Bombe am Hauptbahnhof Duisburg war nach 27 Minuten entschärft

Der Held und der Blindgänger: Peter Giesecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst präsentiert den Medien in Duisburg den gezogenen Zünder der Zehn-Zentner-Bombe.
Der Held und der Blindgänger: Peter Giesecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst präsentiert den Medien in Duisburg den gezogenen Zünder der Zehn-Zentner-Bombe.
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Die Feuerwerker des Kampfmittelbeseitigungsdienstes benötigten 27 Minuten, um die Fliegerbombe am Hauptbahnhof zu entschärfen. Polizei und Ordnungsamt hatten weite Teile der Innenstadt geräumt. Etwa 16.800 Anwohner, viele tausend Angestellte und Händler sowie 50 Züge waren betroffen.

Duisburg. Über die Entschärfung einer Zehn-Zentner-Fliegerbombe am Duisburger Hauptbahnhof und die dafür notwendige Evakuierung berichtete DerWesten im Live-Ticker. Die Chronik der Ereignisse:

12.10 Uhr: Informationen über die Bombenentschärfung in Dinslaken-Lohberg finden Sie hier.

12 Uhr: Das befürchtete Verkehrschaos in und um Duisburg ist nach Angaben der Polizei ausgeblieben. "Nach Auskunft unseres Verkehrdienstes gab es in der Stadt keine größeren Verkehrsbehinderungen", sagt Ramon van der Maat, Sprecher der Polizei Duisburg. Seine Kollegin Susanna Heusgen hat für die Autobahnpolizei Düsseldorf "maximal zwei Kilometer Stau auf der A 59" zu melden. Der Verkehr habe sich während der Entschärfung an den Absperrungen im Norden und Süden der Autobahn gestaut. "Hat sich aber nach Ende der Sperrung alles sehr schnell verflüchtigt." Zur Bildergalerie "Evakuierung und Entschärfung".

11.05 Uhr: Der Kollege Thomas Richter der WAZ Duisburg kehrt in die Redaktion zurück und hat eine Anekdote von seinem Reportagerundgang mitgebracht: Eine junge Frau in Neudorf habe kopfschüttelnd gefragt: "Warum buddeln die eigentlich noch in Duisburg? Entweder findest Du hier nur Bomben oder alte Münzen." Hier der WAZ-Bericht über die Bombenentschärfung.

Sofort weiter nach Dinslaken, zum "nächsten Amerikaner"

10.58 Uhr: Und in der Tat: "Wir haben es heute etwas eilig", entschuldigt sich Giesecke, "wir müssen ja noch in Dinslaken 'ran." Der Unterschied zwischen der Entschärfung dort (ab 14 Uhr) und in Duisburg? "Die Bombengröße." Das in Lohberg entdeckte Exemplar wiegt 125 Kilogramm. Zum Vergleich: Der Duisburger Zehn-Zentner-Bombe beinhaltet allein 140 Kilo Sprengstoff. Aber immerhin, "auch die in Dinslaken ist eine amerikanische, dann müssen wir uns wenigstens nicht umstellen. Wünschen Sie mir Glück."

10.54 Uhr: Trotz der Routine sei es "immer wieder ein schönes Gefühl der Erleichterung", eine solche Gefahr aus dem Weg zu räumen. "Wir spielen ja nicht mit Halmahütchen", sagt Giesecke und verweist auf die Todesopfer bei der Entschärfung einer Weltkriegsbombe in Göttingen vor zwei Jahren.

10.53 Uhr: Die Bombe der Amerikaner machte nach Gieseckes Auskunft deutlich weniger Probleme als das britische Exemplar, das seinen Kollegen Peter van Eck am 21. März 50 Meter weiter westlich ins Schwitzen brachte. Gieseckes heutiger Blindgänger hatte gleichwohl keinen Säurezünder. Am Telefon erteilt uns der Oberhausener noch eine Lektion in Sachen Kampfmittelbeseitigung: "Die amerikanischen Zünder sind aus Eisen, die britischen aus Messing." Darum konnte er den Zünder heute auch mit Rostlöser einsprühen "und schön rausziehen".

