Berufsberater werben in der Moschee

Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Mit einer frohen Botschaft eröffnet Gabriela Brands-Karakus ihren Vortrag: „Der Trend auf dem Arbeitsmarkt ist eher positiv. Es gibt definitiv Chancen“, macht sie gleich zu Beginn klar. Damit hat sie die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer – denn sie wollen wissen, wie ihre Kinder den besten Weg in einen Beruf finden.

Rund 50 Eltern sind dafür nach dem Freitagsgebet in die Ditib-Begegnungsstätte der Marxloher Merkez-Moschee gekommen. Gebannt hören sie zu, doch schon nach kurzer Zeit überwiegt die Neugier. „Schicke ich eine Bewerbung lieber per Mail oder bringe ich sie vorbei?“, fragt einer. „Wie sage ich, warum ich für eine Stelle geeignet bin, ohne anzugeben?“, fragt ein anderer. Das Projekt von Arbeitsagentur und Jobcenter ist zweisprachig angelegt. Bands-Karakus redet auf deutsch, eine Präsentation unterstützt sie im Hintergrund auf türkisch.

Ismail Komsucuk, Vorsitzender der Begegnungsstätte und selbst Unternehmer, hilft engagiert bei der Übersetzung. Doch bei den vorgestellten Trends, etwa dem Fachkraftbedarf im Pflegebereich, ist er skeptisch: „In den Neunzigern sollten alle ins Baugewerbe. Nun stehen die Leute trotz Ausbildung auf der Straße.“

Auffällig: Es sind kaum Frauen im Raum, nicht eine einzige Mutter ist gekommen. Zwar dürfen auch Frauen am muslimischen Freitagsgebet teilnehmen; verpflichtend ist es jedoch nur für Männer.

Zu den wenigen weiblichen Interessenten gehört Zehra Dönmez. Zwar ist sie selbst mit einem Maschinenbau-Studium auf dem besten Weg in die Berufstätigkeit – doch seit einer schweren Krankheit fällt ihr das Studium zunehmend schwer. In einem Beratungsgespräch hat sie sich erklären lassen, wie sie weiter verfahren soll. Aber Dönmez ist nicht nur für sich selbst gekommen: „Ich finde es wichtig, dass auch die Mütter zu solchen Veranstaltungen kommen“, sagt sie. Mehrmals hebt sie ihren Arm, schließlich trauen sich auch die anderen Mädchen, ihr Anliegen vorzutragen.

Mustafa Güvens Anliegen ist einfach. Über 50 Bewerbungen hat er bereits abgeschickt, die Antworten stehen noch aus. „Es war wohl zu spät, aber jetzt hole ich meine Qualifikation nach“, erklärt der 18-jährige Schüler. Doch die Bewerbungen waren teuer, die Kosten möchte er sich erstatten lassen. In einem Beratungsgespräch erfährt er, wie das geht.

Die Anwesenden sind interessiert, doch die Einzelgespräche nutzen nur wenige. „Es waren nicht so viele Leute hier“, sagt Mehmet Ardik, Arbeits- und Sozialattaché des Türkischen Konsulats in Düsseldorf. „Aber wir machen weiter“, kündigt er an.

„Unser Hauptziel war, die Eltern zu erreichen. Das haben wir geschafft“, bilanziert Brands-Karakus. Die Jugendlichen erreiche die Agentur bereits hervorragend über die Angebote in den Schulen. Die Familie mit ins Boot zu holen, sei ein wichtiger Schritt. „Es geschieht in ihrer Umgebung, das hilft“, sagt Brands-Karakus. Und hofft nun, dass die Familien ihren Appell weitertragen: Die Agentur für Arbeit will helfen.

 
 

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