An Horst Schimanski schieden und scheiden sich die Geister

Der Schauspieler Götz George ist gestorben, Duisburg trauert auch an der Schimanski-Gasse in Ruhrort.
Der Schauspieler Götz George ist gestorben, Duisburg trauert auch an der Schimanski-Gasse in Ruhrort.
Foto: Funke Foto Services
Götz Geoge alias Horst Schimanski war Duisburgs wohl prominentester "Bürger". Seine Figur spaltete die Sympathien über Jahrzehnte hinweg. Ein Nachruf.

Duisburg.. Duisburg und Schimanski? Eine symbiotische Beziehung. Aber auch eine mit Höhen und Tiefen im Laufe der Jahrzehnte. Rückblick: Am 28. Juni 1981 strahlte die ARD die erste Tatort-Folge „Duisburg-Ruhrort“ aus. Und gleich einer der ersten Sätze hatte es in sich: „Hotte, Du Idiot, hör auf mit der Scheiße!“ Ein Skandal erster Güte, für die Figur Schimanski war Deutschland Anfang der 80er Jahre noch nicht bereit und Duisburg schon gar nicht. Der gemeine Bundesbürger stand mehr auf bieder-gediegene Kommissare. „Werft den Prügel-Kommissar aus dem Programm!“ titelte daraufhin die Neue Ruhr Zeitung. Denn damals wollte das Ruhrgebiet alles mögliche sein, aber nicht das Ruhrgebiet. Da passte der fluchende Bulle mit dem Hang zu handfesten Auseinandersetzungen so gar nicht ins nicht vorhandene Marketing-Konzept.

Doch die Stimmung änderte sich. Schimanski fand seinen Weg in die Herzen der Fernseh-Zuschauer und vor allem in die Herzen der Duisburger. Im Laufe der Zeit lernten die Duisburger ihren „Schimmi“ lieben, mochten diesen schmuddeligen Typen mit dem zerknautschen Parka und dem noch viel zerknautschteren Gesicht. Und so verwundert es nicht, dass er in seiner letzten offiziellen Tatort-Folge mit dem Drachen über Duisburg davonflog und jenes berüchtigte Wort rausbrüllte.

Zur "Horst-Schimanski-Universität" kam es nie

Doch die Schimanski-Diskussion in Duisburg war damit nicht zu Ende. Die Juso-Hochschulgruppe hatte 1992 die Idee, die noch namenlose Universität Duisburg doch nach dem Kult-Kommissar zu benennen. „Horst Schimanski hat die Schönheiten, Lebensgewohnheiten, Traditionen sowie die Ruhrgebietskultur den Zuschauern im ganzen Land auf sympathische Art nähergebracht. Auch die sozialen Probleme und Brennpunkte dieser Stadt wurden durch ihn glaubwürdig vermittelt.“

Autsch. Da hatte sich die städtische Elite gerade mit Schimanski einigermaßen arrangiert. Aber das ging den Stadtoberen dann doch zu weit. Man solle mit Gerhard Mercator doch lieber einen seriösen Namen für die Hochschule nehmen, mahnte damals Oberbürgermeister Josef Krings. Kleines Schmankerl am Rande: Der CDU-Ableger RCDS warf den Jusos „intellektuellen Tiefflug“ vor, schrieb allerdings sehr konsequent falsch „interlektuell“. Dumm gelaufen.

Nach Tatort-Aus die Rückkehr als Privatermittler

Dass Horst Schimanski immer wieder die Duisburger Bevölkerung spaltete, zeigte sich auch Ende der 90er Jahre. Der damalige Bürgermeister Heinz Pletziger trat bei einer großen CDU-Karnevalsveranstaltung in vollem „Schimmi“-Ornat auf und rief „Scheiße“ statt „Helau“, um gegen den inflationären Gebrauch des Schimpfworts in den Filmen zu protestieren.

Götz George hatte 1991 die Nase voll von „Schimanski“. Doch das änderte sich auch wieder. 1997 kehrte der Kult-Kommissar auf den Bildschirm zurück. Diesmal außerhalb der Tatort-Reihe als Privatermittler, der Polizei und Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen unterstützt. Und wieder ließ der Ärger nicht lange auf sich warten.

Die Folge „Rattennest“ 1999 erregte erneut die lokalpolitischen Gemüter. Junkies, brennende Mülltonnen und eben Ratten bevölkerten das Duisburger Stadtbild und der CDU vor Ort lief mal wieder die Galle über. Der Dank an die Stadt Duisburg für die Unterstützung bei den Dreharbeiten solle gefälligst aus dem Abspann verschwinden, forderten die Christdemokraten im Stadtrat, hatten zwar politisch keinen Erfolg. Doch die Produktionsfirma schnitt den Dank in der nächsten Folge raus, was wiederum den damaligen Planungsdezernenten Jürgen Dressler auf den Plan rief: „„Borniertheit und Kleinkariertheit haben Duisburg zur Staatengemeinschaft niederrheinischer Dörfer zurückgeworfen und die Intelligenz der Republik lacht über Duisburg.“

Protestbriefe an den WDR

2008 waren es dann Politiker aus Rheinhausen, die sich schon während der Dreharbeiten zu „Schicht im Schacht“ erregten, weil der WDR in einer Pressemitteilung verkündet hatte, der Film spiele in einer ehemaligen Bergmanns-Siedlung unweit von Duisburg. Rheinhausen sei ein „vom Niedergang bedrohter Ort”. Es hagelte Protestbriefe an den WDR. Die Pressemitteilung wurde umformuliert, der Sturm im Wasserglas beruhigte sich wieder. 2013 drehte Schimanski seinen letzten Film „Loverboy“ in Duisburg. Danach war es vorbei mit dem ruppigen Typen, der Duisburg in der gesamten Republik bekannt gemacht hatte. Nicht mit lieblichen Bildern und Geschichten, aber dafür mit rauem Charme und viel Leidenschaft.

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