Bröckelnde Hausfassade in Duisburg legt Linie 901 bis Weihnachten lahm

Ingo Blazejewski
Die Straßenbahn 901 in Ruhrort: Von diesem Bild können sich Fahrgäste bis Weihnachten verabschieden.
Die Straßenbahn 901 in Ruhrort: Von diesem Bild können sich Fahrgäste bis Weihnachten verabschieden.
Foto: WAZ
Eine bröckelnde Fassade an der Straßenbahnlinie 901 in Duisburg legt die Bahn mindestens vier Wochen lahm. Weil das Haus dringend saniert werden muss, die Straße jedoch so eng ist, dass die Stützenkonstruktion der Bahn im Weg steht, müssen die täglich 33.000 Fahrgäste auf Ersatzbusse ausweichen.

Duisburg. Den mehr als 33.000 Fahrgästen, die im Schnitt täglich die Straßenbahnlinie 901 nutzen, droht ab Montag der Umstieg auf Ersatzbusse: Zwischen Kasslerfeld und Laar steht die Schienenstrecke still. Und das bis Weihnachten.

So kurios es klingt: Es ist ein einzelnes Wohnhaus auf der Fabrikstraße in Ruhrort, das die 901 über dreieinhalb Kilometer und mindestens vier Wochen lahm legt. Das Dach und die Fassade müssen dringend saniert werden, dafür braucht es ein Baugerüst. Doch die Straße ist so eng, dass die Stahlstützenkonstruktion der Bahn im Weg steht.

Keine anderen Möglichkeiten

„Es liegt nicht in unserer Hand, wir haben keine andere Möglichkeit. Um den Linienweg aufrecht zu erhalten, müssen wir auf dem Abschnitt Busse einsetzen“, sagt Helmut Schoofs, Sprecher der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG).

Ab Montag, dann soll das Gerüst aufgestellt werden, wird die Bahnlinie zwischen den Haltestellen „Scharnhorststraße“ in Kasslerfeld und „Scholtenhofstraße“ in Laar stillgelegt. Dazwischen liegen immerhin acht Haltestellen, die in den kommenden Wochen auch alle von Ersatzbussen angefahren werden sollen. Die 901, die nach Fahrgästen drittstärkste ÖPNV-Verbindung in der Stadt, fährt überwiegend jede Viertelstunde. Den Takt will die DVG weiterhin einhalten.

Schoofs spricht da schon von einer „planerischen Meisterleistungen“, „im Idealfall“ soll es so sein, dass Fahrgäste einen direkten Anschluss an den Verknüpfungspunkten haben. Doch natürlich könne es durch den Umstieg zu Verspätungen kommen, die DVG bittet Fahrgäste vorab um Verständnis. Da im Fuhrpark nicht unbegrenzt Busse zur Verfügung stehen und parallel auch noch der Shuttle zum Weihnachtsmarkt ansteht, muss die DVG auch auf externe Dienstleister zurückgreifen.

Auflage der Bauordnung

Die DVG hofft, dass die Strecke am 23. Dezember wieder zur Verfügung steht. Die Arbeiten am Wohnhaus in Ruhrort sind eine Auflage der Bauordnung, bestätigt eine Sprecherin der Stadt. Dach und Fassade seien stark sanierungsbedürftig. Bei starkem Wind oder Sturm bestehe die Gefahr, dass Teile auf die Straße fallen könnten.

Dass mehr als drei Kilometer Schiene wegen eines wenige Meter breiten Fassadengerüsts still gelegt werden müssen, habe der langjährige DVG-Sprecher Schoofs auch noch nicht erlebt, gesteht er. Sanierungsbedürftige Bauten erschweren den Verkehrsbetrieben derzeit auch an anderer Stelle die Fahrwege: Wie die Stadt Moers jetzt endgültig mitteilte, dürfen auch künftig keine Busse mehr über die marode Bücke an der Cölve fahren, die auf Moerser Gebiet liegt aber zwei Duisburger Stadtteile verbindet. Nach einem Lkw-Unfall Mitte Oktober fahren die DVG-Busse bereits Umwege. Jetzt wird dieser Weg im Fahrplan verankert.