeder kann sowohl Bücher mitnehmen, die er gerne lesen möchte, als auch eigene Bücher abgeben, die er nicht mehr braucht und anderen kostenfrei zur Verfügung stellen möchte.

Seit letzter Woche stehen solche Bücherschränke auch auf den vier Recyclinghöfen (Nord, Mitte, Süd und West). Neu daran: Dieses Mal sind es ehemalige Telefonzellen, die speziell dafür umgebaut und so zu Bücherzellen wurden. Umgebaut wurden die Telefonzellen von der WerkStadt Duisburg. Dort wurden die Zellen lackiert und mit Holzregalen bestückt.

Orte der Kommunikation

„Wir haben uns für Telefonzellen entschieden, weil sie robust sind und die Bücher auch bei Wind und Wetter trocken bleiben“, erläutert Jörg Löbe, Vorsitzender der Bürgerstiftung. Doch das war nicht der einzige Grund. „Telefonzellen waren Orte der Kommunikation“, ergänzt Ulrich Grote, der sich als Koordinator um alle Standorte kümmert. Auch die Bücherschränke sollen die Kommunikation anregen. „Man begegnet Gleichgesinnten und unterhält sich über ein gutes Buch “, so Grote. Schon oft hat er das beobachten können.

Der Recyclinghof ein Ort für Kommunikation? Für Sarah Mdaghi, Sprecherin der Wirtschaftsbetrieb, die Pate der Bücherzellen sind, ist das kein Widerspruch. Nicht nur die Kunden profitieren, sondern auch die Mitarbeiter. „Die Kollegen haben sich über die Bücherzelle gefreut und kümmern sich mit größter Sorgfalt um die Spenden“, sagt Mdaghi. Vorarbeiter Sascha Westerhoven ist selbst schon fündig geworden: Der ambitionierte Hobbykoch entdeckte ein Kochbuch.

Auch die Kunden haben die Bücherzelle gut angenommen, die Regale sind prall gefüllt. Viele sortieren auch Bücher aus, wenn die Wohnung sowieso ausgemistet wird, berichten Bürgerstiftung und Wirtschaftsbetriebe. Sie sind sich bewusst, dass bei den Recyclinghöfen wohl mehr Bücher abgegeben als mitgenommen werden. Gerade deswegen brauche jeder Bücherschrank und jede Bücherzelle einen Paten, so Grote. Dieser achtet darauf, dass weder zu viel noch zu wenig Bücher da sind und hält Kontakt zur Bürgerstiftung. „Sich ein bis zwei Mal in der Woche Zeit zu nehmen reicht völlig aus“, sagt Ulrich Grote.

Die Bürgerstiftung sucht nach Interessenten, denn weitere Bücherzellen in Wanheimerort, Baerl, Neudorf und Homberg sind geplant. Auch der Bücherschrank auf dem Hamborner Markt soll durch eine Zelle ersetzt werden. Insgesamt 29 Bücherschränke und - zellen werden es dann sein. „Das kann sich sehen lassen“, findet Grote.

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