Arbeiterabend mit Traditionsküche und Musik

Klaus Rosenkranz
Wirt Volker Abels in seiner Gaststätte „Zum Kaiserhafen" in Duisburg-Ruhrort fotografiert.
Wirt Volker Abels in seiner Gaststätte „Zum Kaiserhafen" in Duisburg-Ruhrort fotografiert.
Foto: Fabian Strauch

Duisburg. Es gibt sie noch, diese glücklichen Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Unter diesem Aspekt ist Volker Abels gleich ein dreifach glücklicher Mensch.

Lebensmittel – das war vom Anfang seines Berufswegs an sein Thema. Der heute 65-Jährige lernte zunächst das Handwerk des Metzgers. Danach schloss er die Ausbildung zum Koch ab. „Ich wäre auch noch gerne Bäcker geworden. Aber da hat mein Vater die Handbremse gezogen und gesagt: ,Es reicht!’“ Natürlich wollte Abels seine Ausbildungen verbinden, das Gelernte mehrfach nutzen. Und so war es kein Zufall, dass er mit seiner Frau Elge die Gaststätte „Zum Kaiserhafen“ in Ruhrort übernahm und sie zum in mehrfacher Hinsicht „geschmackvollen“ Bürgertreff machte.

Fortschreitendes Kneipensterben

Nun sind auch Abels die Entwicklungen der letzten Jahre nicht entgangen, das immer weiter fortschreitende Kneipensterben beispielsweise. Von den einstmals weit über 100 Kneipen und Gaststätten in Ruhrort sind nur eine Handvoll geblieben. Und so stellte sich Volker Abels die fast philosophische Frage: „War früher alles besser?“

Eine Quelle für den umtriebigen Wirt waren beispielsweise alte Kochbücher, in denen er Gerichte fand, die heute kaum noch irgendwo auf dem Tisch stehen, schon gar nicht in heimischen Restaurants. Hinzu kamen immer wieder Hinweise von seinen Gästen, die manche Geschichte „von früher“ erzählen konnten. So erfuhr er beispielsweise von alten Ruhrortern wie dem 1964 verstorbenen Weinhändler Bernhard Rosenkranz, der seinen Kindern und Enkeln immer wieder mal erzählte, dass sich Dienstboten um die vorletzte Jahrhundertwende in den Arbeitsvertrag schreiben ließen, dass „es nicht öfter als einmal pro Woche Aal oder Lachs geben dürfe“. Diese heutigen Edelfische waren damals im wahrsten Sinne des Wortes „Arme-Leute-Essen“.

In Abels entstand eine Idee, die neudeutsch auch mit „Erlebnisgastronomie“ umschrieben wird. Er plante einen „Arbeiterabend“ mit Gerichten aus der Zeit, als die Rheinschiffer nachts noch den Hafen anlaufen mussten, Phönix-Rheinrohr und ATH noch vorhanden waren und der Ruhrorter noch in der Badeanstalt hinter dem Eisenbahnbassin schwimmen ging. Auf seiner Speisekarte am heutigen Freitag (18. Oktober) stehen nun unter anderem Kartoffelgulasch, Stullen mit Griebenschmalz, Soleier und manch andere Kleinigkeiten aus der „Arbeiterzeit“.

„Musik aus dem Pott“ begleitet das Essen

Einen Mitstreiter fand Abels in Hotte Schmiegelt, der das Essen mit „Musik aus dem Pott“ begleiten wird und damit auch kulturell das passende Ambiente bietet. (Ess)-Kultur von unten – ein vielleicht ganz passender Begriff für diesen ungewöhnlichen gastronomischen Versuch. Da das Platzangebot in der Gaststätte „Zum Kaiserhafen“ (Hafenstraße 50 in Ruhrort) begrenzt ist, bittet Volker Abels um Anmeldung unter 0203/4827783. Beginn der Veranstaltung ist um 19.30 Uhr. Kosten für Essen und Musik: 19,90 Euro.