Beim Warnstreik in Duisburg wird der Pendler zum Fußgänger

Sinan Sat
Die Busse und Straßenbahnen der DVG wie hier Am Unkelstein in Kaßlerfeld bleiben den ganzen Tag lang in den Depots. Auch die Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe beteiligten sich am Streik. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Die Busse und Straßenbahnen der DVG wie hier Am Unkelstein in Kaßlerfeld bleiben den ganzen Tag lang in den Depots. Auch die Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe beteiligten sich am Streik. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Mit Beginn der Frühschicht um halb vier begann für die Mitarbeiter der DVG in Duisburg der Warnstreik. Normalerweise wären die Depots nun um diese Uhrzeit fast leer. Nach mehreren Jahren mit Minimal-Erhöhungen fordern die Beschäftigten nun wenigstens 200 Euro mehr im Monat.

Duisburg. „Wir sind heiß darauf unseren berechtigten Forderungen mit dem Streik Nachdruck zu verleihen und wollen endlich mehr Geld“, gibt Rosemarie Schirrmacher, Verdi-Vertrauensleutesprecherin, in aller Frühe den Ton am Busbetriebshof der DVG in Kasslerfeld den Ton an.

Die Frühschicht hatte sich hier schon um sieben Uhr getroffen und mit zwei Linienbussen die Einfahrt zum Betriebshof versperrt. „Wir sind es wert“ steht auf den Plakaten der 80 Fahrer. 150 Streikende versammelten sich im Laufe des Vormittags hier. Die Busse rühren sich nicht einen Millimeter von der Stelle. Auch Mitarbeiter aus der Verwaltung oder der Technik solidarisieren sich mit ihren (nicht-)fahrenden Kollegen. So betonte Carina Stempel (26), dass es neben mehr Lohn vor allem auch um eine Übernahmegarantie für Auszubildende ginge.

Rechenbeispiel Wulff war vielerorts zu hören

Ähnliches Situation am Straßenbahnbetriebshof Grunewald. Die Tore bleiben verschlossen, die Bahnen in den Hallen. Stattdessen wehen Verdi-Flaggen in den Händen entschlossener Arbeitnehmer. „Ehrensold ist ja schön gut, aber wenn Christian Wulff nach zwei Jahren im Amt des Bundespräsidenten jährlich 200 000 Euro Ruhegeld bekommt, dann sollten Menschen, die wirklich arbeiten, auch 200 Euro mehr im Monat bekommen können“, argumentieren die Streikenden einhellig. „Im Großen und Ganzen erfahren wir viel Zuspruch aus der Bevölkerung für den Arbeitskampf“, sagt Thomas Keuer, Verdi-Bezirksgeschäftsführer und betont, dass ein Busfahrer, ein Einstiegsgehalt von etwa 1400 Euro Netto habe.

Gleiches Bild anderer Ort: „Heute: Warnstreik“ prangt an den heruntergelassenen Ein- und Ausgangsschranken der Wirtschaftsbetriebe in Hochfeld. 1000 Mitarbeiter haben hier, nach Aussage der Vetrauensleute Achim Loose und Thomas Leuchter, die Arbeit niedergelegt. Das Rechenbeispiel Wulff war auch hier immer wieder aus der Belegschaft zu hören. „Es ist an der Zeit das wir nach Jahren von Minimal-Erhöhungen endlich einen angemessenen Lohn bekommen“, betonte Loose. Außerdem müsse die Tarifvertragslaufzeit von 24 auf 12 Monate gesenkt werden. Als Vorbild halten für die Streikenden vor allem die Stahlarbeiter her.

Erinnerungen an großen Streik von 1992

Sollten die Tarifverhandlungen kommende Woche ergebnislos bleiben, seien „härtere Maßnahmen“ vorstellbar. „Wer sich an 1992 erinnert, der weiß wie eine Stadt aussieht, wenn zehn Tage lang der Müll nicht abgeholt wurde“, so Loose.

Betroffen vom Streik sind vor allem Pendler, die zur Arbeit, zur Uni oder zur Schule fahren. Dennoch war die Situation auf Duisburgs Straßen am Vormittag weitestgehend entspannt. Die Mülheimer Straße wurde zur einer kleinen Pilgermeile für Studenten und Kolleg-Schüler auf dem Weg in den Unterricht.