Außergewöhnliche Installation zur Ruhrtriennale in Duisburg

Die Besucher schauen und hören sich die audiovisuelle Installation des japanischen Künstlers Ryoji Ikeda nicht nur an, sie sogar werden selbst ein Teil davon.
Die Besucher schauen und hören sich die audiovisuelle Installation des japanischen Künstlers Ryoji Ikeda nicht nur an, sie sogar werden selbst ein Teil davon.
Foto: Ralf Rottmann
Mit einer etwas anderen Installation eröffnete Intendant Heiner Goebbels am Donnerstagabend inoffiziell die Ruhrtriennale. Der Künstler Ryoji Ikeda aus Japan präsentierte sein Licht-Werk "test pattern (100m version)", bei dem die Gäste Teil der Inszenierung wurden.

Duisburg.. Es knistert und knackt, knattert und kracht. Es pfeift und fiept. Manchmal ohrenbetäubend laut, dann aber auch zurückhaltend gedämpft. Zu dieser Herausforderung für die Ohren gesellt sich eine weitere für die Augen: Das zuckende, gleißend-helle Licht, das von zehn unter dem Dach der Kraftzentrale befestigten Projektoren auf den ebenso weichen wie weißen Boden geworfen wird, blendet die Besucher. Und zieht sie doch magisch an.

Es zaubert auch seltsam anmutende, pechschwarze Felder und Linien auf den Untergrund, die an Strichcodes erinnern. Das perfekte Zusammenspiel dieser Komponenten ist das Geheimnis der audiovisuellen Installation von Ryoji Ikeda, die den Namen „test pattern (100m version)" trägt. So spektakulär, aber auch verstörend kam lange kein Ruhrtriennale-Auftakt mehr daher.

Kurz an die Dunkelheit gewöhnen

Donnerstagabend, 19 Uhr. Vor der Kraftzentrale bittet Ruhrtriennale-Intendant Heiner Goebbels zum inoffiziellen Startschuss. Er stellt ein paar Fragen an den betont bescheiden und zurückhaltend auftretenden Künstler aus Japan, der zuletzt viel in Berlin gearbeitet hatte und mit seinen Werken stets die Wahrnehmungsgrenzen seines Publikums ausloten will. Rund 300 Besucher lauschen aufmerksam. Noch gespannter sind sie aber, das Werk zu sehen. Und hautnah zu erleben.

Über eine lange, steile Außentreppe wird die Empore der Kraftzentrale erreicht. Ein paar Schritte durch einen schweren Vorhang hindurch. Die Augen müssen sich kurz an die Dunkelheit und an das flackernde Licht gewöhnen. Die Lautstärke ist immens. Gut für Empfindliche, dass Ohrenstöpsel verteilt werden. Von oben herab bietet sich ein atemberaubende Panoramablick.

Vor dem Betreten - Schuhe ausziehen!

100 Meter lang ist der Laufsteg, auf dem bereits die ersten Neugierigen hin und her spazieren. Aus dieser Perspektive wird klar: Besucher erleben diese Installation nicht nur am ganzen Körper, sie werden sogar ein Teil von ihr. Als bewegliche Figuren, die mystische Schatten werfen.

Nun also zum Selbstversuch nach unten. Vor dem Gang ins Licht heißt es aber: Schuhe ausziehen! Nur barfuß oder auf Socken dürfen die Besucher vorsichtig den bestrahlten Untergrund betreten. Er fühlt sich wie an ein fluffig-weicher Turnhallenboden. Und er verleitet jeden Draufgänger zu den verschiedensten Reaktionen: Manche setzen sich, andere legen sich gar hin. Viele bleiben minutenlang verdutzt auf der Stelle stehen, einige tanzen – beflügelt vom schnellen Takt dieser elektronischen, computergenerierten Klang-Collage.

Ein Zehn-Minuten-Zyklus

Zu jenen, die Platz nehmen, zählt auch Heiner Goebbels. „Man ist so erfasst von diesem Groove. Die Dichte der Signale ist bemerkenswert, ich empfinde sie auch nicht als aggressiv, sondern sie laden zum entspannten Genießen ein“, beschreibt der Ruhrtriennale-Intendant seine Empfindungen.

Alle diese Töne und Effekte, deren Zusammensetzung im ersten Moment beliebig wirken mag, die aber tatsächlich bis ins allerkleinste Detail miteinander synchronisiert sind, ergeben das von Künstler Ikeda gewünschte Gesamtwerk. „Es ist die größte Indoor-Installation in seiner Karriere“, so Hendrik von Boxberg, der Pressesprecher der Ruhrtriennale. Die Produktionsleiterin Ann-Christin Görtz betont, wie reibungslos trotz der immensen Anforderungen der Aufbau der Installation in der Kraftzentrale geklappt hätte.

Zehn Minuten dauert ein Zyklus. Dann beginnt das Sound- und Blitzlichtgewitter wieder von vorn. Bereit machen zur nächsten ganzkörperlichen Erfahrung.

 
 

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