Ausbesserungswerk Wedau – 90 Jahre Werkstatt für die Eisenbahn

Das ehemaliges Ausbesserungswerk Wedau zwischen Regattabahn und
Das ehemaliges Ausbesserungswerk Wedau zwischen Regattabahn und
Foto: Hans Blossey
Als Hafenstadt wie als Stahlstadt ist Duisburg weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, doch war und ist Duisburg auch immer eine Bahnstadt gewesen. Das wird nirgendwo deutlicher sichtbar als im Eisenbahnerstadtteil Wedau mit dem 2004 geschlossenen Ausbesserungswerk als besonderem Hingucker.

Duisburg.. Als Hafenstadt wie als Stahlstadt ist Duisburg weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, doch war und ist Duisburg auch immer eine Bahnstadt gewesen. Das wird nirgendwo deutlicher sichtbar als im Eisenbahnerstadtteil Wedau mit dem 2004 geschlossenen Ausbesserungswerk als besonderem Hingucker.

Am besten nähert man sich dem ausgedehnten Gebäudekomplex von der Wedauer Brücke und dann über die Werkstättenstraße, die schon verrät, dass an dieser Stelle einst mit Liebe gebaut wurde. Aufwendig gestaltete steinerne Ausbuchtungen am Straßenrand laden zum Verweilen ein – und das auf dem Weg, der die Menschen fast ausschließlich zur Arbeit führte.

1878 entstanden gigantische Bahnanlagen

Dabei immer den Uhrenturm vor Augen und den Anspruch des Arbeitgebers, pünktlich zu sein wie die Eisenbahn. Das war einmal: „Zweiradfahrer bitte absteigen“, steht am verschlossenen Werkstor, die Uhr steht auf 12.02 Uhr – seit Jahren, und mindestens ebenso lange musste hier niemand mehr aus dem Sattel.

Rückblende: Ab 1878 entstanden in Wedau gigantische Bahnanlagen: Betriebswerk, Verschiebebahnhof, Personenbahnhof, hier schlug das Herz des Schienenverkehrs im boomenden westlichen Ruhrgebiet, hier schnauften rund um die Uhr die Dampfloks. Für Wartung und Reparatur der Güterwaggons baute man ab 1911 das Ausbesserungswerk mit Werkshallen, Kesselhaus, Schmiede, Kantine und Feuerwehr. Allein die Mauer ums Werk würde die meisten heutigen Bauherrn finanziell überfordern.

Pomp, Pauken und Trompeten

Anfang 1914 wurde die Eröffnung gefeiert, wahrscheinlich mit zeittypischem Pomp, Pauken und Trompeten, ging’s doch um die „Königliche Eisenbahn-Hauptwerkstätte“ in Preußens Westen. Ab 1913 entstanden auch die Wohnhäuser der Bahn-Siedlung an der Werkstättenstraße, die heute noch attraktiv sind mit ihrer Lage im Grünen, mit Laubengängen, Torbögen und holzverkleideten Giebeln.

Preußens Bahn wurde zur Reichsbahn, diese zur Bundesbahn – das Ausbesserungswerk arbeitete für alle, wurde erweitert, erhielt neue Aufgaben, beschäftigte in den 60er Jahren 2000 Mitarbeiter, war unverzichtbar.

Stadtplaner wollen uni-nahes Gewerbe ansiedeln

Blieb es aber nicht. In den 80er Jahren geisterte erstmals das böse Wort „Stilllegung“ durch Büros und Werkstätten, in den 90ern wurde die Drohung konkreter. Aus Tausenden von Beschäftigten waren da schon längst Hunderte geworden. Und die wollten „ihr“ Werk behalten. Betriebsräte machten das, wofür Manager bezahlt wurden, entwickelten pfiffige Konzepte für ein Waggonwerk mit Zukunft, gewannen sogar den damaligen Bahn-Chef Heinz Dürr für ihre Ideen.

Doch die Bahn bewegte sich in eine andere Richtung, und der Chef war’s nicht auf Dauer. 2004 war das Ausbesserungswerk Geschichte. Die städtischen Planer würden das Gelände gerne für uni-nahes Gewerbe nutzen, die wichtigsten Bauten stehen unter Denkmalschutz.

 
 

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