Beratungsstelle für Prostituierte im Rotlichtviertel Duisburg ist dringend notwendig

Vor ihrer Beratungstelle im Container mitten im Rotlichtviertel - Iris Sperg kämpfte schon lange dafür.
Vor ihrer Beratungstelle im Container mitten im Rotlichtviertel - Iris Sperg kämpfte schon lange dafür.
Foto: WAZFotoPool
Schon lange will die Prostituierten-Beraterung eine feste Beratungsstelle im Duisburger Rotlichtviertel anbieten. Jetzt gibt es einen Container und einen Standort - was aber noch fehlt sind Geld für Personal und Ausstattung. Ziel ist es, die Prostituierten auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen.

Duisburg. Das Rotlicht-Viertel in der Altstadt wächst beständig. Aktuell gibt es 432 Räume allein an den drei Bordellstraßen Vulkan-, Charlotten- und Julius-Weber-Straße. Viel zu tun also für die Prostituierten-Beraterin des Gesundheitsamtes, Diplom-Sozialarbeiterin Iris Sperg.

Schon immer kämpfte sie für eine szenenahe Beratungsstelle, doch seit das Gesundheitsamt nach Ruhrort gezogen ist, ist der Druck noch größer. „Für die Frauen aus Bulgarien oder Rumänien, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen müssten, die hier auf ein anderes Schriftbild treffen, zum Teil Analphabeten sind, ist das eine Reise zu einem anderen Planeten“, verdeutlicht Sperg. Szenespezifisch komme die Sorge hinzu, dass man genau den guten Kunden verpasse, wenn man den Arbeitsplatz verlasse.

Bordellbesitzer spenden für Beratungsstelle

Jetzt fügte es sich, dass der Verein Bürger für Bürger, der in Duisburg die Straßenambulanz betreut, einen Container geschenkt bekam und der Prostituierten-Beratung zur Verfügung stellte. Dann erklärten sich die Stadtwerke und ein Bordellbetreiber bereit, dass der Container als Gesundheitsberatungsstelle auf einem ihnen gehörenden Parkplatz stehen darf. Im Nachklapp reichte kürzlich die Bezirksvertretung Mitte auch noch die Genehmigung hinterher. Ein Stuhl für gynäkologische Untersuchungen wurde gespendet, ein Bordellbetreiber schenkte Farbe für den Außenanstrich.

„Wir kriegen sicher auch noch eine Inneneinrichtung aus Spenden zusammen, aber damit ist ja noch niemand untersucht“, stellt Sperg klar. Geschweige dass Strom und Wasser da sind. Da bei der Stadt nicht viel zu holen sein wird, setzt sie auf EU-Mittel. Denn die Beratung ist im Konzept für die Zuwanderung aus Südosteuropa festgeschrieben. Rund 160.000 Euro sind jährlich geplant für Betriebs-, Labor- und Personalkosten.

Aufklärung über Gefahren und Möglichkeiten

Mit im Boot hat Sperg die Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit aus Köln, die das Projekt begleiten möchte. Außerdem Madonna e.V., einen Verein aus Bochum, der sich als Treffpunkt für Sexarbeiterinnen versteht und Beratungs- und Aufklärungsarbeit leistet. Denn was im Container angeboten werden soll, geht über Infos zur Vermeidung von sexuell übertragbaren Geschlechtskrankheiten hinaus. Im Sinne eines akzeptierenden Ansatzes gehe es auch darum, für diesen Beruf fit zu machen, „denn da fehlen oft grundsätzliche Kenntnisse“, bedauert Sperg. Von der Hepatitis-Impfung bis zur Empfehlung, auch bei Oral-Sex Kondome zu benutzen, reicht die Palette.

Den Frauen soll aber auch der Weg in die Legalität geebnet werden. Denn als Selbstständige können sie eine Freizügigkeitsbescheinigung bekommen. Sammeln sie Quittungen über ihre Einnahmen, könnten sie nach einem Jahr auch Ansprüche ans Job-Center geltend machen, verdeutlicht die Beraterin.

Prostituierte bestätigen Notwendigkeit der Einrichtung

Wie groß der Bedarf ist, stellte Sperg vor einigen Wochen fest, als sie eine Beratungstour durch alle Bordelle machte: „95 Frauen in zwei Tagen, die ein Untersuchungsangebot für sexuell übertragbare Krankheiten wahrgenommen haben“, zählte sie. Darunter 35 Rumäninnen, 32 Bulgarinnen, vier Deutsche und wenige andere Nationalitäten. „An den Frauen hängen die Familien ja auch noch dran, die nicht krankenversichert sind, nicht geimpft sind, integriert werden müssen“, betont Sperg, die in den Bordellen seit fast 20 Jahren unterwegs ist.

Die Straßenambulanz will ab Mai den Container für Untersuchungen nutzen, weil die Umgebung etwas intimer erscheint als ein ausgedienter Rettungswagen. Sperg selbst und eine Madonna-Mitarbeiterin wollen zügig mit einem kleinen Beratungsangebot beginnen. Bis irgendwann Geld fließt, setzen sie weiter auf Ärzte mit Herz und Engagement. „Und vielleicht kann uns ja ein Bauunternehmer schon mal die (Ab-)Wasserleitung legen“, hofft Sperg.

 
 

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