Als „Gangster“ zurück in die Heimat

Rudolf Hermes
Foto: WAZ-Fotopool

Bereits als Abiturient des Walsumer Kopernikus-Gymnasiums war in Fehmi Göklü die Leidenschaft für das Musical geweckt. Mit der Musical-AG seiner Schule stand er auf der Bühne der Walsumer Stadthalle. Mittlerweile ist Musical sein Beruf und zurzeit ist er im Oberhausener Metronom-Theater in „Sister Act“ zu erleben.

Dabei war Göklüs Weg auf die Musical-Bühne überhaupt nicht vorgezeichnet. Als seine Mitschüler in der achten Klasse an der Fritjof-Nansen-Realschule einen Ausflug zum Klassiker „Starlight Express“ nach Bochum planten, hielt Göklü eine flammende Rede gegen das Genre: „Ich fand die Vorstellung, dass über Gesang kommuniziert wird, vollkommen unsinnig und habe diese Fahrt deshalb auch boykottiert.“

Als dann ein Jahr später ein Besuch bei „Les Miserables“ in Duisburg am Marientor geplant war, ließ sich Fehmi Göklü dann aber überreden – und war sofort bekehrt: „Ich war wie verzaubert: Was ich vorher dumm fand, war für mich ab sofort das Größte.“ Noch im Foyer des Theaters prophezeite Göklü seinen Mitschülern, dass eine Karriere beim Musical ab sofort sein Berufsziel sei. Und er behielt damit sogar Recht.

In der Musical-AG aktiv

Von der Fritjof-Nansen-Realschule wechselte Göklü in die Oberstufe des Kopernikus-Gymnasiums, wo er 2004 das Abitur machte: „Mein Freundeskreis ging komplett auf ein Dinslakener Gymnasium, aber ich hatte von der Kopernikus-Musical-AG gehört und wollte da unbedingt mitmachen.“ Mit der AG von Musik-Lehrerin Suse Vöhringer stand Göklü in „Vampire küsst man nicht“ auf der Bühne der Walsumer Stadthalle. Bereits während des letzten Studienjahres an der Essener Folkwang-Universität der Künste wurde er für die Kölner Aufführungen des Monty-Python-Musicals „Spamalot“ engagiert und ist seitdem gut im Geschäft: In Hagen trat er in „Into the woods“ auf und im Grenzlandtheater war er der Seymour in „Der kleine Horrorladen“: „Der Seymour ist meine Lieblingsrolle, ein sehr facettenreicher Charakter. Man muss bei dieser Rolle, was die Musik und den Gesang betrifft, eine große stilistische Bandbreite innerhalb eines Stückes bedienen können. Das ist eine große Herausforderung.“

Nach einem zweijährigen Ausflug nach Stuttgart, wo Göklü in „Rebecca“ und „Sister Act“ auf der Bühne stand, ist er nun mit „Sister Act“ zurück ins Ruhrgebiet gekommen und lebt inzwischen in Essen. „Eigentlich war diese Heimkehr ein Zufall, aber ich freue mich jetzt, wieder hier zu sein, wo meine Familie und der Großteil meines Freundeskreises lebt.“

In „Sister Act“, das durch die Verfilmung mit Whoopi Goldberg berühmt wurde, steht der 30-jährige Göklü nun sieben Mal in der Woche als Gangster „T. J.“ auf der Bühne des Metronom-Theaters: „Die Geschichte berührt und ist sehr unterhaltsam und temporeich erzählt. Die Musik ist einfach mitreißend und trifft perfekt den Disco- und Motown-Sound der 70er Jahre. Und sie besitzt zudem eine große emotionale Kraft.“