BAP-Tour startet im Duisburger Theater am Marientor

Thomas Richter
BAP-Chef Wolfgang Niedecken spielte mit seiner Band bereits im April 2014 im Duisburger Theater am Marientor. Jetzt steigt dort am Pfingstmontag, 16. Mai, das „Warm Up“-Konzert zu seiner „Lebenslänglich“-Tour.
BAP-Chef Wolfgang Niedecken spielte mit seiner Band bereits im April 2014 im Duisburger Theater am Marientor. Jetzt steigt dort am Pfingstmontag, 16. Mai, das „Warm Up“-Konzert zu seiner „Lebenslänglich“-Tour.
Foto: WAZ-Fotopool
Wolfgang Niedecken und seine Kölsch-Rocker gastieren am 16. Mai im TaM. Dieser Auftritt soll ein „Testspiel unter Wettkampfbedingungen“ sein.

Duisburg. Mit einem „Warm Up“-Konzert starten die Musiker von BAP am Pfingstmontag, 16. Mai, die Jubiläumstour anlässlich ihrer 40-jährigen Bühnengeschichte im Duisburger Theater am Marientor. Vor dem Auftritt der Kölsch-Rocker unterhielt sich Bandchef Wolfgang Niedecken mit WAZ-Redakteur Thomas Richter.

Herr Niedecken, Sie sind vor kurzem 65 geworden. Haben Sie die Feierlichkeiten gut überstanden?

Niedecken: Das war ganz einfach, meine Frau hat diesmal nicht zu viel Gas gegeben. Sie zettelt an meinen Geburtstagen sonst immer Riesenfeste an. Dabei will ich eigentlich viel lieber meine Ruhe haben. Diesmal waren wir aber im kleinsten familiären Kreis – in den Bergen von Tirol.

Andere Männer in ihrem Alter gehen in Rente. Was treibt Sie denn noch auf die Bühne?

Das ist mir vor kurzem erst bewusst geworden! Ich hatte den 65. für einen stinknormalen Geburtstag gehalten. Nach wie vor genieße ich das Privileg, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Dabei war ich am Anfang gar nicht so sehr auf die Musik fixiert, ich hatte ja Malerei studiert. Wir waren zunächst nur ein paar Jungs, die einmal in der Woche einen Kasten Bier leergeprobt haben.

Worauf dürfen sich die Fans bei Ihrem Auftritt in Duisburg freuen?

Wir werden auch Sachen spielen, die aus der Zeit von vor unserem ersten Album stammen – wie etwa ganz zum Schluss „Et letzte Leed“. Das haben wir unglaublich lang nicht mehr live gespielt, ist mir aber neulich irgendwie über den Weg gelaufen. Wenn ich heute unsere damalige Version höre, ist das schon gewöhnungsbedürftig. Aber so haben wir damals eben gespielt. Für mich kommt es in erster Linie auf den Repertoirewert eines Stückes aus. Der Song muss so gut sein, dass er auch unter heutigen Bedingungen noch funktioniert.

Warum haben Sie sich Duisburg für den „Warm Up“-Gig ausgesucht?

Das Theater am Marientor ist einer der schönsten Spielorte. Die Akustik dort ist toll. Selbst beim Soundcheck vor leeren Rängen hallt es nicht – wegen der gepolsterten Sitze. Die Bühne dort ist groß genug, um unsere gesamte Produktion drauf zu kriegen. Dazu gehört ein variables Bühnenbild, die Lichttechnik und die Möglichkeit für Videoeinspieler. Für uns ist dieses Konzert aber auch die Chance zum Ausprobieren. Stimmt die Reihenfolge der Lieder? Klappt mit der Bühnentechnik alles? Wir wollen mit diesem Konzert nicht offiziell in die Wertung. Im Fußball würde man sagen: Das ist ein Testspiel unter Wettkampfbedingungen.

Sie sind in den letzten 40 Jahren unzählige Male im Ruhrgebiet aufgetreten. Was macht die Zuhörer in dieser Region so besonders?

Ich spüre auf der Bühne sofort, wenn wir dort sind. Dort kommen Menschen zu den Konzerten, die wissen, was Arbeit ist. Und die es zu schätzen wissen, wenn auch auf der Bühne richtig gearbeitet wird.

Was denken Sie heute, wenn Sie auf Fotos oder Filmaufnahmen von BAP aus den 70ern und 80ern den jungen Mann am Mikrofon sehen?

Dann denke ich, dass da mein Sohn Robin oder mein Sohn Severin auf der Bühne steht. Beide sehen mir sehr ähnlich, es sind „Vatter-Kinder“. Ich weiß auch heute noch bei jedem alten Fernsehinterview genau, was ich damals wirklich gedacht habe. Früher habe ich auf ärgerliche Journalisten-Fragen gern pampig reagiert. Heute bringt mich so schnell nix mehr aus der Ruhe. Das ist wohl die Altersmilde.

„Eine Garantie aufs Leben hat kein Mensch“ 

Sie haben in 2011 einen Schlaganfall erlitten, sind aber wieder genesen. Was ging in Ihnen vor, als Sie kürzlich vom Hirnschlag-Tod Ihres Kollegen Roger Cicero hörten?

Wir waren alle geschockt, vor allem unser Gitarrist Ulrich Rode. Der hatte seit Jahren auch in Rogers Band Gitarre gespielt. Dabei hatte es Roger doch genau richtig gemacht: Er hat sich nach einem Burnout mal eine richtige Auszeit genommen, hat seine Tournee verschoben. Ich weiß, dass viele im Musikerkreis dachten: Endlich macht das mal einer! Aber so ist das nun mal: Eine Garantie aufs Leben hat kein Mensch. Ich versuche, gesund zu leben, treibe Sport. Aber was letztlich geschieht, kann niemand vorhersagen.

Ihr neues Album und die Tour heißen „Lebenslänglich“. Wollen Sie tatsächlich so lang weitermachen?

Ich hätte nix dagegen. Wäre doch auch mal nett, irgendwann nur noch im Sitzen zu spielen (lacht). Ich habe ein Konzert von B.B. King erlebt, da war der schon weit über 80. Es war großartig – wie er gespielt hat, aber auch, wie er mit den Damen, die vor der Bühne standen, noch herumgeschakert hat.

Sie sind ein bekennender Fan der Rolling Stones. Die rufen für ein Konzertticket bis zu 300 Euro auf. Machen solche Mondpreise nicht das Geschäft kaputt?

Es ist der Wahnsinn, aber wenn die Nachfrage nun mal da ist. Mick Jagger ist halt ein Geschäftsmann. Er ruft die Preise auf – und die Leute kommen. Wir versuchen bei unseren Konzerten möglichst preisgünstig zu bleiben. Ich habe neulich eine Karte von einem meiner ersten Auftritte in einer Kölner Kneipe gefunden. Der Eintritt damals: drei Mark.

Wie blicken Sie auf die vergangenen 40 Jahre zurück?

Am Anfang waren wir nur eine Runkel-Truppe aus der Kölner Südstadt. Wir haben im Wiegehäuschen eines Kalksandstein-Werks geprobt, das dem Vater unseres damaligen Gitarristen gehörte. Das ist lange her. Aus unserer heutigen Besetzung könnten alle vom Können her auch in der Band von Bruce Springsteen spielen.