Alt? Jung? Auf jeden Fall ist Ungelsheim grün!

Christel Hübscher überzeugte WAZ-Redakteur Willi Mohrs von den Vorzügen „ihres“ Stadtteils. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Christel Hübscher überzeugte WAZ-Redakteur Willi Mohrs von den Vorzügen „ihres“ Stadtteils. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Duisburg.. Ältester Stadtteil? Jüngster Stadtteil? Das ist wohl Ansichtssache. Unstrittig ist: Ungelsheim ist einer der grünsten Stadtteile Duisburgs. Was noch feststeht: Am 14. September 1959 beschloss der Stadtrat die Gründung Ungelsheims.

Eine weitere Tatsache: 51,6 Jahre alt ist der durchschnittliche Ungelsheimer, älter als jeder andere Durchschnittsstadtteileinwohner in Duisburg. Woran liegt das? Ziehen keine jungen Leute nach oder bleiben die älteren, weil’s sie sich so wohl fühlen? „Mir gefällt an Ungelsheim prinzipiell alles.“ So klar und deutlich sagt’s Christel Hübscher. 1956 zog sie nach Ungelsheim, wo seit 1953 fleißig gebaut wurde.

Das Bauprojekt war eng verbunden mit einem Namen: Karl Harzig, 1952 bis 1964 Arbeitsdirektor der damaligen Mannesmann-Hüttenwerke (heute HKM). Die Hütte brauchte Mitarbeiter, die Mitarbeiter ein Heim – im schwer kriegszerstörten Duisburg wuchs ein neuer Stadtteil heran.

„Drei Zimmer, Kochküche, mit Bad und fließendem Wasser“ beschreibt Christel Hübscher den Traum in Trümmerzeiten. Zweigeschossig mit Satteldach waren die ersten Miethausreihen, später gab’s ein Geschoss mehr. Mittendrin entstanden Geschäfte aller Art, sogar der gänzlich neuen: Die Selbstbedienung revolutionierte den Einzelhandel.

Geschäfte finden sich nach wie vor rund um die Stadtteilmitte, rund um den Karl-Harzig-Park, wenn auch nicht mehr in der Vielfalt der Anfangszeit. Der Wochenmarkt, erfahre ich, sei sehr gut besucht. Apotheke, Pizzeria, Schreibwaren, Modegeschäft, Drogeriemarkt finden sich bilden das Geschäftszentrum, mehr als in manch anderem Stadtteil. Mustergültig mittendrin: das Büro der Immobiliengesellschaft Rheinwohnungsbau als Anlaufpunkt der Mieter in allen Fragen.

„Schön grün“, sagt Christel Hübscher, sei ganz Ungelsheim. Und „luftig“. Und „ruhig“. Ich kann nur zustimmen. Blütenduft umweht uns, Vogelgezwitscher ist das Lauteste, Am Finkenacker heißt die Straße zutreffend. Auf der Fahrbahn zu gehen, ist ungefährlich, vollgeparkt sind die Straßen allenfalls abends.

„Montanunion-Häuser“ bekomme ich zu sehen, Einfamilienhäuser, wo unter anderem Mitglieder des Hüttenvorstands wohnten. Großzügige Domizile, durchaus auch villenähnlich, umgeben ganz Ungelsheim.

Wir biegen ab in die Clausthaler Straße, Eigenheime auf der einen Seite, viergeschossige Mehrfamilienhäuser auf der anderen, großzügige Rasenflächen dazwischen, Ruhe überall. „natürlich ist hier kein pulsierendes Leben“, lacht Christel Hübscher. Dafür aber zwei ansehnliche Kleingartenanlagen. Und überall Ein- und Mehrfamilienhäuser, denen anzusehen ist, dass die Eigentümer sich drum kümmern, Geld investieren.

Spezial Eine evangelische und eine katholische Kirche finden sich in Ungelsheim, eine neu-apostolische steht allerdings leer. zwei Buslinien verbinden Ungelsheim mit dem Rest der Welt, und wer nach den Eisheiligen herkommt, verspricht meine Stadtteil-Experten, erlebt ein neues, ein aufblühendes Ungelsheim, wenn an den Hunderten von Balkonen im ganzen Stadtteil frische Blumenpracht Bewohner wie Besucher erfreut.

„Es wäre schon wünschenswert, wenn wieder mehr Leute herziehen würden“, meint Christel Hübscher. Doch leerstehende Wohnungen sind mir nicht aufgefallen. Nur Baustellen für neue Häuser am Angerbach – Ungelsheim wird – zumindest an dieser Stelle – wieder ein bisschen jünger.