Aus Duisburgs Historie: Im Schutze der Motte

So schön kann es mitten in Duisburg sein: eine der große Wiesen im Erholungspark Biegerhof an einem sommerlichen Mittag.
So schön kann es mitten in Duisburg sein: eine der große Wiesen im Erholungspark Biegerhof an einem sommerlichen Mittag.
Foto: FUNKE Foto Services
Am Rande des Duisburger Biegerparks findet sich ein Denkmal, das leicht zu übersehen ist. Der Park lohnt aber allemal eine ausführliche Erkundung.

Duisburg.. Manchmal ist die Motte kein Wesen, das sein Unwesen treibt, sondern ein Anwesen und vom Menschen höchst geschätzt. Zumindest in früheren Zeiten äußerer Bedrohung. Eine solche Motte findet man in Huckingen – aber nur, wenn man ganz genau hinschaut.

Von Büschen und Bäumen im Sommer weitgehend verdeckt

Dabei liegt die Motte durchaus verkehrsgünstig direkt am Parkplatz vor den Pferdeställen des Duisburger Reitervereins 64 auf dem Biegerhof. Am munter Richtung Rhein plätschernden Angerbach entlang führt ein reizvoller Spazierweg an dem eher unscheinbaren, nur wenige Meter hohen, von Büschen und Bäumen im Sommer weitgehend verdeckten Motten-Hügel vorbei, dessen wahre Bedeutung erst durch eine Info-Tafel enthüllt wird, wofür man dem Verkehrsverein kaum genug danken kann.

Der künstlich angelegte Hügel sei ursprünglich „zu Verteidigungszwecken in der Angerniederung errichtet“ worden und von Wasser umflossen gewesen. Exaktere Daten finden sich in der 1991 angelegten Denkmalakte zur „Niederungsmotte Biegerhof“: Von 4,40 Meter Höhe und einem Durchmesser von 37 Metern ist dort die Rede. Und von Karten des Urkatasters von 1804 (mit einem Fragezeichen versehen) und 1837, auf denen noch ein Graben um den Hügel und ein Gebäude auf dem Hügel zu sehen sei. Künstlich aufgeschüttete Burghügel mit einer Turmbefestigung aus Holz, später auch Stein, samt Wassergraben sei ein für den Niederrhein charakteristisches Bodendenkmal, so die Denkmalschützer weiter. Ähnliche Anlagen seien in das 10. Jahrhundert datiert worden. Grabungen an der Motte muss es auch einmal gegeben haben, Anwohner berichten noch von Gräben und Löchern, die in ihrer Kindheit in den 60er Jahren zu sehen waren.

Majestätische Bäume, großzügige Wiesenflächen, duftende Blüten, munter zwitschernde Vögel

Wer sich nicht so tief in die Geschichte vertiefen will, geht ein paar Schritte weiter zum Biegerhof. Der ist zwar schon im 14. Jahrhundert in Quellen erwähnt, die heutigen Bauten sehen aber deutlich jünger aus. Der Hof gehörte zeitweise einem Düsseldorfer Jesuitenkollegium und dann ab 1807 einer Familie Bieger, die 1960 den Hof mit 300.000 Quadratmetern Land der Stadt Duisburg verkaufte. Nicht vergessen werden soll allerdings, dass die Anfänge des ab 1961 entstehenden Parks ganz eindeutig auf Wanheimer Boden liegen, wo schon nach 1945 die ersten Grünflächen entlang des Steilhanges zur Anger an der Cramer-Klett-Straße angelegt wurden.

Was in Jahrzehnten wuchs und gedieh, kann sich heute sehen, kann sich genießen lassen. Majestätische Bäume, zum Teil durch Umpflanzungen in den Biegerpark gekommen, die Anger in ihren renaturierten Bett, großzügige Wiesenflächen, duftende Blüten, munter zwitschernde Vögel, Spiel- und Sportflächen, ein ausgedehntes Wegenetz, zum erheblichen Teil auch barrierefrei, genug Platz für Fußgänger, Radler und Reiter, auch Gastronomie. Kurz gesagt: ein Paradies mitten in der Stadt, Ruhe pur, nur wenige Schritte von Hauptverkehrsstraßen entfernt, ein Erlebnis für alle Sinne. Und damit das auch so bleibt, ist der Biegerpark längst Landschaftsschutzgebiet, auch wegen seiner Bedeutung als Brut- und Nahrungsbiotop.

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