10.52 Uhr: Der 58-Jährige "musste erstmal seine Frau anrufen, sonst hängt bei uns der Haussegen schief". Der Oberhausener war heute – wie immer bei Bombenentschärfungen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes – nicht der einzige Mann, der sich beruflich in Gefahr begeben musste. Die Leute seines Vertrauens an seiner Seite heute: Michael Hoff und Uwe Palmroth.

10.47 Uhr: Hat geklappt.

10.41 Uhr: Peter Hilbrands ist an der Fundstelle und will uns ein Telefonat mit Peter Giesecke vermittelt. Hoffentlich klappt das, der Mann mit den brenzligen Arbeitsplätzen wird es sicher eilig haben: Er muss weiter nach Dinslaken, zur nächsten Bombe.

10.33 Uhr: Es dauert keine Minute, bis das Leben in die Innenstadt zurückkehrt: Autofahrer geben rund um den Hauptbahnhof wieder Gas, die ersten Fußgänger huschen über die Kö.

10.33 Uhr: Stadtsprecher Peter Hilbrands präzisiert telefonisch: "Die Bombe war um 10.28 Uhr entschärft."

10.32 Uhr: Die Stadt meldet: "Bombe entschärft".

Die dritte Entschärfung in Duisburg binnen eines Monats

10.31 Uhr: Im Westen nichts Neues, keine Nachrichten aus der Einsatzleitstelle. Nur Stille in der Geister(Innen)stadt.

10.24 Uhr: Unsere Bildergalerie zeigt, wie die Innenstadt damals, 1945, aussah.

10.20 Uhr: Die amerikanische Zehn-Zentner-Bombe ist die 31. Fliegerbombe, die in Duisburg seit Anfang 2010 entschärft wird. Es ist die dritte Entschärfung binnen eines Monats. Diese Vielzahl an Einsätzen erklärt sich durch die vielen Großbaustellen in der Stadt. Zur Erinnerung: Allein bei der Bombardierung am 14. und 15. Oktober 1944 warfen mehr als 2000 Flugzeuge etwa 9000 Tonnen Bomben über Duisburg ab. Bei diesen Luftangriffen – nach offizieller Zählweise die Angriffe 240 und 241 – kamen 3000 Menschen ums Leben. Das Buch „Bomben auf Duisburg“, herausgegeben vom Kultur- und Stadthistorischen Museum der Stadt, beschreibt und illustriert den Luftkrieg über der Stadt.

10.18 Uhr: Für Duisburger, Hobby-Historiker und alle anderen: unsere Übersicht aller seit 2007 in Duisburg entschärften Fliegerbomben mit den jeweiligen Artikeln, Videos und Bildergalerien zum Einsatz.

10.11 Uhr: Arbeitsalltag hin, Routine her: Jetzt kommen Feuerwerker Peter Giesecke und sein Team ins Schwitzen. Der 58-Jährige aus Oberhausen-Alstaden legte seine Prüfung zum Truppführer 1990 ab, seither darf er auch Bomben entschärfen. Irgendwann hat er aufgehört zu zählen, wie vielen Blindgängern er den Zünder gezogen hat. Auch für Gieseckes Familie ist der Job eine Belastung. Nach jedem Einsatz ruft er schnellstmöglich zuhause an.

10.05 Uhr: Stadtsprecher Hilbrands bestätigt: "Um 10.01 Uhr hat die Entschärfung begonnen."

10.04 Uhr: Noch nichts Neues aus der Einsatzleitstelle.

10.01 Uhr: Soweit wir das sehen können, gehen nun auch die Polizisten und Ordnungshüter am Rande der Sicherheitszone in Deckung.

