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Bei der Herzoperation muss jeder Handgriff sitzen

08.03.2010 | 16:32 Uhr
Bei der Herzoperation muss jeder Handgriff sitzen

Duisburg. Über 50.000 Operationen mit einer Herz-Lungen-Maschine wurden im Meidericher Herzzentrum bereits durchgeführt. Den Eingriff bei einer 78-jährigen Patientin, die wegen einer verkalkten Herzklappe unter Atemnot und plötzlicher Bewusstlosigkeit litt, durfte die WAZ begleiten.

Ausgestattet mit grünem Schlupfkasack und gleichfarbiger OP-Hose betrete ich in Begleitung des Herzspezialisten und leitenden Oberarztes Prof. Dr. Mohamed El Gabry den OP-Saal. Bei der Patientin, die bereits narkotisiert auf dem OP-Tisch liegt, soll die verkalkte Herzklappe gegen ein neues Exemplar ausgetauscht werden. Da die Frau jedoch unter einer seltenen Kunststoffallergie leidet, muss es eine spezielle, gerüstlose Aortenklappenprothese sein.

Von der Patientin ist jedoch kaum etwas zu sehen. Lediglich der freigelegte Brustkorb lässt erahnen, dass es sich bei dem Objekt auf dem OP-Tisch tatsächlich um einen lebendigen Menschen handelt - genauso gut könnte es jedoch ein Dummy sein, denn der gesamte Unterkörper ist ebenso verdeckt wie der Kopf.

Auf Anhieb erkennbar

Prof. Dr. El Gabry legt sofort los. Auf Anhieb ist erkennbar, dass ein eingespieltes Team am Werk ist. Neben dem Chef-Chirurgen gehören sechs Fachkräfte zur Mannschaft. Ein Assistenzarzt und ein OP-Helfer werden ihm während des gesamten Eingriffs nicht von der Seite weichen. Anästhesistin, Anästhesieschwester sowie ein Kardiotechniker und ein weiterer OP-Helfer komplettieren das Septett.

Dass es sich tatsächlich um einen lebendigen Menschen handelt, wird mir schnell klar. Denn wenige Sekunden, nachdem Prof. Dr. El Gabry den OP-Saal betreten hat, setzt er bereits den ersten Schnitt. Mit einem heißen Skalpell durchtrennt der Herzspezialist Haut- und Fettschicht. Was der Sauger nicht schafft, erledigen unzählige Tupfer, die nach und nach blutgetränkt im Müll landen. Die Luft riecht nach verbranntem Fleisch. Prof. Dr. El Gabry greift zur Knochensäge. Wenige Augenblicke später ist das Brustbein durchtrennt. Mit einer Schraubzwinge werden die durchtrennten Knochen auseinandergedrückt, der Herzbeutel wird sichtbar - jeder Handgriff sitzt. Parallel behält die Anästhesistin die Vitalität der Patientin im Auge. Die Öffnung im Brustkorb ist nur so groß wie ein Tennisball - die minimalinvasive Technik macht’s möglich. Der große Vorteil: Ein kleinerer Eingang garantiert eine bessere Wundheilung, die minimale Öffnung sorgt für zusätzliche Stabilität.

Der anspruchsvolle Teil

Für Prof. Dr. El Gabry und sein Team beginnt jetzt der anspruchsvolle Teil der Operation. Die Zufuhrlinie, die in wenigen Momenten das mit Sauerstoff angereicherte Blut aus der Herz-Lungen-Maschine in den Kreislauf pumpen soll, wird angebracht. Ein weiterer Schlauch, der das mit Kohlenstoffdioxid angereicherte Blut aus dem Körper in die Maschine leiten wird, ist ebenfalls montiert. Sekunden später kommt das Kommando: „Bypass an“- die Herz-Lungen-Maschine übernimmt ihre Arbeit. Wenig später steht das Herz der Patientin nach 78 Jahren Dauereinsatz still. Das EKG zeigt eine Nulllinie.

Prof. Dr. El Gabry lässt sich seine Lupenbrille anreichen - jetzt ist Feinarbeit gefragt. Nachdem die neue Klappe nahtlos und wasserdicht eingenäht ist, darf das Herz der Patientin in wenigen Augenblicken wieder schlagen.

Veränderungen im Blick

Mit einer Echo-Sonde, die durch die Speiseröhre eingeführt wird, haben die Spezialisten jede Veränderung genau im Blick. Alles läuft nach Plan - trotzdem sind die nächsten Sekunden entscheidend. Die Maschine wird langsam zurückgefahren, pumpt immer weniger Blut in den Kreislauf. Der Brustkorb hebt und senkt sich, die Lunge der Patientin füllt sich wieder mit Sauerstoff. Auch die rechte Vorkammer pulsiert, pumpt wieder Blut in den Kreislauf. Die Verbindung zur Maschine wird gekappt. Später wird Prof. Dr. El Gabry erklären, dass die Herz-Lungen-Maschine so kurz wie möglich angeschlossen sein soll. In diesem Fall war sie nur 44 Minuten im Einsatz - ein überragender Wert.

Den Rest macht das OP-Team fast im Schlaf. Es wird ausgespült und getupft - anschließend wird der Brustkorb mit Hilfe von Metalldrähten wieder zusammengezogen. Alles Weitere überlässt Prof. Dr. El Gabry seinem Assistenzarzt. Nach einem Tag auf der Intensivstation wird die Patientin auf die normale Station verlegt. Nach zehn Tagen verlässt sie die Klinik.

Jörn Esser


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