Bombe in Duisburg-Kaßlerfeld war nach nur 17 Minuten entschärft

Stillleben A40: Für die Bombenentschärfung wurde auch der Ruhrschnellweg am Mittwochabend für rund eine Stunde gesperrt.
Stillleben A40: Für die Bombenentschärfung wurde auch der Ruhrschnellweg am Mittwochabend für rund eine Stunde gesperrt.
Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
Auf der Baustelle für den Ruhrradweg in Duisburg-Kaßlerfeld hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst am Mittwochmorgen eine Zehn-Zentner-Bombe entdeckt. Für die Entschärfung am Abend wurde auch die A40 gesperrt. Allerdings brachten Evakuierungsverweigerer den Zeitplan ins Wanken.

Duisburg.. Am Ruhrdeich in Duisburg-Kaßlerfeld hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Die amerikanische Zehn-Zentner Bombe, die mit einem Aufschlagzünder ausgerüstet ist, liegt im Bereich zwischen Stauwehr und dem Kreisverkehr in Kaßlerfeld. Dort wird derzeit der Ruhrradweg ausgebaut. Entdeckt wurde der Verdachtspunkt bei der bei Bauprojekten vorgeschriebenen Luftbildauswertung.

Da auch die A 40 in der ein Kilometer großen Sicherheitszone liegt und eine Sperrung erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr hat, begannen die Fachleute des Kampfmittelbeseitigungsdienstes erst gegen 20 Uhr am Abend mit der Entschärfung. Zwischen den beiden Autobahnkreuzen Moers und Duisburg wurde der Ruhrschnellweg komplett für den Verkehr gesperrt. Hier unser Liveticker zum Nachlesen:

20.57 Uhr: Selbst der Stau auf der Autobahn hat sich zügig aufgelöst. Keine Meldung mehr im Verkehrsfunk für Duisburg.

20.47 Uhr: Ein Einsatz ohne besondere Vorkommnisse und Komplikationen, sagt auch Peter Hilbrands. Nach nur 17 Minuten hatte Feuerwerker Peter Giesecke den Blindgänger entschärft.

20.34 Uhr: Der Blindgänger ist entschärft. Zur Entwarnung heulen nun auch die Sirenen im betroffenen Stadtgebiet. Alle Straßensperren werden nun aufgehoben

20.28 Uhr: Duisburg war im zweiten Weltkrieg ein Hauptziel der Royal Air Force (RAF). Allein bei den Angriffen am 14. und 15. Oktober 1944 warfen die Briten bei drei Angriffen 9000 Tonnen Bomben auf Duisburg ab. Ziel der Allierten war vor allem die Schwerindustrie. Und so sah es hier damals aus:


20.16 Uhr: Der Evakuierungsbereich ist nun frei, die Entschärfung kann beginnen, schreibt Stadtsprecher Peter Hilbrands. Ein Hubschrauber, der die gesperrten Bereich kontrollierte, war heute übrigens nicht im Einsatz.

20.15 Uhr: Seine Wohnung bei einer Bombenentschärfung nicht verlassen zu wollen, das kann auch Konsequenzen haben und gegebenfalls im Polizeigewahrsam enden. Ein Beispiel aus Bochum.

20.11 Uhr: Es gibt noch kein grünes Licht für Peter Giesecke, denn es befinden sich immer noch Menschen in der Evakuierungszone. Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssen noch mehrere Bewohner davon überzeugen, doch ihre Wohnungen zu verlassen. Eh das nicht geschehen ist, darf der Mann vom Kampfmittelbeseitigungsdienst nicht mit der Arbeit beginnen. 80 Menschen sind unterdessen gerade im Evakuierungsraum.

Angespannte, aber keine chaotische Verkehrssituation in der Innenstadt

20.04 Uhr: Die Verkehrssituation in der Duisburger Innenstadt ist zwar angespannt, von Chaos könne aber keine Rede sein, beschreibt unser Fotograf die SItuation in der Altstadt: Leichter Rückstau auf der Schiffer- und Plessingstraße.

19.59 Uhr: Wenn der Zeitplan noch steht, dann sollte Sprengmeister Peter Giesecke gleich loslegen mit seiner Arbeit. Der Auffahrunfall, der die Sperrung der Autobahn verzögerte, hatte sich übrigens nicht auf der A 40 selbst, sondern auf dem Zubringer am Marientor ereignet. Das stellte ein Polizist gerade klar.

19.54 Uhr: Stau vor der Aakerfährbrücke in Duissern. Obowohl die Straße hier mehrspurig ist, stehen die Autos bis zur Tüv-Einfahrt an der Ludwig-Krohne-Straße. Links abgebogen auf den Ruhrdeich darf nicht mehr, ein Streifenwagen blockiert die Straße. Es geht entweder nur geradeaus oder nach rechts in Richtung Kaiserberg/Mülheim.