9.59 Uhr: Der Polizeihubschrauber dreht nun seit etwa 25 Minuten seine Runden. Das ist ungewöhnlich lange. Peter Hilbrands erklärt es mit der "außergewöhnlich großen Evakuierungszone mitten in der Stadt". Er steht im Kontakt zur Einsatzleitstelle, weiß aber noch nicht, ob Feuerwerker Peter Giesecke und sein Team wie geplant um 10 Uhr mit der Entschärfung beginnen können.

9.55 Uhr: Stadtsprecher Peter Hilbrands ist im Evakuierungsraum. In der Sporthalle des Mercator-Gymnasiums haben sich "etwa 40 Anwohner eingefunden". Hilbrands berichtet von 18 Krankentransporten, 30 hatten Anwohner bis Dienstagabend angemeldet. Es sei "nicht ungewöhnlich, dass es dann tatsächlich weniger Transporte sind".

Polizeihubschrauber macht Zwischenstopp auf der Bahnhofsplatte

9.48 Uhr: Abflug.

9.40 Uhr: Der Polizeihubschrauber macht einen Zwischenstopp auf der Bahnhofsplatte. Zumindest für den Piloten ist es ein Vorteil, dass sich an solch prominenter Stelle noch immer nichts getan hat.

9.35 Uhr: Die Duisburger Innenstadt ist jetzt autofrei, das Areal um den Hauptbahnhof und beinahe die gesamte Königstraße sind menschenleer. Nur der Polizeihubschrauber knattert noch immer über dem Zentrum.

9.30 Uhr: Ab jetzt darf zwischen Kreuz Duisburg (A 40/59) und Duisburg-Großenbaum kein Fahrzeug mehr auf die Autobahn 59. Die Polizisten im Helikopter, der nun über der Innenstadt kreist, kontrollieren die Einhaltung der Absperrungen.

9.26 Uhr: Die Bahn kalkuliert nach allen Erfahrungen bei Entschärfungen in Duisburg defensiv: Selbst die brenzlige Entschärfung am 21. März dauerte nur 55 Minuten. Und die amerikanische Fliegerbombe, die Feuerwerker Peter Giesecke und sein Team nun sicher schon vor Augen haben, hat keinen Säurezünder. Was aber freilich keine Garantie für einen Einsatz ohne Komplikationen ist.

9.25 Uhr: Noch bis 9.45 Uhr dürfen Züge den Bahnhof passieren. Ein Haltepunkt ist Duisburg-Hauptbahnhof seit 8.45 Uhr schon nicht mehr. 50 Züge im Nah- und Fernverkehr sind nach Angaben der Bahn betroffen. Der Plan der DB: Die Fernzüge warten die Sperrung ab oder werden über Wuppertal mit Halt am Hagener Hauptbahnhof nach Dortmund (Hbf) umgeleitet. Die Halte zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Bochum Hauptbahnhof entfallen dadurch. Regionalexpress (RE 1, 2, 3, 5, 6), Regionalbahnen (RB 31, 33, 35, 37) und S-Bahnen (S1, 2, ) wenden an den Stationen nördlich und südlich des Hauptbahnhofs beziehungsweise warten die Aufhebung der Sperrung ab oder werden umgeleitet.

9.23 Uhr: Überall um den Hauptbahnhof, im Dellviertel und in der Fußgängerzone flattert nun rot-weißes Band an den Absperrungen, an denen Polizisten und städtische Ordnungshüter Wache halten. Seit 9 Uhr kommt niemand mehr in die Sicherheitszone (1000-Meter-Raduis um die Fundstelle).

9.18 Uhr: Stadtsprecher Peter Hilbrands berichtet von 30 Krankentransporten, bei denen Patienten aus der Evakuierungszone gebracht werden mussten. In den Evakuierungsraum, die Sporthalle des Mercator-Gymnasiums, sind bislang etwa 30 Anwohner gekommen.

