Alzheimer-Gesellschaft bietet neues Beratungsangebot

Kristina Mader
Die Schwelle niedrig halten: An Ständen auf Kongressen oder Festen informiert die Alzheimer-Gesellschaft regelmäßig über das Thema Demenz.
Die Schwelle niedrig halten: An Ständen auf Kongressen oder Festen informiert die Alzheimer-Gesellschaft regelmäßig über das Thema Demenz.
Foto: Archiv-Foto: Lars Heidrich
In Duisburg fehle eine Anlaufstelle für die Frühdiagnostik, meint Dr. Horst Wimmershoff von der Alzheimer-Gesellschaft. Diese bietet nun ein neues Angebot.

Duisburg. Seit kurzem hat Großmutter einige Probleme, die richtigen Worte zu finden. Beim Erzählen einer Geschichte gerät sie ins Stocken und muss nachdenken: Wie heißt der Begriff noch gleich? In letzter Zeit passiert ihr das häufiger. Die ersten Anzeichen einer beginnenden Demenz zu erkennen ist nicht einfach – schon gar nicht, darüber zu sprechen. Betroffene und Angehörige können sich in solchen und ähnlichen Fällen an die Alzheimer-Gesellschaft wenden. Diese hat dafür ein neues Beratungsangebot eingerichtet. Dr. med. Horst Wimmershoff, stellvertretender Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Duisburg, erklärt, warum gerade in der Frühdiagnostik eine Versorgungslücke in der Stadt geschlossen werden muss.


Wie viele Duisburger sind an Demenz erkrankt?


Es gibt etwa 7000 Demenzerkrankte in Duisburg. Im Zuge der älter werdenden Gesellschaft wächst die Zahl der Patienten natürlich – und der Bedarf an Beratung steigt.


An wen richtet sich das neue Angebot?


An die Menschen, bei denen noch keine genaue Diagnose gestellt wurde. An Unsichere, die merken: „Da stimmt was nicht.“ In unsere Beratung können aber auch Angehörige kommen, die Veränderungen bei ihren Eltern oder Freunden bemerken. Wir geben z.B. Verhaltensvorschläge, wie sie das Thema bei den Angehörigen am besten ansprechen können. Etwa fünf Beratungen hatten wir bereits, die Gespräche sind immer anonym.

Was könnten mögliche Anzeichen einer Demenz sein?


Zum Beispiel wenn man merkt, dass das Gedächtnis deutlich nachlässt, der Betroffene Namen vergisst oder Wortfindungsstörungen hat. Wenn jemand plötzlich Zusammenhänge nicht mehr begreift. Wichtig ist jedoch: Wir stellen keine Diagnose. Sondern beraten, geben Hilfestellungen und vermitteln Betroffene an die entsprechenden Stellen weiter. Auch wenn ich mit meiner jahrelangen Erfahrung als Internist die Anzeichen gut erkenne, darf ich keine entsprechende Diagnose stellen. Aber ich kann den Menschen Ängste nehmen oder dazu raten, sich untersuchen zu lassen – das gibt Patienten mehr Sicherheit.


Warum ist eine frühzeitige Diagnose so wichtig?


Ohne eine gesicherte Diagnose sind auch die Hilfsangebote sinnlos. Durch eine frühe Feststellung der Demenz lässt sich der Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und der Patient kann länger ein selbstbestimmtes Leben führen. Angehörige können sich zudem besser auf die Situation einstellen.


Wo gibt es Verbesserungsbedarf?


Bisher klafft in Duisburg eine Versorgungslücke in der Frühdiagnostik. Es gibt zwar ausreichend Hilfsnetzwerke für Betroffene, jedoch keine zentrale und wertfreie Anlaufstelle für Patienten und ihre Angehörigen, die unsicher sind. Ein solches Angebot der Diagnosesicherung müsste als eigene Anlaufstelle von der Krankenkasse gefördert und an eine Geriatrische Abteilung angeschlossen werden. Gerade in der Frühdiagnose muss die Schwelle so niedrig wie möglich sein, damit Betroffene sich trauen, das Thema anzugehen und sich Hilfe zu holen. Als Alzheimergesellschaft versuchen wir so niedrigschwellig wie möglich zu arbeiten, neben den Beratungen zum Beispiel auch mit Info-Ständen auf Stadtfesten die Menschen zu erreichen. Schließlich spricht niemand gerne über seine Defizite.