Besen made in Hochfeld

Shivan Ramazan: „Ich bin blind, aber nicht behindert“, sagt er selbstbewusst.
Shivan Ramazan: „Ich bin blind, aber nicht behindert“, sagt er selbstbewusst.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg-Hochfeld.. Shivan Ramazan zupft ein Bündel rote Elaston-Faser zusammen und steckt sie auf eine durchlöcherte Leiste. Jeder Handgriff sitzt. Shivan Ramazan ist einer von sechs Mitarbeitern, die in der Blindenwerkstatt Kaniss auf dem Gelände der ehemaligen Kupferhütte Besen zieht – und auch die 1000 Exemplare für die Aktion „1000 Besen für Hochfeld“ herstellt.

Und wer glaubt, Besen wären ein einfaches Produkt, der kennt die vielen Unterschiede nicht. Da gibt es solche aus Kokos für Industriehallen, Reisstrohbesen für Hof und Garten, Schrubber, Varianten mit Rosshaar, die sich für die heimische Stube eignen. Nicht zu vergessen Nagelbürsten, Schrubber oder Weihwasserpinsel. Geliefert wird aus Duisburg in die ganze Welt – viele Kunden sitzen beispielsweise in Luxemburg. Aber auch die Stadt ordert bei dem Unternehmen ihr Material.

"Wir sind blind, aber nicht behindert"

„Besen ziehen war schon immer ein Handwerk für Blinde. Vielleicht, weil man dafür Fingerspitzengefühl braucht“, erklärt Beate Kaniss. Ihr Vater hat die Werkstatt vor vielen Jahren übernommen. Er wollte blinden und sehbehinderten Menschen die Chance auf einen Arbeitsplatz geben. Die Mitarbeiter sind dankbar – und kommen teilweise sogar aus Münster angereist, ganz ohne speziellen Transport und Hilfe. „Wir sind blind, aber nicht behindert“, betont Shivan Ramazan. Hell, dunkel und Umrisse kann er noch erkennen. Aber seine Augen werden immer schlechter. Das sei traurig, sagt Shivan Ramazan, aber er hadert nicht mit der Situation. Die Arbeit macht ihm Spaß.

Ziegenhaar ist besonders fein

Nebenan schimpft eine Kollegin. Elfriede Schütz verarbeitet Ziegenhaar. Das ist besonders fein – und entsprechend schwer zu handhaben. Das Haar stammt von chinesischen Ziegen, und der Besen wird später zum Saubermachen von Möbeln eingesetzt. Je nachdem, wie oft man die Schrubber einsetzt, halten sie Jahre. „Wir stellen Qualität her“, sagt Beate Kaniss. Kein gutes Geschäftsmodell, möchte man meinen. Für diesen Fall gibt es noch einen anderen Betriebszweig.

Ein paar Meter weiter beginnt der Bereich einer anderen Firma. Hier arbeiten behinderte Menschen und packen für Unternehmen Pakete, etwa mit Handtüchern und Klopapier. Im Austausch mit anderen Werkstätten liefern die Duisburger Besen und bekommen andere Produkte, die sie dann gemeinsam vermarkten. So haben sie das ganze Jahr etwas zu tun.

Die Exemplare mit den roten Borsten werden übrigens bald in Hochfeld geschwungen. Am 14. Juli soll hier ein Weltrekord aufgestellt werden.

 
 

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