9.10 Uhr: Das Ordnungsamt ist jetzt mit 150 Mitarbeitern im Einsatz. Zum Vergleich: Bei der Entschärfung der britischen Fünf-Zentner-Bombe am 21. März, ebenfalls südlich des Hauptbahnhofs, waren es "nur" 50, weil Evakuierungs- und Sicherheitszone kleiner waren. Damals kämpfte Feuerwerker Peter van Eck 55 Minuten lang mit einem verbogenen Säurezünder. Beinahe wäre die Bombe detoniert.

Feuerwerker Peter Giesecke muss gleich weiter zur nächsten Bombe

9.05 Uhr: Etwa 17.000 Menschen leben in der Sicherheitszone, darüber hinaus haben dort Tausende ihren Arbeitsplatz. Bis zur Entschärfung ruht vielerorts die Arbeit: die großen und kleinen Geschäfte eröffnen wie die Einkaufspassagen erst nach der Entschärfung, das Hoist- und das Targobank-Hochhaus müssten gleich menschenleer sein. Die Stadt Duisburg hat auch im Radio noch einmal an die Vernunft der Duisburger appelliert, die Evakuierungszone zu verlassen und sich in der Sicherheitszone nicht mehr im Freien aufzuhalten.

9 Uhr: Die Sicherheitskräfte wollten das Bahnhofsgelände bis 9 Uhr räumen. Ob ihnen das gelungen ist, können wir nicht überprüfen. Auf den Straßen um den Hauptbahnhof herum sind zumindest noch einige Fußgänger unterwegs.

8.51 Uhr: Und beiden Fliegerbomben soll Peter Giesecke aus Oberhausen-Altstaden den Zünder ziehen. In beiden Fällen handelt es sich übrigens nicht um Exemplare der gefährlichen Säurezünder.

8.48 Uhr: Apropos Dinslaken: Dort hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst schon um 14 Uhr seinen nächsten Einsatz. Um 14 Uhr soll eine 125-Kilo-Bombe in Lohberg entschärft werden.

8.40 Uhr: Autofahrer, die noch durch Duisburg fahren oder die Stadt in Nord- beziehungsweise Süd-Richtung verlassen wollen, sollten sich jetzt sputen: Die Autobahnpolizei sperrt in 20 Minuten die Auf- und Abfahrten der A 59 "Zentrum" und "Duissern". Ab 9.30 Uhr ist die Autobahn in Richtung Dinslaken zwischen der Großbaustelle Kreuz Duisburg-Süd (A 59/A 524 /B 288) und dem Kreuz Duisburg (A 59/A 40) gesperrt. In Richtung Düsseldorf reicht die Sperrung bis Großenbaum.

8.35 Uhr: Anekdote am Rande, noch dazu ein Kulturtipp: Dienstag hat das Lehmbruck-Museum vorgestellt, was es vom 20. April bis zum 20. Mai im Turm im Innenhafen zeigen will: "Gleich fliegt hier alles in die Luft" heißt die Ausstellung. Frank Buscher zeigt Arbeiten mit Sprengkraft.

8.32 Uhr: Der Blindgänger liegt einen Katzensprung von den Gleisen entfernt: westlich der Anlagen, dort wo seit fast einem Jahr schon die Bagger auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs rotieren. Dort wurden vorige Woche letzte Gebäudeteile abgerissen. Am Freitag, dem 13. April, hatte dann ein Baggerfahrer die Bombe plötzlich auf der Schaufel. Sie lag unter dem Keller des nach dem zweiten Weltkrieg gebauten Hauses dort. Darum konnten die Experten des Ordnungsamtes und der Bezirksregierung den Sprengkörper auch nicht auf den Luftbildaufnahmen entdecken, die vor und während der Bauarbeiten erstellt und ausgewertet werden.

Ab 8.30 Uhr dürfen Bahnreisende nur noch aus-, nicht mehr einsteigen

8.25 Uhr: Ab 8.30 Uhr dürfen Bahnreisende am Hauptbahnhof nur noch aus-, nicht mehr einsteigen. Der letzte Zug vor der Entschräfung soll um 8.45 Uhr abfahren. Bis 9.45 Uhr sind den Zugführern am Hauptbahnhof dann nur noch Durchfahrten erlaubt (Details zu den Fahrplanänderungen finden Sie weiter unten im Artikel).

