Auf ungewissem Boden

Anne Horstmeier
Der freundliche Aston (Peter Götz) rettet Davies (Michael Altmann), der es ihm nicht dankt sondern immer unverschämter wird.
Der freundliche Aston (Peter Götz) rettet Davies (Michael Altmann), der es ihm nicht dankt sondern immer unverschämter wird.
Foto: Sascha Kreklau
Premiere beim Akzente-Theatertreffen: Philipp Kugler inszeniert Harold Pinters „Der Hausmeister“ mit drei großartigen Schauspielern.

Duisburg. Das Bühnenbild, das Harold Pinter für sein Stück „Der Hausmeister“ detailliert vorgegeben hat, soll eine vollgestopfte Bude in einem herunter gekommenen Haus in West London zeigen. Die Spielfläche im Foyer III des Stadttheaters ist fast leer. Die Ausstattung (Caroline Jarczyk) besteht aus Worten: Fenster, Gasherd, Stuhl oder Karton, steht da in weißen Großbuchstaben. Die drei Männer auf der Bühne reden zeitgleich. Nicht alles ist verständlich. Aber produzieren sie überhaupt mehr als Worte? Darf man ihren Sätzen, ihren Geschichten trauen, die keinen Anfang und kein Ende haben? Was ist erfunden, gelogen, was wahr?

Philipp Kuglers Inszenierung von „Der Hausmeister“, die beim Akzente-Theatertreffen als Eigenproduktion des Schauspiels Duisburg Premiere hatte, wirft noch eine ganz andere Frage auf: Warum taucht dieses geniale Stück, das den späteren britischen Nobelpreisträger Harold Pinter 1960 weltberühmt machte, so selten auf den Spielplänen auf?

Der Abend beeindruckt

Ausgerechnet der alte Landstreicher, der behauptet, sich in Davies umbenannt zu haben und vom gutmütigen Aston eingeladen wird, in seinem Haus zu übernachten, sagt einen dieser banal-abgründigen Schlüsselsätze: „Man weiß ja nie, wer einem so vor die Tür kommt.“ Was weiß man überhaupt über die Menschen, die einem begegnen? Diesen Alten, der anfangs wegen seines harten Lebens auf der Straße reflexartig Mitleid erzeugt, spielt Michael Altmann abstoßend fies. Von Satz zu Satz wird dieser grantelnde, rassistische, stinkende Schnorrer unzufriedener. Immer dreister wird er in seinen Forderungen an seinen Retter Aston, den Peter Götz mit dem Ausdruck eines verwunderten, verletzlichen Kindes spielt. Aston will doch nur die Steckdose reparieren, bevor er mit dem Bau eines Schuppens beginnt – dann kann er endlich mit der Renovierung beginnen, sagt er. Man weiß: Das wird nie etwas.

Beim jüngeren Bruder Mick (Stefan Kolkenbrock), redegewandter, brutaler und anscheinend erfolgreicher als Aston, biedert sich Davies schnell an, als er erfährt, das Mick das Haus gehört. Der bietet ihm sogar eine Stelle aus Hausmeister an. Das ermutigt Davies zu versuchen, Aston aus dem Haus zu drängen. Doch mit seinen Drohungen schockt er auch Mick. Am Ende ist wieder alles auf Anfang.

Der Abend beeindruckt, weil das Stück im Ungewissen darüber lässt, mit wem es da eigentlich zu tun hat. Er ist aber auch wegen der Schauspieler zu unbedingt zu empfehlen. Peter Götz und Stefan Kolkenbrock bestehen neben diesem umwerfend starken Michael Altmann mit Bravour.