Duisburg

Angst vor Fleisch im Kartoffelpuffer: Duisburger Erzieherinnen packen über Helikopter-Eltern aus

Manche Eltern wollen ihre Kinder bis in die Klasse begleiten. Doch manche Schulen schaffen Abhilfe.
Manche Eltern wollen ihre Kinder bis in die Klasse begleiten. Doch manche Schulen schaffen Abhilfe.
Foto: dpa

Duisburg. Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind. Doch damit schießen sie manchmal über das Ziel hinaus. Aus Angst, dass ihr Nachwuchs nicht das erreicht, was sie sich wünschen, versuchen die Eltern das Leben des Kindes schon früh in eine Richtung zu steuern.

Sie wollen das pädagogisch wertvolle Spielzeug bestimmen, suchen die passenden Freunde und exklusive Sportarten für ihren Nachwuchs aus.

Manche übertreiben ihre Fürsorge

Übertreiben die Eltern ihre Kontrollen, werden sie zu sogenannten Helikopter-Eltern - die ständig um und über ihren Kindern kreisen und sie ständig im Blick haben.

-------------------------------------

• Mehr Themen:

Mit diesem Tratsch-Baum kommuniziert ein ganzer Stadtteil

Oberhausener kann es nicht fassen: Tote Mutter zum Hörtest aufgefordert

Nicht ohne meinen Sohn - Duisburgerin (27) kämpft um ihr Familienglück, ihr Kind wird 3000 Kilometer entfernt festgehalten

-------------------------------------

In der Kita gibt es da manchmal Probleme

Nicht immer einfach in einer Kita, in der alle zusammen zu Mittag essen. Wir sprachen mit den Erzieherinnen Tanja* und Stefanie* aus Duisburg über die krassesten Helikopter-Fälle.

Tanja erzählt: „Wir hatten mal ein Paar, da hat der Mann immer, wenn er seine Zwillinge gebracht hat, den Tagesplan abfotografiert. Damit Mutti Bescheid wusste, was es zu Essen gibt und sie beruhigt sein kann.‟

Kinder essen vegetarisch

Das Thema Mahlzeiten hat auch Stefanie schon als echtes Problem erlebt: „Die Kinder, die zum Beispiel vegetarisch aufwachsen, fragen gerne bei jeder Mahlzeit, ob da wirklich auch kein Fleisch drin sei - auch wenn es Kartoffelpuffer gibt.‟

Kinder brauchen Spielanleitung

Das Spielverhalten habe sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Beide Erzieherinnen bemerken immer öfter, dass Kinder nicht mehr von sich aus spielen.

„Ich muss manchen Kindern zeigen, was sie tagsüber in der Kita spielen können. Da scheint es so, als ob die Eltern auch daheim Vorschläge und Spielangebote machen. Das ist anders als bei uns früher. Ich bin rausgegangen und wenn ich nicht wusste, was ich machen soll, habe ich Beeren und Blätter gesammelt und mir was daraus in einem Eimer „gekocht‟. Sowas kennen viele Kinder gar nicht mehr‟, erzählt Stefanie.

Und auch Tanja bestätigt: „Kinder verabreden sich nicht mehr untereinander. Heutzutage kommen oft die Mütter zum Spielen dazu.‟

Kinder haben Angst vor Straßen und Autos

Aber auch das Thema Verkehrssicherheit kennen beide Frauen. „Wenn wir spazieren gehen, gibt es Kinder, die nur auf der abgewandten Seite der Straße laufen wollen. Und manche Eltern meinen, sie müssten die Kinder direkt vor der Kita mit ihrem Auto abliefern - auch wenn sie damit dann den nachfolgenden Verkehr behindern und das viel gefährlicher ist‟, erzählt Tanja.

Stefanie ist sich sicher: „Für manche Kinder wäre ein etwas sorgloser Umgang bestimmt hilfreicher, nicht nur für uns Erzieher. Denn Angst vor einer befahrenen Straße sollte nicht schon im Kindesalter eine Rolle spielen. Bewusstsein für den Verkehr und die Gefahr ja, aber nicht Angst.‟

So gibt es immer eine neue Herausforderung für die Erzieher, die die Kinder tagsüber betreuen und versuchen, auf alle Bedürfnisse einzugehen.

*Namen von der Redaktion geändert

Dieser Text erschien erstmals im Februar 2018 auf DER WESTEN

 
 

EURE FAVORITEN