8.20 Uhr: Für alle, die nicht im Thema sind, nochmal der offizielle Zeitplan: Die Bombenentschärfung südlich des Hauptbahnhofs soll um Punkt 10 Uhr beginnen. Das gesamte Bahnhofsgelände soll bis 9 Uhr geräumt sein. Ab 9 Uhr lassen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Polizei niemanden mehr in die Evakuierungs- und in die Sicherheitszone.

8.10 Uhr: Ursprünglich sollte die amerikanische Fliegerbombe schon Dienstag entschärft werden. Als sich die Feuerwerker des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (ja, so heißt die Abteilung der Bezirksregierung offiziell, obwohl sie alle nur als "Kampfmittelräumdienst" kennen) den Blindgänger allerdings am Montagmorgen anschauten, stellten sie fest, dass er größer als angenommen ist: zehn statt fünf Zentner schwer. Das hat weit reichende Konsequenzen. Evakuierungs- und Sicherheitszone mussten ausgeweitet werden: der innere Kreis von 250 auf 500 Meter um die Fundstelle (Evakuierungszone), der äußere von 500 auf 1000 Meter (Sicherheitszone, siehe Karte unten). Um diese großflächige Evakuierung organisieren und alle Anwohner und betroffenen warnen zu können, benötigte das Ordnungsamt einen Tag länger Zeit.

8 Uhr: Die ersten Mitarbeiter des Ordnungsamtes fahren vor. Männer mit gelb und orange leuchtenden Schutzwesten steigen aus. Vor dem Hauptbahnhof und auf der Königstraße, der großen Duisburger Einkaufstraße, kennen alle Passanten nur eine Richtung: im Westen Richtung Rathaus und Innenhafen, im Osten nach Neudorf. Auch vor dem Hochhaus der Targobank sieht man nur noch Einzelgänger: Es liegt zwar auf der Grenze von Evakuierungs- und Sicherheitszone, trotzdem müssen etwa 2500 Angestellte raus: Von der großen Fenster-Fassade ginge im Falle einer Detonation eine zu große Gefahr aus.

7.45 Uhr: Draußen, in der Innenstadt, sind dagegen schon jetzt erkennbar weniger Menschen unterwegs als sonst. Nur auf den Straßen rollt der Verkehr wie immer. Noch.

7.30 Uhr: Im Duisburger Hauptbahnhof ist noch nichts davon zu sehen und zu hören, dass hier in anderthalb Stunden kein Mensch mehr sein wird. Pendler hetzen und schwätzen, in der Bahnhofshalle verkaufen die Händler Kaffee, Frühstück und Zeitungen. Auf die Evakuierung – um 9 Uhr soll das gesamte Bahnhofsgelände geräumt sein – gibt es keinen Hinweis. Wobei: Die Imbissbuden und Schnellrestaurants der Fast-Food-Ketten haben ihre Filialen gar nicht erst geöffnet.

Eine solch aufwendige Evakuierung haben selbst die Duisburger lange nicht erlebt. Dabei sind für sie Bombenentschärfungen fast schon so alltäglich wie der Stau auf den Autobahnen der Stadt: Für die Entschärfung der amerikanischen Zehn-Zentner-Fliegerbombe südlich des Hauptbahnhofs müssen am Mittwochmorgen 3700 Anwohner ihre Wohnungen verlassen, etwa 16.800 Menschen leben in der Sicherheitszone. In der liegt beinahe die gesamte Duisburger Innenstadt. Da für den von Dienstag auf Mittwoch verschobenen Einsatz unweit der City auch die Autobahn 59 und der Hauptbahnhof gesperrt werden, droht der Stadt ein Verkehrschaos.

