„Außer Selfies können viele nichts“

Die Integration digitaler Medien in den Schulalltag ist ein Langstreckenlauf mit Hindernissen: Längst nicht alle Duisburger Schulen verfügen über technische Infrastruktur wie schnelles Internet und ein leistungsfähiges Wlan-Netz. Ebenso wenig gibt es flächendeckende Ausstattung mit der erforderlichen Hardware – Laptop, Beamer, Tablet & Co. sind, wenn überhaupt, nur in geringer Stückzahl verfügbar. Und nicht zuletzt gibt’s auch Widerstände in den Kollegien. Schulen aus Duisburg und den Nachbargemeinden geben den Vorreiter – das Netzwerk „Lernen 25“ traf sich nun mit Fachleuten im Rheinhauser Krupp-Gymnasium zum Austausch.

Digitale Medien in der Schule waren das Thema eines deutsch-niederländischen Projekts von Bildungsforscher Richard Heinen. Über das „Learning Lab“ der Uni Duisburg-Essen unterstützt er das Netzwerk. „Mit zwei Schulen bin ich angefangen. Aus dem Rinnsaal wird ein Bach“, registriert der Wissenschaftler. Klagen über mangelnde Ausstattung seien berechtigt, aber keine Ausrede, sagt Heinen. Statt Schülern die Nutzung ihrer Handys zu verbieten, sollten die Lehrer sie im Unterricht einsetzen, fordert er. „Selbst ohne Wlan lassen sich viele Funktionen nutzen“, empfiehlt auch Thomas Schwindt vom Kompetenzteam NRW. Seit neun Jahren unterstützt er im Schulmedienzentrum in der Stadtbibliothek die Schulen und begleitet einen Schulversuch, an dem neben dem Krupp-Gymnasium die Gesamtschulen Emschertal (Neumühl), Meiderich und Erich-Kästner (Homberg) sowie die Sekundarschule Hamborn beteiligt sind. I-Pad-Koffer mit 16 Geräten können die Schulen dabei ausleihen, für die Lehrer gibt’s Fortbildung. „Sie sollen den Einsatz digitaler Medien nicht als zusätzliche Arbeit, sondern als selbstverständlichen Teil des Ganzen verstehen“, sagt Schwindt, der selbst Lehrer ist.

Er gebe einen Bewusstseinswandel, bestätigt Martin Teuber, stellvertretender Schulleiter des „Krupp“ die Beobachtung von Thomas Schwindt. Als ein Austausch der alten Computer anstand, entschieden sich die Rheinhauser für Tablets, Wlan und Smartboards. Rote und grüne Aufkleber regeln, wo Handys erlaubt und verboten sind. „Das hat sich schnell eingespielt“, berichtet Schulleiter Peter Jöckel.

Eine wachsende Zahl von Kollegen nutze die neuen Medienmöglichkeiten, sagt Martin Teuber: „Seit es sie gibt, ändert sich auch die Erwartungshaltung bei den Schülern.“ Viele seien zwar ständig online, „können aber nichts außer Selfies“. Deshalb sei die Schule der richtige Ort, um Medienkompetenz zu vermitteln, sagt auch Wolfgang Vaupel (Medienberatung NRW): „Das Land entwickelt ein Leitbild zum Lernen in der digitalen Welt.“ Er fordert die Schulen auf, pragmatisch zu handeln. „Nicht alles kann man bereitstellen. Aber wir sind keine Bittsteller mehr. Die Politik erwartet, dass wir diese Wege gehen.“

 
 

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