Bewährung für Metalldieb wider Willen

Rumänische und bulgarische Diebesbanden, die sich auf Metalle spezialisiert haben, richten seit Jahren in Firmen große Schäden an. Immer wieder ist von Mitläufern die Behauptung zu hören, sie seien zur Mitwirkung gezwungen worden. Das beteuerte auch ein Familienvater aus Meiderich, der gestern wegen sechsfachen Bandendiebstahls vor dem Amtsgericht Stadtmitte stand. In seinem Fall gab es dafür allerdings sehr überzeugende Indizien.

Er sei 2010 nach Duisburg gekommen, berichtete der 33-Jährige. Mit Gelegenheitsjobs und dem Verkauf von Obdachlosenzeitungen hielt er sich, seine nach Roma-Art angetraute Frau und die Kinderschar mehr schlecht als recht über Wasser. Als er jedoch im März 2012 von Nachbarn aus dem Duisburger Norden angesprochen worden sei, ob er nicht bei Einbrüchen mitmachen wolle, habe er sich geweigert.

Er weigerte sich auch noch, als es mehrfach zu Handgreiflichkeiten kam, zu denen die Polizei herbeigerufen worden war. Doch dann seien auch seine Kinder bedroht worden, so der Mann unter Tränen. Mehrfach sei er zur Polizei gegangen, um die Bedrohungen anzuzeigen. Und er habe eine Liste mit Kennzeichen übergeben, von denen er wusste, dass die entsprechenden Fahrzeuge im organisierten Metalldiebstahl eingesetzt wurden. Doch die Spur war offenbar nicht verfolgt worden.

Eine ordentliche Vernehmung des 33-Jährigen, so bedauerte sein Anwalt, habe es wegen des Fehlens von Dolmetschern offenbar nie gegeben. „Ich bin weit davon entfernt, der Polizei die Schuld zu geben, aber etliche Taten hätte verhindert werden können“, so der Verteidiger, Der Angeklagte habe dem Druck der Bande schließlich nachgegeben und sich an nächtlichen Einbrüchen beteiligt.

Die hatten ihn gemeinsam mit einer Vielzahl von Mittätern, von denen die Mehrheit inzwischen vom Landgericht zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde, zu Lagerhallen in Duisburg und Hamm geführt. Bei drei Einbrüchen wurden Kabel und Rohre aus Kupfer im Gesamtwert von rund 90.000 Euro erbeutet und für einen Schleuderpreis anschließend in Venlo verkauft. Drei weitere Taten blieben im Versuch stecken.

Angesichts der Gesamtumstände wertete das Gericht die Taten als minderschwere Fälle. Eine einjährige Haftstrafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Obendrein muss der 33-Jährige 1000 Euro, die als Kaution für seine Entlassung aus der Untersuchungshaft hinterlegt worden waren, als Geldbuße an die Staatskasse zahlen.

EURE FAVORITEN