Auch Fisch Wilken kämpft ums Überleben

Die Liste der Vorwürfe, die Clemens John, Inhaber des von seinem Großvater weiland 1908 gegründeten Geschäfts De Haan, der Stadt im Zusammenhang mit seinem Entschluss zur Schließung des Ladens macht, ist beachtlich.

„Die Stadt ist gierig nach Einnahmen und Gebühren“, kritisiert er etwa die schleichende Ausweitung der gebührenpflichtigen Parkzeiten. „Erst wurden die bis 17 Uhr verlängert, jetzt sind sie schon bei 20 Uhr.“ Und statt sich um die Trinkerszene am Schiffsmaskenbrunnen zu kümmern, schreibe die Stadt lieber Knöllchen. Beides vertreibe die Kunden, sagt John: „Die Stadt bekommt die Obdachlosen dort nicht in den Griff. Die Leute betrinken sich dort, pinkeln in den Brunnen und neigen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Vier Krankenwagen-Einsätze am Tag sind nichts. Unsere Kunden haben kein Interesse daran, die können ihre Lebensmittel auch woanders kaufen.“

Städtische Fehlplanungen

Auch die Entscheidung der Stadt, das Forum und die Königsgalerie zu bauen, bringe dem inhabergeführten Einzelhandel Verluste an Kundschaft, meint John. „Die Entscheidung, im Forum Gastrobetriebe und mit Perfetto einen Lebensmittelanbieter unterzubringen, hat auch uns Kunden abgezogen. Das geht anderen Händlern ähnlich.“ Ob solche Einkaufszentren nun auf der grünen Wiese oder mitten in die Stadt gebaut würden, ist für die Auswirkungen auf die Händler in der Innenstadt nach Johns Meinung nicht ausschlaggebend: „Das sieht man deutlich am Limbecker Platz in Essen. Die Geschäfte drum herum brechen zusammen. In Duisburg ist das nicht anders. Foto Beck gibt es nicht mehr, Roskothen schwankt. Wir haben schon einige alt eingesessene Händler verloren.“ Als städtische Fehlplanung sieht John auch die Königsgalerie. „Das ist eine Totgeburt, die läuft ja gar nicht. Aber die Untermauerstraße ist dafür zerschnitten worden, so dass unsere Kunden uns nur noch von der Kuhstraße her erreichen können.“

Ein ganz besonderer Dorn im Auge ist John auch der Neubau der Sparkasse, das sogenannte Kuhlenwall-Karree. „Warum geht die Sparkasse hin und baut in dem Gebäude eine Riesenkantine, die nicht öffentlich zugänglich ist, verteilt aber an die Mitarbeiter der umliegenden Banken VIP-Karten, mit denen sie dort zu subventionierten Preisen essen können? Ist das die Aufgabe einer Sparkasse, sich in artfremden Branchen zu tummeln und die Händler, die in dieser Branche tätig sind, kaputt zu machen?“

Durch die Internet-Konkurrenz fühlt sich Clemens John nur mittelbar betroffen: „Natürlich führt das in vielen Geschäften zum Abbau an Personal, das uns als Kundschaft dann wieder fehlt.“ Aber schwerwiegender sind seiner Meinung nach die strukturellen Fehler der Stadt bei der Innenstadtentwicklung. „Da muss ich nicht mitspielen“, erklärt er kategorisch und prophezeit: „Die Innenstadt und der Sonnenwall werden aböden.“

Einer, der den Niedergang der einst so geschätzten Einkaufsstraße Sonnenwall immer deutlicher zu spüren bekommt, ist der ebenfalls alteingesessene Fischhändler Wilken. Auch er kämpft mittlerweile ums Überleben, wie Junior-Chef Stefan Wilken gegenüber der NRZ unumwunden zugibt. „Prinzipiell weiß ich nicht, ob man das alles der Stadt anlasten kann“, sagt Wilken, „aber wir haben nicht wenig Probleme. Es ist sehr viel Leerstand auf dem unteren Sonnenwall und teilweise ist das Umfeld sehr verkommen.“ Das liege natürlich auch an einigen Immobilienbesitzern, die sich nicht ausreichend um ihre Häuser kümmern würden.

Sonnenwall geht bergab

Aber, so Stefan Wilken, den Händlern auf dem Sonnenwall sei von der Stadt in Aussicht gestellt worden, dass sich die Lage durch die Königsgalerie und das Ärztehaus am Marientor verbessern würde. „Nun haben wir diese riesige Baugrube, wo nichts passiert. Und die Königsgalerie hat die Kundenfrequenz auch nicht steigern können. Der Endeffekt ist, dass wir sehr wenig Laufkundschaft haben. Oft gehen die Leute den Sonnenwall runter bis zum Friedrich-Wilhelm-Platz und drehen dort wieder um.“ Seit Jahren geschehe auf dem Sonnenwall gar nichts. Stefan Wilken: „Der Standort ist für unseren Laden sehr schwierig geworden. Aus wirtschaftlicher Sicht, wäre es sinnvoller aufzugeben, aber ein über 60 Jahre altes Geschäft aufzugeben ist nicht so einfach.“

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