Auf der Suche nach Mercators Keller

Willi Mohrs
Künstler haben die Schulen für eine Zwischen-Nutzung entdeckt.
Künstler haben die Schulen für eine Zwischen-Nutzung entdeckt.
Foto: WAZFotoPool

Duisburg. Ein Teil des Schulhofes ist schon aufgerissen, Schutt-Container sind zur Abfuhr bereit – es geht los mit der Realisierung des Mercator-Quartiers zwischen Post-, Ober-, Gutenbergstraße und Kuhlenwall. Aber ganz behutsam: Denn im Boden sind archäologische Überraschungen nicht ausgeschlossen. In diesem Teil des alten Duisburg stand unter anderem das Wohnhaus von Gerhard Mercator.

Per Dringlichkeitsbeschluss werde der Auftrag für die Grabungen erteilt, bis zur nächsten Ratssitzung nach der Sommerpause wolle man sich nicht Zeit nehmen, erklärte Uwe Rohde, Geschäftsführer des Städtischen Immobilien-Managements, gegenüber der WAZ. In diesen Tagen könnten die Arbeiten beginnen, einige Bäume habe man schon gefällt, Rohrleitungen im Untersuchungsbereich verlegt: „Das ist alles schon passiert, damit wir vernünftig graben können.“

Mercators Keller contra moderne Tiefgarage

Eine unscheinbare Tafel an einem der ausgedienten Schulgebäude, unweit der Salvatorkirche, verrät: „An dieser Stelle wohnte der Geograph Gerhard Mercator 1558 bis 1594.“

Abgerissen wurde das Wohnhaus des wahrscheinlich berühmtesten Duisburger übrigens erst nach dem Zweiten Weltkrieg, schwere Gebäudeschäden waren die Begründung. Im immer wieder bombardierten Duisburg alles andere als ein Einzelfall.

Die am Bau des neuen Quartiers interessierten Investoren dürften die Grabungen mit Spannung verfolgen. Findet sich Wertvolles im historischen Untergrund, hätte das zumindest stellenweise Folgen für die Planungen: Mercators Keller contra moderne Tiefgarage beispielsweise.

Kein Mangel an Investoren

Sollte sich aber nach Bombenkrieg und Wiederaufbau nicht an historischen Relikten mehr finden lassen, wird der Stadtrat noch im Herbst über die Vergabe der Baugrundstücke in der Nachbarschaft des Rathauses entscheiden.

An Investoren für die drei Hektar beste Innenstadtlage sei kein Mangel, sagt Rohde, Grund sei ein „absoluter Boom“ im Wohnungsbau. Am Start seien „wirklich interessante Investoren“ aus München, Berlin, Hamburg, Köln und Düsseldorf. Erwünscht sei auch, dass Duisburger Genossenschaften beteiligt werden.

Ende 2013 könne nach Grundstücksvergabe und Aufstellung eines Bebauungsplanes mit dem Mercator-Quartier begonnen werden. Rund 250 Wohnungen können dort entstehen, dazu ein Hotel, Büros und einige Einzelhandelsgeschäfte.