Bildungspaket steckt im Bürokratie-Dickicht von Duisburg fest

Ursel Beier
2700 Anträge für das Bildungspaket liegen in Duisburg vor, noch gibt es keinen einzigen Bewilligungsbescheid. Das zuständige Jobcenter steckt mit der Bearbeitung im Bürokratie-Dickicht fest. Es soll aber niemand um seine Ansprüche fürchten müssen.

Duisburg. Ein Junge aus Buchholz hätte ihn bitter nötig, seinen Anteil am „Bildungspaket“. Aber er wartet bislang vergebens. Mit ihm 2700 weitere Kinder und Jugendliche, die noch keine Bescheide haben von den Zuständigen beim Jobcenter oder der Stadt.

„Der Junge braucht dringend Nachhilfe, vor allem in Mathe. Er hat ein ganz ernstes Problem, denn seine Versetzung am Ende der 2. Klasse ist gefährdet“, sagt Maria Osterfeld, eine Nachbarin, die der Familie des Zweitklässlers bisher unter die Arme greift.

Ein schleppender Anfang

Es wäre dann schon das zweite Mal, erklärt sie, dass der Schüler mit Zuwanderungsgeschichte eine Klasse nicht schafft. „Ein Skandal“, empört sich die Duisburgerin, die dem Jungen ehrenamtlich zwei Mal in der Woche bei den Hausaufgaben hilft.

Gezielte Nachhilfe? Geld für Schulausflüge oder den Sportverein? Ein großer Wurf sollte es werden, das „Bildungspaket“ für Kinder armer Familien. Lernerfolge soll es ihnen bringen, das Dabeisein im gesellschaftlichen Miteinander sichern. Aber auf verschlungenen Bürokratie-Pfaden scheinen sich die Zusteller dieses von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vollmundig angekündigten Päckchens jetzt erst einmal gründlich verlaufen zu haben.

"An erster Stelle steht die Nachhilfe"

Nachdem auch in Duisburg die Anträge aus anspruchsberechtigten Familien im März und April nur schleppend eingingen, wurden alle Berechtigten benachrichtigt und es gab ein Echo. „Uns liegen 2000 Anträge vor“, heißt es aus dem Jobcenter Duisburg. Bei der Stadt Duisburg wurden 700 Anträge gestellt. 31.000 Kinder und Jugendliche gehören insgesamt zur Zielgruppe, für die gegenwärtig 7 Mio. Euro auf Abruf bereitstehen. Doch selbst über die vergleichsweise wenigen Anträge ist noch nicht entschieden.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, betont Jobcenter-Sprecherin Johanna Muschalik. „An erster Stelle steht dabei die Bewilligung von Nachhilfe.“ Allerdings habe das Jobcenter, Ansprechpartner für die Hartz-IV-Familien, erst am 4. Mai die genauen Ausführungsbestimmungen von der Stadt erhalten. Das Amt für Soziales und Wohnen ist innerhalb der Ortsgrenze bei den rundum neuen Bestimmungen tonangebend.

Die Bearbeitung läuft

Chefin Andrea Bestgen: „Nach der Verabschiedung des Gesetzes Ende März waren zunächst viele Abstimmungsgespräche zwischen Bund, Land und Kommunen vonnöten. Das hat Zeit in Anspruch genommen. Die Kommune hat dann vom Land die Leitlinien zur Umsetzung erhalten. Nun müssen wir weitere Feinarbeit leisten.“

Es werde „in jedem Einzelfall“ der eingegangenen formlosen Anträge „Kontakt mit den Familien aufgenommen“. .„Niemand“, beruhigt die Sozialamtsleiterin, „muss Angst haben, dass das Geld verloren geht.“ Zudem sei die Antragsfrist - rückwirkend ab Januar - bis Ende Juni verlängert. Man stecke mitten in der Bearbeitung. Bei Fragen oder besonderer Dringlichkeit könne Call Duisburg (94-000) weiterhelfen.