Duisburg

Das ist Abdulhakam: Vor zweieinhalb Jahren floh er vor dem Krieg in Syrien, heute ist er Postbote im Pott!

  • Abdulhakam Karzoun aus Aleppo in Syrien ist heute Postbote in Duisburg-Rheinhausen
  • Der 21-Jährige studierte in Syrien Architektur
  • Sein Traum: eine Ausbildung bei der Deutschen Post

Duisburg. Mit einem Lächeln auf den Lippen kommt Abdulhakam Karzoun (21) um die Ecke geradelt.

Seit vier Monaten ist der junge Syrer als Postbote in Duisburg-Rheinhausen tätig. Er ist damit einer von 158 Geflüchteten, die allein in Duisburg bei der Deutsche Post DHL Group arbeiten.

158 Geflüchtete bei der Deutschen Post in Duisburg: Abdulhakam Karzoun (21) ist einer von ihnen

Eigentlich wollte er nach seinem Schul-Abschluss Architektur studieren. Aber nur zwei Wochen nach Studienbeginn entschloss sich Abdulhakam zur Flucht. Die Situation im syrischen Bürgerkrieg wurde unerträglich für ihn. Alleine, ohne seine Eltern, die in Aleppo zurückblieben, machte er sich auf den Weg nach Deutschland.

Drei Wochen lang war er unterwegs - über die Balkanroute landete er zunächst in Mecklenburg-Vorpommern in einem Aufnahmelager. Zweieinhalb Jahre ist das her.

Mittlerweile spricht er fast fließend Deutsch und ist angekommen im Leben in Deutschland. Sein neuer Job in Duisburg-Rheinhausen gefällt ihm. „Es macht Spaß, die Kollegen sind nett. Ich bin zufrieden“, sagt er.

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Erst Praktikum, heute eigener Zustellbezirk

Durch das Jobcenter erfuhr Abdulhakam von einer Praktikumsstelle bei der Deutschen Post. Zwei Wochen schnupperte der 21-Jährige in die Tätigkeit rein, nach kurzer Einarbeitungszeit hatte er wenig später schon seinen eigenen Zustellbezirk.

38,5 Stunden pro Woche arbeitet der Mann aus Aleppo. Täglich bereitet er zwei Stunden lang die Sendungen vor, dann geht es ab aufs Rad - 300 bis 500 Briefe warten auf ihre Empfänger.

Zwölf Kilometer legt Abdulhakam täglich mit dem Rad zurück, bei Hitze und Regen.

Die Kunden seien freundlich, die Verständigung klappe auch schon gut, berichtet er. Und Abdulhakam hat ein Ziel: „Ich würde gerne eine Ausbildung bei der Post machen.“

Tragische Schicksale

Vier Azubis mit Fluchthintergrund gibt es aktuell bei der Deutschen Post DHL Group in Duisburg. „Oft ist das weit mehr als eine Ausbildung für uns“, so Pressesprecherin Britta Töllner.

Denn hinter den Azubis verstecken sich oft tragische Schicksale. Bei einem Azubi aus Afghanistan wurden plötzlich die Eltern abgeschoben, ein anderer Kollege wollte seine Ausbildung abbrechen, weil er ihr körperlich nicht gewachsen war. Er war in seinem Herkunftsland gefoltert worden, erzählt Töllner.

Das Unternehmen hat sich die soziale Integration der Geflüchteten auf die Fahnen geschrieben. Seit September 2015 unterstützte die Deutsche Post DHL Group sie, zunächst durch Sachspenden und Soforthilfe.

Mittlerweile bietet sie Geflüchteten eine berufliche Perspektive. Etwa durch Praktika, Ausbildungen und Mentoring-Programme soll die Integration erleichtert werden.

Über 16.000 Mitarbeiter engagieren sich

„Arbeit ist eine wesentliche Voraussetzung für gelungene Integration. Als globales Unternehmen ist es für uns daher selbstverständlich, geflüchteten Menschen im Rahmen unserer Möglichkeit Angebote zu machen. Wir haben bereits viele gute Erfahrungen gesammelt, wenngleich die bürokratischen Hürden oft hoch waren“, sagt Niederlassungsleiter Rainer Ludwigs.

Über 16.000 Mitarbeiter engagieren sich für die Integration von Geflüchteten. Deutschlandweit beschäftigt das Unternehmen 1.702 Geflüchtete aus Ländern wie Syrien, Eritrea, Somalia, Iran oder dem Irak.

Ein künstlerischer Postbote

Abdulhakam ist einer von ihnen. Er liebt Schwimmen und Fußball. Und ist ein echter Künstler. Leidenschaftlich gerne zeichnet er Porträtbilder.

Der junge Postbote muss weiter. Schließlich hat man es als Postbote eilig und am Nachmittag drohen Gewitter. Also schwingt er sich auf sein postgelbes Rad, die nächsten Briefe schon in der Hand.

 
 

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