Bliersheimer Villen in Rheinhausen sind Pracht der Industriekultur

Von Willi Mohrs
Alt, aber wie neu: Die Direktoren-Villa wurde aufwendig renoviert und dient jetzt als Ort für Feierlichkeiten.
Alt, aber wie neu: Die Direktoren-Villa wurde aufwendig renoviert und dient jetzt als Ort für Feierlichkeiten.
Foto: WAZ FotoPool
Die Arbeiter von Krupp wohnten schon nicht schlecht. Doch auf der anderen Seite des Werkes wurde „schöner wohnen“ ganz groß geschrieben: Villen für das Führungspersonal der Rheinhauser Hütte entstanden dort. Lange Jahre standen die Bliersheimer Villen leer, jetzt regt sich erstes neues Leben.

Duisburg. Die Arbeiter von Krupp wohnten schon nicht schlecht – wenn sie das Glück hatten, in der Margarethen-Siedlung unterzukommen. Doch auf der anderen Seite des Werkes wurde „schöner wohnen“ ganz groß geschrieben: Villen für das Führungspersonal der Rheinhauser Hütte entstanden dort, im Grünen, allesamt großzügig, keine wie die andere. Lange Jahre standen die Bliersheimer Villen leer, jetzt regt sich erstes neues Leben.

Vielfältige Dachformen, Fassaden von Putz bis Fachwerk, Erker, Balkone, Loggien, Vor- und Anbauten zeichnen die Villen aus, von „Cottage-Stil“ sprechen die Experten, von „englischem Landhausstil mit Jugendstilelementen“ kündet vor Ort eine Informationstafel. Ländlich war’s auf jeden Fall, als die großzügigen Domizile entstanden – zumindest auf einer Seite der Siedlung. Auf der anderen wuchs die Friedrich-Alfred Hütte zum riesigen Industriekomplex.

Hierarchisches Wohnen

Bis in die 50er Jahre gab’s fürs Hüttenmanagement Residenzpflicht: Die Chefs hatten erreichbar zu sein, gewohnt wurde in fußläufiger Nähe zum Werk. Und zwar architektonisch fein abgestuft. Der Direktor hatte die größte Villa, mitten in der Siedlung gelegen für sich, für Personal und Fahrzeuge gab’s ein Kutscherhaus.

Etwas weniger großzügig, aber immer noch stattlich fielen die Einzelvillen für die Betriebschefs aus, und die Betriebsassistenten mussten mit Doppelhäusern vorlieb nehmen – Bescheidenheit auf hohem Niveau. 22 Villen waren zunächst geplant, 17 wurden gebaut, neun künden noch von alter Krupp-Pracht. Dazu kommt noch das Casino, das leitenden Angestellten und Gästen des Hüttenwerkes als Restaurant zur Verfügung stand, einschließlich Kegelbahn im Keller.

Verfall der Siedlungen

In den 70er Jahren war die Krupp-Hütte rund um die Siedlung gewachsen, die Villen lagen wie auf einer Insel mitten in der Industrie, von Wohnqualität konnte nicht mehr die Rede sein. Und von Residenzpflicht schließlich auch nicht mehr. Die Bewohner verließen die einst noblen Häuser, Verfall setzte ein, die Siedlung schien verloren.

1988 kamen die Villen unter Denkmalschutz, 1993 wurde die Hütte stillgelegt, 1996 spendierte die Landesentwicklungsanstalt (LEG) als neue Eigentümerin den Villen-Schönheiten neue Dächer. Dann passierte erst ein mal gar nichts in und mit Bliersheim, während rundum das ausgediente Hütten-Areal zum Logistikzentrum Logport umgebaut wurde. Inzwischen aber hat sich sichtlich etwas getan.

Die frühere Direktoren-Villa erstrahlt in frischem Glanz, außen und innen wurde mächtig investiert, und die „Villa Rheinperle“ wird als unverwechselbarer Ort für ebensolche Feiern angeboten. Das Krupp-Casino ist wieder gastliche Stätte und nicht nur mittags etablierte Anlaufstelle für Mitarbeiter der umliegenden Firmen und alle, die ein Faible haben fürs Speisen im Ambiente der Krupp-Herrschaften haben.