Bedienstete der Stadt sollen Vorgesetzte zur Loveparade-Aufklärung denunzieren

Für den Bochumer Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Feltes ist Duisburgs OB Adolf Sauerland mitverantwortlich für eine „aktive Mauer des Schweigens“ in der Stadtverwaltung. Damit wolle die Führungsebene Fehler bei der Loveparade-Planung „vertuschen“, so Feltes. Archibild: dapd
Für den Bochumer Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Feltes ist Duisburgs OB Adolf Sauerland mitverantwortlich für eine „aktive Mauer des Schweigens“ in der Stadtverwaltung. Damit wolle die Führungsebene Fehler bei der Loveparade-Planung „vertuschen“, so Feltes. Archibild: dapd
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Duisburg. Die Mitarbeiter der Stadt sollen „Vorgesetzte denunzieren“, wenn sie damit zur Aufklärung der Loveparade beitragen. Dazu ermutigt sie der Rechtswissenschaftler Professor Dr. Thomas Feltes. Für ihn ist OB Sauerland Anstifter einer „Mauer des Schweigens“.

Der Rechtswissenschaftler Professor Dr. Thomas Feltes wirft der „Führungsebene der Stadt Duisburg“ vor, Einfluss auf die Aufklärung der Loveparade-Katastrophe zu nehmen. Dem Nachrichtenmagazin Focus erklärte der Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, diese „Führungsebene“ habe bei den Bediensteten der Stadtverwaltung eine „aktive Mauer des Schweigens aufgebaut, um mögliche Fehler oder Versäumnisse seitens der Stadt zu vertuschen“.

In seiner am Montag erscheinenden Ausgabe meldet der Focus weiter, Thomas Feltes habe den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland als Anstifter ausgemacht, weil der CDU-Politiker „ein solches Verhalten offenbar wünscht“. Feltes will selbst dazu beitragen, diese „aktive Mauer des Schweigens“ zu durchbrechen: Der Jurist appelliert an die Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung, „Missstände aufzudecken und im Zweifel Vorgesetzte zu denunzieren“.

Auspacken – für sich und die Opfer

Mit ihren Aussagen könnten involvierte Bedienstete sich und anderen helfen: Sie würden ihre Position in einem Strafverfahren verbessern, so Feltes, und den Loveparade-Opfern durch ihre Aussage, „einen Dienst“ erweisen, „den diese längst verdient hätten“.

Die Duisburger Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Einleitungsvermerk vom 18. Januar 2011 erklärt, warum aus ihrer Sicht gegen 16 Beschuldigte ein Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung besteht. Unter den Beschuldigten sind elf Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung, darunter Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe, der inzwischen pensionierte Planungsdezernent Jürgen Dressler und der Leiter des Duisburger Ordnungsamtes, Hans-Peter-Bölling.

Trotz des Zwischenberichtes der Staatsanwaltschaft bekräftigte OB Sauerland wiederholt seine Überzeugung, die Stadtverwaltung habe keinen Fehler gemacht, „der ursächlich zu dieser schrecklichen Katastrophe geführt hat“. (pw/WE)