Bei den Wikingern aus Großenbaum

Denis de Haas

An Werktagen verrichtet Dennis Tebernum in Alltagskleidung seinen Job bei der Stadt Duisburg. Wenn dann aber das Wochenende anbricht, schlüpft der IT-Fachmann auch schon mal in eine Tunika, setzt sich eine Robbenfellmütze auf den Kopf und stülpt eine rote Gugel, eine Art Kapuze, über.

Seine Frau Jessica Tebernum ist häufig in einem Mantel gewandet, der mit aufwändig verarbeiteten Fibeln verziert wurde. Und auch die Kinder Nathan und Cindy tragen Kleidung aus dem Frühmittelalter. Genauer gesagt: aus dem ausgehenden neunten Jahrhundert.

Die Familie Tebernum tritt regelmäßig als Wikingersippe „Corvus Monedula“ auf Mittelalter-Festivals, bei Handwerkermärkten und im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen auf. „Wir wollen dabei den Besuchern die Geschichte der Wikinger vermitteln“, erklärt Dennis Tebernum.

Mittelaltermarkt als Inspiration

Zu diesem besonderen Hobby kam er im Jahr 2008, als er einen Mittelaltermarkt in Delbrück besuchte. „Ein Freund hat uns damals angesprochen und gefragt, ob wir uns mal die Seite der Darsteller anschauen wollten. Das haben wir gemacht und es hat uns sehr gut gefallen“, sagt Dennis Tebernum. Anschließend überlegte er mit seiner Frau, welche Darstellungsform für sie selbst infrage kommen könnte. „Zwei Jahre haben wir recherchiert. Am Ende fiel dann die Wahl auf die Wikinger. Die waren schließlich auch mal in Duisburg, von daher hat es gut gepasst“, sagt der Großenbaumer.

Als sie später durch Zufall ein halbtotes Dohlenküken fanden, hatte die Familie Tebernum auch das geeignete Wappentier gefunden. Da der Rabenvogel auf Lateinisch „Corvus Monedula“ heißt, stand an diesem Tag der Name für ihre Sippe fest. Nach und nach erweiterten die Wikinger aus Großenbaum ihre Ausrüstung. Sie legten sich ein Zelt zu, statteten ihre Lagerküche mit Geschirr aus und nähten weitere Kleidungsstücke, die sie bei ihren Auftritten tragen.

Dabei haben sie den Anspruch, dass alle Gegenstände so beschaffen sind wie zu Zeiten des Frühmittelalters. „Wenn ein Besucher zu mir kommt, will ich ihm nicht erst sagen, was er sich eigentlich alles wegdenken muss, um einen Eindruck vom wirklichen Wikingerleben zu bekommen. Es soll schon alles sehr authentisch sein“, berichtet Dennis Tebernum.

Wenn der 37-Jährige auf Festen oder in Filmen Wikinger sieht, die schwarze Lederkleidung mit aufgesetzten Metallnieten tragen, verdreht er die Augen. „Die Kleidung bestand damals aus Leinen und Wolle. Und sie wurde auch in verschiedenen Naturfarben eingefärbt“, erklärt Dennis Tebernum. Von wegen dunkles Mittelalter!

Klischee vom Fleischfresser

Auch in Sachen Ernährung gibt es über Wikinger viele Stereotypen, die laut Tebernum überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen. Mit dem Klischee vom Fleischfresser räumt Familie Tebernum stets auf, wenn sie unterwegs ist. Sie kocht Getreidebreie und gibt Wurzelgemüse in den Topf.

Weiterbilden in Wikingergeschichte

Um sich in Sachen Wikingergeschichte weiterzubilden, besucht die Sippe „Corvus Monedula“ auch häufiger den schleswig-holsteinischen Ort Haithabu. Dort siedelten sich im Frühmittelalter dänische Wikinger an, und an dieser Gruppe orientieren sich die Tebernums.

Ihr Wissen über die Wikinger geben sie übrigens auch weiter, etwa bei Projekttagen an Duisburger Schulen. Steht bei den Kindern das Thema Wikinger auf dem Lehrplan, führt Jessica Tebernum Kleidung vor und brennt mit den Mädchen und Jungen Tonperlen auf traditionelle Art und Weise.

Den Alltag der Wikinger demonstriert die Sippe auch 2017 wieder auf zahlreichen Festivals. „An etwa zehn Wochenenden im Jahr sind wir immer unterwegs“, sagt Dennis Tebernum. „Und an den anderen Wochenenden sind wir oft damit beschäftigt, uns weiter in die Geschichte einzulesen und unsere Ausrüstung zu erweitern“, ergänzt seine Ehefrau.

Kleine Flucht aus dem Alltag

Dennis Tebernum gibt zu, dass so ein Wochenende auf einem Mittelaltermarkt ganz schön schlauchen kann. „Aber das ist es uns wert“, sagt er. Der Familienvater genießt es, immer wieder mal aus dem Alltag zu entfliehen und sich ins Zeitalter der Wikinger zu verabschieden.