Bahn versteigert 140 Jahre alten Duisburger Brückenpfeiler

Der Eingang liegt unerreichbar in 20 Meter Höhe: Wer dort hoch will, muss erst einmal eine Leiter mitbringen.
Der Eingang liegt unerreichbar in 20 Meter Höhe: Wer dort hoch will, muss erst einmal eine Leiter mitbringen.
Foto: Stephan Eickershoff/WAZ FotoPool
Denkmalgeschütztes Gemäuer am Friemersheimer Rheinufer kommt nächste Woche unter den Hammer. Doch wer sollte sich für dieses Bauwerk interessieren?

Duisburg.. „Das mit der Vorbesichtigung wird schwierig“, gesteht der Auktionator Florian Horbach ein. „Der Eingang liegt in 20 Meter Höhe. Da müsste schon jemand mit einem Leiterwagen kommen.“ Der Eingang ist bei weitem aber nicht das einzige Kuriosum an der Immobilie, die Auktionator Horbach am kommenden Samstag im Kölner Hilton-Hotel unter den Hammer bringt.

Denn alltäglich ist an dem Objekt auf Seite elf des dicken Aktionskatalog eigentlich gar nichts: Versteigert wird ein mehr als 140 Jahre alter Brückenpfeiler, ein höchst massives Monstrum am Friemersheimer Rheinufer, ein Relikt aus der Kaiserzeit, das mit seinen beiden Wachtürmen mehr wie eine Festung als ein schnöder Brückenpfeiler erscheint.

Das Grundstück versinkt bei Hochwasser im Rhein

Dazu gehört ein Grundstück von 9400 Quadratmetern, mit dem sich allerdings wohl nur wenig anfangen lässt: Es liegt im Landschaftsschutzgebiet und versinkt bei Hochwasser in den Fluten des Rheins. „Dafür ist der Preis niedrig angesetzt“, sagt Horbach. Bei 17.000 Euro liegt das Mindestgebot.

Doch was lässt sich überhaupt mit dem denkmalgeschützten Brückenpfeiler anfangen, der seit dem Bau einer neuen, benachbarten Brücke im Jahre 1927 funktionslos in der Landschaft steht und Jahrzehnte im Immobilien-Portfolio der Deutschen Bahn AG schlummerte, die ihn jetzt los werden will? „Das Objekt könnte als Werbeträger genutzt werden, vorstellbar wäre aber auch eine Nutzung in eine kulturelle Richtung“, sagt Auktionator Horbach. „Über die Standfestigkeit muss man sich jedenfalls keine Sorgen machen, der Bau ist massiv ohne Ende.“

Auch Bunker und einen Leuchtturm hat der Auktionator schon verkauft

Wer es irgendwie bis zum Eingang schafft, findet sich in leeren Räumen wieder, wo der Wind durch die Fensteröffnungen pfeift und ein paar Meter weiter die Regionalbahn vorbei rattert. Die Bilder, die dort offenbar jemand von der Bahn AG gemacht hat und die dem Exposé beiliegen, sind nicht datiert. Die Witterung hat über die Jahrzehnte ihre Spuren hinterlassen, auf dem vorgelagerten Balkon ist gar ein meterhoher Baum gewachsen.

Allzu ungewöhnlich findet Auktionator Horbach das Objekt nicht. Die Westdeutsche Grundstücksauktionen AG mit Sitz in Köln, die das Brückenbauwerk im Auftrag der Bahn AG unter den Hammer bringt, habe in Duisburg bereits viele Bunker versteigert und an der Elbe auch schon einmal einen Leuchtturm. Die Hoffnung, das Denkmal am Friemersheimer Rheinufer am Samstag an den Mann zu bringen, sind womöglich sogar berechtigt: Zu dem Brückenpfeiler habe es bereits eine ganze Menge Anfragen gegeben, bisher haben 60 Interessenten das ausführliche Exposé angefordert.

 
 

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