Armutsrisiko für Leiharbeiter laut DGB-Studie auch in Duisburg hoch

Oliver Schmeer
Leiharbeiter verdienen in Duisburg im Schnitt 1.355 Euro brutto weniger als andere Vollzeitbeschäftigte.
Leiharbeiter verdienen in Duisburg im Schnitt 1.355 Euro brutto weniger als andere Vollzeitbeschäftigte.
Foto: imago stock&people
Leiharbeiter werden laut einer Studie des DGB Niederrhein auch in Duisburg deutlich schlechter bezahlt als andere Vollbeschäftigte: In keiner anderen Branche sei das Armutsrisiko so groß. Die Situation sei sogar noch weit schlimmer als befürchtet.

Duisburg. Erstmals hat jetzt der DGB Niederrhein einige Statistiken der Agentur für Arbeit zu den Bruttoverdiensten für die Leiharbeitskräfte in der Region vorgelegt. „Die finanzielle Lage ist noch weit schlechter als wir es befürchtet hatten“, erklärte der DGB-Regionsvorsitzende Rainer Bischoff. Viele Leiharbeiter könnten trotz Vollzeitarbeit von ihrem Gehalt als Leiharbeiter nicht mehr leben. Sie müssen oftmals einem Zweit- oder sogar Drittjob annehmen. Oder sie seien auf Hartz-IV-Zahlungen angewiesen.

Die Zahlen

Im Arbeitsagenturbezirk Duisburg haben nach der DGB-Studie die Leiharbeitskräfte Ende 2009 im Schnitt nur 1623 € brutto im Monat verdient. Dies sind 1355 € im Monat weniger als Vollzeitbeschäftigte in der Region insgesamt.

Der DGB-Auswertung liegen die Lohnangaben der Betriebe zur Sozialversicherung für 3392 vollzeitbeschäftigte Leiharbeitskräfte in Duisburg zugrunde. Knapp die Hälfte dieser Leiharbeitskräfte (1445 Beschäftigte) hat weniger als 1500 € brutto im Monat verdient und weitere 17 Prozent kamen nur auf ein Bruttoeinkommen von 1500 € bis 1800 € monatlich. Lediglich 923 beschäftigte Vollzeitkräfte verdienten mehr als 2100 € bruto im Monat. Dagegen kommen 78,4 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten in der Region auf mehr als 2100 € und im Verarbeitenden Gewerbe waren es sogar 93,3 Prozent der Beschäftigten mit Vollzeitjobs.

Hohes Armutsrisiko

„Selbst unter Einbeziehung unterschiedlicher Qualifikationen ist dieser große Einkommensabstand nicht gerechtfertigt“, kritisiert Bischoff. In keiner anderen Branche sei das Armutsrisiko trotz Erwerbstätigkeit so groß wie in der Leiharbeit.

„Die Neuordnung der ­Leiharbeit mit den Hartz-Gesetzen ist gründlich gescheitert. Der Gesetzgeber muss diesen unwürdigen Zustand endlich beenden“, fordert der DGB-Vorsitzende. In zehn EU-Ländern gilt inzwischen Gleichbehandlung der Leiharbeitskräfte. In keinem Land der EU seien die Lohnunterschiede so hoch wie in Deutschland. „Wir haben hier die Rote Laterne“, so Bischoff, der für kommenden Donnerstag einen Protest-Aktionstag des DGB ankündigt.