19.45 Uhr: Wieviele Bomben überhaupt noch in NRW im Boden liegen, kann niemand genau sagen. Es werde aber noch Jahrzehnte dauern, die Bomben zu entschärfen, sagt Armin Gebhard, Referent im Bereich Kampfmittelbeseitigung beim NRW-Innenministerium.

19.41 Uhr: Warum können die Blindgänger nicht einfach im Boden bleiben? Eine Frage, die sich sicherlich einige Menschen stellen. Ganz einfach: Die Sprengkörper sind immer noch hoch wirksam. Die Bomben sind also genauso gefährlich wie zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. HInzu kommt die Gefahr der Durchrostung der Bomben, die sieben Jahrzehnte im feuchten Erdreich gelegen haben.

19.37 Uhr: 67 Bürger haben sich mittlerweile im Gemeindesaal eingefunden, 21-mal brauchen Bewohner, die in der Evakuierungszone ihr Zuhause haben, die Unterstützung des Rettungsdienstes beim Verlassen der Wohnung.

19.31 Uhr: Jetzt ist nun auch die A40 gesperrt. Es könnte also noch klappen mit dem anvisierten Beginn um 20 Uhr.

Unfall verzögerte geplante Sperrung der Autobahn 40

19.23 Uhr: Eigentlich sollte die A 40 längst dicht sein, das hat aber doch nicht ganz geklappt. Es gab auf der Autobahn einen Unfall. An welcher Stelle und in welchem Ausmaß, das ist auch in der EInsatzleitung noch nicht bekannt. Möglicherweise verzögert sich dadurch der Beginn der Entschärfung, da der Verkehr erst von der A 40 abfließen muss. Das ist aber noch nicht absehbar. "Wir haben es auch schon mal geschafft, als die Autobahn erst 30 Minuten vorher gesperrt wurde", sagt Peter Hilbrands.

19.17 Uhr: Im Evakuierungsraum, der sich im evangelischen Gemeindezentrum an der Josef-Kiefer-Straße 4 befindet, haben sich genau 51 Menschen eingefunden, um das Ende der Entschärfung abzuwarten.

19.10 Uhr: Erst heute Morgen wurde die amerikanische Bombe, die einen Aufschlagzünder hat, am Ruhrdeich entdeckt. Früher konnte sich die Stadt, wenn keine Gefahr im Verzug war, gegebenfalls auch zwei, drei Tage Zeit mit der Entschärfung lassen. Seit dem Frühjahr fordert die Bezirksregierung eine zügige Entschärfung. Was das für die Städte bedeutet, hat ein Kollege hier aufgeschrieben.

19.04 Uhr: Nun darf sich niemand mehr in den beiden Sperrzonen im Kilometer-Umkreis um den Fundort im Freien aufhalten. In der Sicherheitszone müssen die Anwohner zudem die Fenster geschlossen halten und sollen sich in der Fundstelle abgewandten Räumen aufhalten. "Zivilschutzmäßiges Verhalten" heißt das im Fachjargon.

19 Uhr: Ab sofort greifen alle Sperren, auch die A40 ist von nun an bis zum Ende der Entschärfung gesperrt.

18.57 Uhr: Die Zehn-Zentner-Bombe in Kaßlerfeld ist übrigens Blindgänger Nummer sechs, der in diesem Jahr in Duisburg entdeckt wurde: Vier wurden entschärft, eine Säurezünderbombe, die bei den Arbeiten für den Grüngürtel in Bruckhausen gefunden wurde, musste gesprengt werden. Hier haben wir übrigens eine Übersicht aller Bombenfunde in Duisburg seit dem Jahr 2007.

18.52 Uhr: Für die späte Entschärfung hat sich die Stadt übrigens entschieden, um den Feierabendverkehr abfließen zu lassen.

18.43 Uhr: Christoph Reichwein hat die Bombe mit seiner Drohnenkamera von oben erwischt. Noch ist sie dort, wo sie gut sieben Jahrzehnte gelegen hat.

18.33 Uhr: Vom Kampfmittelbeseitigungsdienst ist heute übrigens wieder Peter Giesecke im Einsatz, der schon etliche Blindgänger in der Stadt entschärft hat. Auf sein Konto geht übrigens auch die Sprengung des Blindgängers, der im November 2012 direkt an der A 40 in Kaßlerfeld gefunden worden war.

18.25 Uhr: Punkt 19 Uhr sollen dann auch die Sperren auf der A 40 greifen. Zwischen den beiden Autobahnkreuzen Duisburg und Moers ist der Ruhrschnellweg dann nicht mehr befahrbar. Verkehrsteilnehmer in Richtung Ruhrgebiet müssen also über die A 57 und die A 42 ausweichen. In Gegenrichtung geht es am besten ab Kaiserberg über A 3 und A 42 gen Niederrhein. Schließlich ist auch die A59 in Richtung Norden seit Montag gesperrt.

