Azubis gehen in Weißrussland an ihre Grenzen

10 Auszubildende aus Duisburg und Bochum reisen nach Weißrussland.
10 Auszubildende aus Duisburg und Bochum reisen nach Weißrussland.
Foto: WAZ Fotopool
Mit Werkzeug können sie umgehen, jetzt sollen sie ihre Teamfähigkeit und ihr Durchsetzungsvermögen trainieren: 10 Auszubildende von Thyssen Krupp aus Duisburg und Bochum reisen nach Weißrussland, um in der Schule eines Kinderzentrums zu arbeiten.

Duisburg.. Eingeklemmt zwischen den außenpolitisch derzeit omnipräsenten Staaten Ukraine und Russland liegt Weißrussland. Das Land leidet bis heute unter den Folgen des größten Atomreaktorunfalls der Geschichte. Als 1986 in Tschernobyl der GAU geschah, wurden 70 Prozent der abgegebenen radioaktiven Dämpfe auf das Gebiet des heutigen Weißrussland geweht. Viele Kinder erkranken so damals wie heute an Schilddrüsenkrebs und brauchen eine besondere Behandlung.

Die ist im Kinderzentrum „Nadeshda“ möglich. 1994 wurde es errichtet, gut 20 Jahre später braucht es mehr als eine kosmetische Überholung. Deshalb fahren nun zehn Auszubildende von Thyssen-Krupp für zehn Tage in die Nähe der weißrussischen Hauptstadt Minsk, um die Schule des Kinderzentrums elektrotechnisch auf den aktuellen Stand zu bringen.

Lieber Manpower als Geld

„Wir glauben, dass ein solches Erlebnis die Azubis für ihr Leben prägen wird“, sagt Michael Goralski, der das Projekt „Nadeshda“ leitet. Das Unternehmen hätte auch Geld an das Zentrum überweisen können, um zu helfen, aber „wir denken, dass Manpower, Know-How und Werkzeuge einfach mehr bringen“. Beim letzten „Nadeshda“-Einsatz war zum Beispiel Daniel Hönemann dabei. Der 24-Jährige sieht zupackend aus und man kann sich gut vorstellen, wie er vor Ort Probleme angeht. „Das sind am Anfang häufig sehr lange Arbeitstage, weil die Abläufe noch nicht ganz funktionieren“, erzählt er, „denn es gibt natürlich schon ein großes Kommunikationsproblem“. Viele der neuen Kollegen sprächen ausschließlich russisch.

Da hilft ein gesunder Optimismus und schlussendlich machte Hönemann die Erfahrung, dass es schlicht keine unüberwindlichen Situationen gibt. Genau darauf freut sich auch Dustin Hamplewski, der in diesem Jahr mitfahren darf. „Das, was wir in den vergangenen Jahren in der Ausbildung gelernt haben, dürfen wir jetzt auch endlich mal im großen Maßstab anwenden“, so der 20-Jährige. Mit Spannung und einer Portion Respekt erwartet er eine neue Kultur, die er kennenlernen möchte. „Man fragt sich ja schon: Was kommt da auf mich zu?“ sagt er, zeigt sich aber gleichzeitig sicher, dass „ich mich immer mit Freude an diese Reise erinnern werde.“

Die zehn Azubis stammen aus den Bochumer und Duisburger Standorten von Thyssen-Krupp-Steel-Europe und starten ihre Mission am 28. Mai. „Wir haben die jungen Leute an den entsprechenden Werkzeugen ausgebildet, aber vor allem werden Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen gefordert sein“, so Michael Goralski. Daniel Hönemann kennt die Anstrengung, die die Arbeitstage in Weißrussland mit sich bringen. Aber für ihn war die Motivation nie ein Problem. „Die Kinder vom Zentrum haben uns immer Obst gebracht und wir haben uns mit der Hilfe der Dolmetscher mit ihnen unterhalten. Da weiß man einfach, für wen man das alles macht und geht an seine Grenzen.“ Außerdem heißt Nadeshda schließlich „Hoffnung“.

 
 

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