AfD-Vorsitzender in Duisburg tritt nach NPD-Affäre selbst zurück

Der verbliebene AfD-Vorstand (v.l.): Marion Stöbbe, Ulrich Martel, Heiko Thyssen und Rolf Cappel.
Der verbliebene AfD-Vorstand (v.l.): Marion Stöbbe, Ulrich Martel, Heiko Thyssen und Rolf Cappel.
Foto: Daniel Wiberny
Der umstrittene AfD-Vorsitzende Holger Lücht ist nach der NPD-Affäre beim mit Spannung erwarteten, außerordentlichen Kreisverbandstag in Duisburg selbst zurückgetreten und damit wohl einer Abwahl entgangen. Lücht soll außerdem aus der Partei ausgeschlossen werden.

Duisburg.. Holger Lücht schaffte gleich zu Beginn selbst Fakten und trat als Vorsitzender des Duisburger Kreisverbandes der „Alternative für Deutschland“ (AfD) zurück. Im Vorfeld des außerordentlichen Parteitags am Sonntag war er bereits als Fraktionsvorsitzender abgewählt worden.

Hintergrund sind gemeinsame Abstimmungen mit rechtsextremen Parteien wie der NPD im Rat und eine ausgebliebene Distanzierung davon. Seit Wochen tobt deswegen eine Schlammschlacht an der Spitze des Kreisverbandes. Gegenseitige Anschuldigungen setzten sich in einer teils sehr emotional geführten Debatte während der Versammlung fort. So hatte Lücht seinen Abwahlantrag mit Abwahlanträgen gegen andere Vorstandsmitglieder gekontert, die im weiteren Verlauf aber mit großer Mehrheit abgeschmettert wurden.

„In unserer Satzung distanzieren wir uns ganz klar von rechtsextremer Ideologie"

Lüchts Rücktritt begrüßte nicht nur ein Großteil der gut 30 anwesenden Mitglieder mit Beifall, sondern auch ausdrücklich der Landesvorsitzende der AfD, Marcus Pretzell. Er hatte sich frühzeitig klar im Machtkampf positioniert und war extra zum Parteitag nach Duisburg gekommen. „In unserer Satzung distanzieren wir uns ganz klar von rechtsextremer Ideologie. Und ich habe absolut kein Verständnis dafür, wenn jemand wie Herr Lücht das einfach nicht einsehen will.“ Deshalb laufe auch bereits ein Parteiausschlussverfahren, dem Pretzell ein weiteres folgen lassen will. Grund sind Äußerungen während der Versammlung eines einfachen AfD-Mitglieds, die das gemeinsame Abstimmungsverhalten mit rechtsextremen Parteien im Rat verharmlosten und darin gipfelten, Moscheen nicht als Gotteshäuser anerkennen zu wollen. Pretzell: „Wer auch noch die Religionsfreiheit in Frage stellt, hat bei uns nichts zu suchen.“

Lücht sieht seinem Parteiausschlussverfahren gelassen entgegen. Er wolle weiter für die AfD arbeiten. In verantwortlicher Position wird er dies aber zumindest vorerst nicht mehr tun. Nach einem eindeutigen Votum der Versammlung gehört er ebenso wie Almut Wielpütz auch nicht mehr zu den Landesdelegierten. Wielpütz, die sich demonstrativ an Lüchts Seite stellte, war zu Beginn außerdem als stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes zurückgetreten.

Neuwahlen wurden auf den ordentlichen Parteitag im nächsten Januar verschoben. Der restliche Vorstand mit Rolf Cappel, bisher stellvertretender Vorsitzender, Schatzmeister Ulrich Martel, den beiden Besitzern Marion Stöbbe und Heiko Thyssen sowie dem Pressesprecher Michael Truebert bleibt solange im Amt. Ein kommissarischer Sprecher soll in Kürze gewählt werden.

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