Briefzentrum Duisburg - Wo nachts die Post abgeht

Jule Körber
Gabriele Verhöfen, Mitarbeiterin der Deutschen Post AG, auf Nachtschicht: Im Briefzentrum in Duisburg-Asterlagen sortiert sie Briefe.  Foto: Daniel Elke / WAZ FotoPool
Gabriele Verhöfen, Mitarbeiterin der Deutschen Post AG, auf Nachtschicht: Im Briefzentrum in Duisburg-Asterlagen sortiert sie Briefe. Foto: Daniel Elke / WAZ FotoPool
Foto: Daniel Elke/WAZ FotoPool
Vom Briefzentrum Duisburg aus wandern Briefe aus den Postleitzahlenbezirken 46 und 47 aus in alle Welt. Damit sie möglichst schnell beim Empfänger ankommen, arbeiten die Postmitarbeiter rund um die Uhr. Die NRZ war mit auf Nachtschicht.

Duisburg. Die gelben Postzeichen leuchten auf hohen Pfählen durch die Nacht, fast wie Leuchttürme für die Lkws, damit diese zielsicher den Weg zum Briefzentrum Duisburg finden. Unter den Masten sprinten Hasen durchs Dunkel. Vor dem Tor stehen zwei Briefkästen. Vor diesen parkt jetzt, um kurz vor 1 Uhr nachts, ein gelbes Postauto.

Die Tür geht auf, laute Schlagermusik hallt durch die Nacht. Der Postbote pfeift mit und leert dabei routiniert die Briefkästen - von großen braunen Säcken in gelbe Kisten. Er packt diese in den Laderaum seines Transporters und fährt auf das Gelände, um hinter der Halle zu verschwinden. Kurz danach fährt der nächste Lkw vor, es geht Schlag auf Schlag.

Hier in Bergheim werden alle Briefe - egal, ob kleine Infopost oder großer Maxibrief - für und aus den Postleitzahlenbezirken 46 und 47 angenommen und zum Weiterverschicken sortiert. Die riesige Halle ist hell erleuchtet, der Lärmpegel, verursacht durch Maschinen, ist im ersten Moment enorm. Immer wieder gibt es Warnsirenen und durchdringende Fieptöne, dazu das dauerhafte Rattern der Sortiermaschinen als Hintergrundrauschen. Wenn eine Sirene nicht aufhört, flitzt ein Techniker auf einem Tretroller vorbei, um nach der entsprechenden Maschine zu gucken.

Soweit das Auge blickt, gelbe Plastikkisten in verschiedenen Größen, die auf Fließbändern transportiert werden. Teils unter der Decke, teils auf dem Boden, in verschlungen Wegen und jetzt schon, um 1 Uhr morgens, in einem irrsinnigen Durchlauf.

„Das ist noch harmlos“, sagt Postpressesprecher Rainer Ernzer, „in zwei, drei Stunden, wenn hier aus allen Regionen Deutschlands die Post eintrifft, ist richtig was los“.

SpezialUm 21.30 Uhr geht von hier aus die Briefpost aus den Postleitzahlbereichen 46 und 47 an die anderen 81 Briefzentren in Deutschland, nachdem diese am Abend aus den Briefkästen und Poststellen der Region eingelaufen ist. „Selbst wenn Sie meinetwegen einen Brief in Kleve in den Briefkasten werfen, der an eine andere Adresse in Kleve versendet werden soll, kommt der Brief erst einmal hierher zum Sortieren“, erklärt Ernzer. Was zunächst unlogisch klingt, sei logistisch sehr sinnvoll. „Früher gab es in jedem kleinen Ort eine eigene Postsortierstelle, wo per Hand in Schubfächer sortiert wurde - das war ein riesiger Personalaufwand und es musste in sehr vielen kleinen Touren Post hin- und hergefahren werden, das hat alles sehr lang gedauert“, erzählt Ernzer. Die zentrale Sortierung und Umverteilung sei die wesentlich effektivere Lösung.

In Duisburg wird seit kurzem dank neuer Maschinen nach „Gangfolge“ sortiert, „früher mussten das die Postboten komplett selbst machen“, sagt Ernzer, „jetzt sind um die 40 Prozent der Briefe vorsortiert“. Die neuen Sortiermaschinen gibt es erst seit Herbst diesen Jahres in dem Briefzentrum, das seit 1994 an dem Standort ansässig ist. „Die neuen Maschinen schaffen bis zu 40 000 Sendungen pro Stunde“, sagt Ernzer mit ein wenig Stolz in der Stimme.

Heute Nacht ist Volker Galetzki Schichtleiter. „Ich mache aber nur selten die Nachtschicht“, sagt er und seiner Stimme ist anzuhören, dass ihm das sehr recht ist. „Es gibt hier Mitarbeiter, die arbeiten nur nachts - auf die Dauer schröpft das ganz schön.“

Sendungen aus Würzburg

Gegen 22 Uhr fängt die Nachtschicht im Briefzentrum an, der Großteil der Mitarbeiter komme aber gegen 1 Uhr. „Manche sind dann auch nur für wenige Stunden da - dann, wenn am meisten zu tun ist“. Die letzten Nachtschichtarbeiter gingen erst gegen 7.20 Uhr - dann sei die Tagespost komplett verteilt. Die erste „Zuführung“ kommt um 22 Uhr an - aus dem Briefzentrum in Düsseldorf. „Die letzte Zuführung ist dann die aus Würzburg“, erklärt Galetzki, „die kommt gegen 4.20 Uhr hier an“. Duisburg sei „eingangslastiger“ als andere Städte. „Hier gibt es weniger große Firmen, die etwas rausschicken, dafür aber sehr viel Bevölkerung, die etwas zugeschickt bekommt“, sagt Galetzki. „In Düsseldorf ist es genau umgekehrt - die sind abgangslastiger.“

Am anderen Ende der Halle ist ein LKW aus dem Briefzentrum Hagen angekommen. „Die sind aber spät dran“, sagt Ernzer mit dem Blick auf die Uhr. Es ist noch nicht einmal 2 Uhr nachts.