Brand in Duisburg unter Kontrolle - Große Rauchentwicklung

Großbrand in Duisburger Chemie-Firma Huntsman

Duisburg, 04.07.2016: Am frühen Montagmorgen kam es im Lager der Chemie-Firma Huntsman zu einem Brand. Dabei gingen Verpackungsmaterial, Paletten und Folien in Brand auf.

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  • Feuer in Chemie-Unternehmen
  • Stadt Duisburg löste auch Sirenen-Alarm aus
  • Rauchwolke zog über mehrere Stunden über Teile der Stadt

Duisburg. Eine pechschwarze Rauchwolke türmt sich am frühen Montagmorgen vom Stadtteil Essenberg aus gen Himmel und zieht von dort kilometerweit über Kaßlerfeld, Ruhrort, Meiderich und Alt-Hamborn weiter bis nach Oberhausen und Dinslaken. Ganz Duisburg sieht: Es brennt irgendwo.

Um 4.50 Uhr war das Feuer auf dem Gelände des Chemieunternehmens Huntsman (früher Sachtleben) ausgebrochen. Eine 40 mal 100 Meter große, in umittelbarer Nähe zur Marktstraße gelegene Lagerhalle stand dort in Flammen. Ein Großaufgebot – bestehend aus 115 Kräften von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr – rückte aus, um die Kollegen der Huntsman-Werkfeuerwehr zu unterstützen. Verletzt wurde bei diesem Großeinsatz niemand. Laut Polizei stand die Brandursache auch am Abend noch nicht fest. Den ganzen Tag über galt es, Glutnester zu löschen. „Wegen der enormen Hitze konnte der von uns alarmierte Brandsachverständige die Halle bislang nicht in Augenschein nehmen“, sagte Duisburgs Polizeisprecher Ramon van der Maat.

Lager für Titandioxid

„In der Halle lagerte Verpackungsmaterial wie Paletten, Papier und Plastik, aber auch Titandioxid“, erklärte Michael Vössing, seit 1. Mai technischer Geschäftsführer und Werkleiter von Huntsman. Titandioxid sei ein ungiftiges Weißpigment, so Vössing, das etwa bei der Herstellung von Lacken, Farben, Kosmetika und Zahnpasta benutzt würde. „Chemikalien waren nicht in der Halle“, stellte Vössing am frühen Morgen im Interview vor einem Werkstor klar. Entdeckt hatte das Feuer ein Mitarbeiter der Nachtschicht. Die Produktionsbereiche seien nicht betroffen gewesen, so Vössing. Teile des Geländes wurden während des Feuerwehreinsatzes vorsorglich geräumt.

„Ich habe einen lauten Knall gehört. Als wir raus auf die Straße sind, haben wir schon die Flammen gesehen, die meterhoch aus der Halle schlugen“, schildert eine junge Frau (22) ihre Beobachtungen. Noch näher dran waren Marlies und Rainer Toss. Sie wohnen in einem Mehrfamilienhaus an der Marktstraße. „Die Feuerwehr hat uns aus dem Bett geschellt. Sieben Personen und zwei Katzen wohnen bei uns im Haus“, erzählen sie. Durch die Wucht der Detonation seien einige Scheiben auf der Rückseite des Hauses gesprungen und die Hitze habe einige Jalousien angeschmolzen. „Zum Glück ist aber keinem etwas zugestoßen“, atmete das Ehepaar Toss erleichtert auf.

Neben ihnen lebt Ursula Burggraf. „Ich habe erst ein seltsames Zischen gehört, so als ob dort Kies abgeladen würde. Dann gab es einen Knall und wir sind sofort raus dem Haus“, erzählt die Frau, die seit 43 Jahren auf der Marktstraße in Essenberg lebt. „So etwas haben wir hier noch nie erlebt.“

Die Feuerwehr nutzte auch die Gärten und Garagen der Familien Burggraf und Toss für die Löscharbeiten. Von allen Seiten schossen mächtige Wasserfontänen aus den Schläuchen auf die lichterloh brennende Halle – und das den ganzen Tag über.

Nach Pumpendefekt: Bade- und Angelverbot im Essenberger See

Kräfte des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) und der Bezirksregierung nahmen den ganzen Tag über Proben. Für Menschen gefährliche Schadstoffe konnten aber nicht nachgewiesen werden. Dennoch wurde die Bevölkerung mit Hilfe von Sirenensignalen aufgefordert, Fenster und Türen vorsorglich geschlossen zu halten. Um kurz nach 9 Uhr folgte die Entwarnung.

Brandreste wie Ruß oder Flocken sollten von Obst und Gemüse abgewischt werden, rät die Stadt Duisburg. Brandreste sollten nicht ins Haus getragen, Schuhe gründlich gereinigt werden. Aufgelese Flocken sollen in den Hausmüll.

Bei der Entnahme von Löschwasser aus dem Essenberger See ist aus einer defekten Pumpe Hydrauliköl ausgelaufen. Das soll heute im betroffenen Bereich entsorgt werden. Bis zum Abschluss dieser Arbeiten darf der See nicht zum Baden und Angeln genutzt werden.

 
 

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