Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Alfons Winterseel
Am Denkmal für die ermordeten Gewerkschafter fand die Gedenkveranstaltung des DGB zum Anti-Kriegstag statt.  Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool
Am Denkmal für die ermordeten Gewerkschafter fand die Gedenkveranstaltung des DGB zum Anti-Kriegstag statt. Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool
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Duisburg. Neuer Ort, neue Gesichter: Erstmals seit 20 Jahren fand die Gedenkveranstaltung zum Anti-Kriegstag in Gedenken an den Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 und den Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht im Rathaus, sondern vor dem DGB-Haus am Stapeltor statt.

Das lockte anscheinend mehr Menschen, wie der Vorsitzende der DGB-Region Niederrhein, Rainer Bischoff erfreut feststellte. Während Alt-OB Josef Krings ebenso zu den Teilnehmern zählte wie Vertreter der Kirche und der Arbeiter-Wohlfahrt, suchte man nach Oberbürgermeister Adolf Sauerland vergeblich. Für ihn sollte Bürgermeister Ercan Kocalar kommen.

Vor der Gedenkminute an die 1933 ermordeten Duisburger Gewerkschafter erinnerte Pfarrer Jürgen Widera an die Bedeutung, die Erinnerung an die Gräueltaten und den Zweiten Weltkrieg wach zu halten: „Frieden ist nicht selbstverständlich und mehr als die Abwesenheit von Krieg.“ Die Demokratie müsse auch in diesen Zeiten immer wieder verteidigt werden. Soziale Gerechtigkeit sei eine Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie. Sie werde aber durch Attacken gegen den Sozialstaat gefährdet. Weiter sagte Widera, dass man sich mit der unheilvollen Vergangenheit auseinandersetzen müsse: „Das ist wichtig für die Gestaltung der Zukunft.“

Persönliche Betroffenheit

Als Pfarrer begleitet Jürgen Widera jedes Jahr junge Auszubildende des zweiten Ausbildungsjahres von HKM zu einem Besuch des Befreiungsmuseums nach Nimwegen und zu einem Soldatenfriedhof. Anfangs könnten die Jugendlichen oft zunächst wenig damit anfangen. „Die Einstellung der Jugendlichen ändert sich, wenn sie dort erfahren, dass viele von ihnen unter die Nürnberger Rassengesetze gefallen wären.“ Dann würden sie persönliche Betroffenheit erfahren. Das gelte auch bei dem Besuch eines Soldatenfriedhofs, wenn sie auf den unzähligen Kreuzen lesen, wie jung die gefallenen Soldaten waren. Widera: „Sie waren noch Kinder als der Krieg 1939 ausbrach. Sie starben als Jugendliche ohne wirklich gelebt zu haben.“