Auf den Spuren Pasternaks in Perm

Jan-Pieter Barbian, Leiter der Stadtbibliothek. Foto: Stephan Eickershoff
Jan-Pieter Barbian, Leiter der Stadtbibliothek. Foto: Stephan Eickershoff
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Duisburg. In Duisburg kämpft Bibliothekschef Dr. Jan-Pieter Barbian um mehr Geld für Medien: Vom Anschaffungsetat über 1 Million Euro sind bislang nur 167.000 ausgezahlt und der Antrag auf weitere Mittelfreigabe wurde abgelehnt. In Russland war Barbian ein gefragter Vortragsredner.

Eingeladen von der Goethe-Gesellschaft und der Partnerstadt Perm, hat er während eines zehntägigen Aufenthalts an einer Tagung in Perm teilgenommen und darüber berichtet, wie sich Bürger – etwa in Duisburg – für Bibliotheken engagieren; dabei hat er über die Bürgerstiftung Bibliothek und Buchpaten berichtet. Außerdem hat er im Stroganoff-Haus im 75 Kilometer entfernten Dorf Iljinskij berichtet, wie man Menschen für Bibliotheken begeistert. „Dabei habe ich vor allem Bibliotheksgebäude und ihre Einrichtung vorgestellt.“

Ein Land der Bücher

Russland sei ein Land der Bücher, so Barbian. Die Bibliotheken seien zumeist in prächtigen Gebäuden untergebracht, allerdings sehr altmodisch ausgestattet: oft als Magazin-Bibliotheken mit endlosen Zettelkästen. „Es ist wie hier vor 30, 40 Jahren.“

Die 170 Jahre alten Gorki-Bibliothek in Perm ist Bezirksbibliothek, wobei der Bezirk so groß wie Frankreich und Belgien zusammen ist und zwei Millionen Einwohner hat, von denen 800.000 in der Industrie- und Hafenstadt leben. „Dort gibt es einen deutschen Lesesaal des Goethe-Instituts mit deutschen Büchern, darunter zwei Regale mit Duisburg-Literatur“, schildert Barbian.

Puschkin-Bibliothek mit 20 Filialen

Dazu gibt es die Puschkin-Bibliothek, die eigentliche Stadtbibliothek mit ihrer Zentrale und 20 Filialen. Im riesigen Lesesaal hat 1916 Boris Pasternak gesessen; in seinem Roman „Doktor Schiwago“ lässt er den Arzt seine große Liebe Lara in diesem Saal treffen. Da beide Bibliotheken in Perm stark an einem Austausch mit Duisburg interessiert seien, habe er neben einem (eventuell vom Bibliotheksverband zu finanzierenden) personellen Austausch auch ein Publikationsprojekt vereinbart: Einen Band in Deutsch und Russisch zu Pasternak mit Texten zu Perm.

„Man merkt die Aufbruchstimmung“, so Barbian über die ebenfalls vom Schwinden der Industrie betroffenen Partnerstadt: „Und Kultur spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Stadt hat erkannt, dass Kultur Stadtmarketing ist.“

Besuch in Moskau

In Moskau hat Barbian drei Bibliotheken besucht: Die Russische Staatsbibliothek mit 43 Millionen Medien; „überwiegend Bücher, denn öffentlichen Bibliotheken ist das Ausleihen von DVDs, CDs und Videos verboten“.

Dazu hat er die Bibliothek für internationale Literatur gesehen, in der Ländern – von den USA bis zur Niederlande, von Japan bis hin zu jüdischer Literatur – eigene Wohnungen zugeordnet sind. In der staatlichen Russischen Jugendbibliothek hat Barbian einen Vortrag über kulturelle Bildung gehalten. Denn auch in Russland sei das Lesen bei jungen Leuten aus der Mode.

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