18.18 Uhr: Abgeschlossen ist bereits die Information der Bevölkerung und Firmen in Kaßlerfeld und in Ruhrort. Bislang gibt es 21 Transporte aus dem Evakuierungsbereich, heißt es von der Stadt.

18.12 Uhr: In einer Dreiviertelstunde postiert das Duisburger Ordnungsamt seine Leute an den Straßensperren. Bis jetzt verläuft alles wie im Zeitplan, erzählt uns Stadtsprecher Peter Hilbrands.

Für die Entschärfung müssen auch alle Schiffe, die im betroffenen Hafenbereich liegen, ihren Ankerplatz verlegen. Innerstädtisch Betroffen sind unter anderem der Zubringer Marientor, der Großmarkt sowie zwei Kindergärten. Ebenfalls nicht mehr befahrbar ist dann der Karl-Lehr-Brückenzug, eine der beiden Ausweichstrecken während der A59-Sperrung. Die A 59 liegt jedoch außerhalb der beiden Sperrzonen. Die DVG ist mit der Straßenbahnlinie 901 sowie sieben Buslinien betroffen, auch Busse der NIAG können nicht planmäßig fahren. Details zu allen Änderungen finden Sie auf der zweiten Seite dieses Artikels.

In der Evakuierungszone (innerer Kreis) müssen rund 2000 Menschen ihre Wohnungen verlassen, in der Sicherheitszone (Umkreis 1.000 Meter) leben 1.700 Personen. Hier müssen die Bewohner zwar nicht ihre Wohnungen räumen, gleichwohl müssen alle Fenster geschlossen sein und es darf sich niemand im Freien aufhalten. Bis 19 Uhr soll der Evakuierungsbereich frei sein.

Sechster Blindgängerfund im Jahr 2014 in Duisburg

Als Evakuierungsraum steht der Gemeindesaal der Kirchengemeinde Alt-Duisburg/Marienkirche an der Josef-Kiefer-Straße 4 ab 17 Uhr zur Verfügung. Das Bürger- und Ordnungsamt informiert derzeit alle Anwohner und Betriebe. Infos gibt es außerdem bei Call Duisburg unter der Telefonnummer 0203/94000 und dem kostenlosen Gefahrentelefon der Feuerwehr, das unter 0800/1121313 erreichbar ist. Nach der erfolgreichen Entschärfung werden die Sirenen im betroffenen Stadtgebiet zur Entwarnung zu hören sein.

Diese Auswirkungen haben die Straßensperren auf den Nahverkehr

Die Straßensperren wirken sich auch auf den Nahverkehr von DVG und NIAG aus. Folgende Linien können ab 19 Uhr bis zum Ende der Entsperrung nicht mehr ihren regulären Linienweg fahren:


901: Zwischen den Haltestellen "Rathaus" und "Scholtenhofstraße" muss der Straßenbahnverkehr eingestellt werden. Die DVG setzt auf diesem Streckenabschnitt Busse ein, die über Meiderich nach Ruhrort fahren. Die Haltestellen der Linie 901 zwischen "Rathaus" und "Scholtenhofstraße" werden von den Bussen nicht planmäßig angefahren. Die DVG weist darauf hin, dass wegen der Sperrung der A59 und der Ruhrorter Straße mit erhöhtem Verkehrsaufkommen auf der Strecke zwischen Innenstadt, Meiderich und Ruhrort zu rechnen ist. Dies wird sich auch auf die Fahrzeiten der Busse auswirken.


926 und 928: Die Busse fahren nicht über die A40, sondern über Stadtstraßen. Es können aber alle Haltestellen bedient werden.

SB 10 und SB 30: Die beiden Schnellbuslinien werden ihre Fahrt Richtung Duisburg am Bahnhof Moers abbrechen und die Fahrgäste auf die Verbindung mit der Nordwestbahn Richtung Duisburg mit der RB 31 verweisen. Die SB 30 wird als letzte Haltestelle planmäßig Vinner Str. bedienen und biegt dann Richtung Moers Bahnhof ab; die SB 10 fährt planmäßig bis Haltestelle Biefang und fährt danach Richtung Moerser Bahnhof.

929: Fahrgäste mit Ziel Duisburg Innenstadt werden am Moerser Bahnhof auf die Nordwestbahn verwiesen, die übrigen Fahrgäste können die Linie 929 planmäßig bis Ruhrort nutzen. Dort endet die Linie dann.

Die beiden Linien 911 und 921 sind von den Sperrungen nicht betroffen, so dass Fahrgäste, die in die Duisburger Innenstadt wollen auch auf die Linie 921 ausweichen können.

Während der Zeit der Sperrung setzt die NIAG Einsatzwagen ab Duisburg-Hauptbahnhof Richtung Moers ein. Es wird ein kombinierter Verkehr der Linien SB 10 und SB 30 eingerichtet, der die Fahrgäste Richtung Moers bis zum Königlichen Hof bringen wird.

 

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