Was Anwohner, Autofahrer und Bahnreisende über die Sperrung wissen müssen 

Neue Details zum Bombenfund am Freitag, 13. April, finden Sie auf der zweiten Seite dritten Seite dieses Artikels. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, vorab aber alle wichtigen Informationen ...

... für Anwohner, Angestellte und Geschäftsleute in der Sicherheitszone:

Der Bereich im 500-Meter-Umkreis um die Fundstelle muss Mittwochmorgen bis neun Uhr geräumt werden. Ab 9 Uhr lassen die Ordnungs- und Sicherheitsbehörden niemanden mehr in diese Evakuierungszone, in die Sicherheitszone ebenfalls nicht mehr (siehe Karte). In diesem zweiten Kreis (500 bis 1000 Meter um die Bombe) ist ein „zivilschutzmäßiges Verhalten“ notwendig: Die Menschen sind aufgefordert, sich in Räumen aufzuhalten, die der Fundstelle abgewandt sind. Die Fenster sollen geschlossen sein. Ein Aufenthalt im Freien ist nicht gestattet.

Für die 3700 Anwohner, die den Evakuierungsbereich verlassen müssen, stehen ab 8 Uhr Räume in der Sporthalle des Mercator-Gymnasiums an der Musfeldstraße 152 zur Verfügung. Wer von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes noch nicht aufgeklärt wurde, möge sich ebenso wie gehbehinderte Hilfsbedürftige in der Evakuierungszone beim Call Center Duisburg (0203/94000) melden. Beginn und Ende der Entschärfung werden durch Lautsprecherdurchsagen bekannt gegeben.

Neben den rund 3700 Anwohnern werden auch die Büros mehrerer tausend Arbeitnehmer evakuiert werden müssen, etwa im Hoist- und im Targobank-Hochhaus. Letzteres liegt zwar auf der Grenze von Evakuierungs- und Sicherheitszone, „aber wegen der großen Fensterfassade gehen da 2500 Angestellte raus“, berichtet Ingo Wobker, einer der Experten für Luftbildauswertungen und Kampfmittelbeseitigungen des Ordnungsamtes.

Auch weite Teile der Fußgängerzonen liegen im Sperrgebiet: Die Einzelhändler, Kaufhäuser und Einkaufspassagen werden erst öffnen, wenn die Bombe unschädlich gemacht wurde.

... für Bahnreisende:

Der Duisburger Hauptbahnhof liegt mitten in der Evakuierungszone. Um 8.45 Uhr verlässt der letzte Zug den Bahnhof, ab dann sind (bis 9.45 Uhr) nur noch Durchfahrten erlaubt. Ab 8.30 Uhr dürfen Bahnreisende nur noch aus-, nicht einsteigen. Bis 9 Uhr soll das gesamte Bahnhofsgelände geräumt sein.

„Wir gehen davon aus, dass 50 Nah- und zehn Fernverkehrszüge ausfallen beziehungsweise umgeleitet werden müssen“, erklärte ein Bahnsprecher. Der Plan der DB: Die Fernzüge warten die Sperrung ab oder werden über Wuppertal mit Halt am Hagener Hauptbahnhof nach Dortmund (Hbf) umgeleitet. Die Halte zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Bochum Hauptbahnhof entfallen dadurch.

Regionalexpress (RE 1, 2, 3, 5, 6), Regionalbahnen (RB 31, 33, 35, 37) und S-Bahnen (S1, 2, ) wenden an den Stationen nördlich und südlich des Hauptbahnhofs beziehungsweise warten die Aufhebung der Sperrung ab oder werden umgeleitet. Die Bahn rechnet ab 10 Uhr mit einem einstündigen Einsatz der Feuerwerker.

... für Autofahrer:

Neben wichtigen Einfallstraßen und innerstädtischen Hauptverkehrsachsen wird auch die A 59 gesperrt: Die Autobahnpolizei sperrt die Auf- und Abfahrten „Duisburg-Zentrum“ und „Duisburg-Duissern“ in beide Fahrtrichtungen ab 9 Uhr.