A59-Sperrung in Duisburg wird für Pendler zur Geduldsprobe

Noch fließt der Verkehr. Ab 1. Mai aber wird die A59 zwischen Duisburg und Duisburg Nord zunächst in Richtung Süden gesperrt.
Noch fließt der Verkehr. Ab 1. Mai aber wird die A59 zwischen Duisburg und Duisburg Nord zunächst in Richtung Süden gesperrt.
Foto: Tim Schulz/WAZ FotoPool
Weder Stadt noch Polizei oder Stauforscher vermögen einzuschätzen, welche Auswirkungen die Sperrung der A59 Berliner Brücke ab Mai auf Duisburg und die 80.000 Pendler haben wird. Staus und zwischenzeitlicher Stillstand auf den Straßen sind allerdings programmiert.

Duisburg. Wenn ab 1. Mai die Sanierungsarbeiten auf der A59 starten, wird es eng auf Duisburgs Straßen. Zwar schlagen Straßen.NRW und die Stadt Alternativen für die wichtigste Achse zwischen Zentrum und dem Duisburger Norden vor. Wie effektiv diese aber sein werden und ob sie die Stadt vor einem drohenden Verkehrskollaps bewahren, bleibt fraglich.

Überhaupt weiß noch niemand so recht, womit die Pendler ab Mai zu rechnen haben. Einzige Antwort, die immer wieder zu hören ist: Der Verkehr wird sich schon seinen Weg suchen. Mehr aber auch nicht. Denn mit der Sperre kommt eine noch nie da gewesene Situation auf die Stadt zu. Eines steht für Stauforscher Florian Mazur aber schon jetzt fest: „Es wird fast täglich Zeiten geben, in denen die Duisburger mehr stehen als fahren werden.“

In Duisburg herrscht eine besondere Verkehrssituation

„Ein großes Maß an Gelassenheit“ empfiehlt Stadt-Sprecher Peter Hilbrands den Autofahrern, die in den kommenden fünf Monaten zwischen dem Duisburger Norden und der Stadtmitte verkehren. Zumindest zu Anfang. „Denn da müssen alle Verkehrsteilnehmer mit erheblichen Einschränkungen rechnen.“

Die Verkehrsplaner hoffen allerdings darauf, dass sich die größten Probleme nach den ersten Tagen legen werden. Dennoch sei das tatsächliche Ausmaß der Baumaßnahmen nur schwer einzuschätzen, herrscht in Duisburg doch eine besondere Verkehrssituation.

Ausgelastete Brücken über Hafen und Ruhr

Zum einen wird die Stadt durch den Verlauf der Ruhr und den Hafen getrennt – rechtsrheinisch verbinden nur drei Strecken den Duisburger Norden mit der Innenstadt, von denen der wichtigste dann dicht ist. Zum anderen sind die ohnehin schon ausgelasteten Alternativrouten in der Zeit zumindest zum Teil nur eingeschränkt nutzbar. So wird der Karl-Lehr-Brückenzug während der A59-Sperrung wegen Bauarbeiten nur je einspurig befahrbar sein. Die drohende Folge: noch längere Staus an den überlasteten Knotenpunkten.

Duisburger Innenstadt wohl vor allem in der zweiten Sperrphase belastet

Ab 1. Mai bis 13. Juli wird die Autobahn 59 zwischen den Kreuzen Duisburg Nord und Duisburg in Richtung Düsseldorf voll gesperrt. In Gegenrichtung läuft der Verkehr weiter. Vom 19. Juli bis zum 2. Oktober wird die Sperrung dann umgedreht.

Stauforscher Mazur erwartet einen „Wandel innerhalb der Sperrzeit“. Zwar werden die Bereiche rund um die Karl-Lehr-Brückenzug und Aakerfährbrücke wohl durchgehend zu Stoßzeiten überfüllt sein. Doch rechnet der Physiker von der Uni Duisburg-Essen vor allem während der Sperre in Richtung Norden, also von Juli bis Oktober, mit regelmäßigem Verkehrsstillstand im Duisburger Zentrum: Auf Strecken wie Ruhrdeich, Schweizer und Mülheimer Straße etwa erwartet Mazur dann kilometerlange Rückstaus.

„In der ersten Sperrphase hingegen werden wohl vor allem anfällige Punkte rund um die A40 wie das Kreuz Kaiserberg betroffen sein.“ Auch in den nördlichen Knotenpunkten in Ruhrort und Meiderich kann es dann eng werden. Mazur empfiehlt: „Hauptverkehrszeiten nach Möglichkeit meiden oder auf den ÖPNV umsteigen.“

DVG bietet ein Spezialticket an und erweitert das Angebot 

Die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) hat sich für die A59-Sperrung gerüstet. Fast eine Million Euro billigte die Stadt der DVG zu, um den Verkehrsfluss auf der Nord-Süd-Ache möglichst auf die Gleise des öffentlichen Personennahverkehrs umzuleiten. Zudem wollen die Betriebe mit dem „A59-Umsteigerticket“ möglichst viele Menschen während der Zeit der Sperrung zum Bus- und Bahnfahren bewegen. Bislang hält sich die Nachfrage allerdings in Grenzen, wie DVG-Sprecherin Anamaria Preuss berichtet: „Wir rechnen damit, dass die Nachfrage erst kurz vor der Sperrung steigen wird.“

Umsteiger-Ticker in Essen während A40-Sperrung ist gefloppt

Bei den Nachbarbetrieben in Essen war ein ähnliches Angebot während der A40-Sperrung im Jahr 2012 gefloppt: 200 Umsteiger-Tickets verkaufte die EVAG damals. „Der erhebliche Unterschied liegt allerdings darin, dass es in Essen viele kleine Routen gibt, auf die Pendler ausweichen konnten“, sagt Preuss. „In Duisburg gibt es drei.“

A59-Sperrung in DuisburgWährend der Sperren räumt die Stadt dem öffentlichen Nahverkehr an stark frequentierten Stellen Prioritäten ein: sowohl auf der Strecke der 903 im Norden im Bereich Alt-Hamborn als auch für die Linie 901 in Kaßlerfeld. Im gleichen Zeitraum erweitert die DVG ihren Takt: Die Linie 903 fährt dann zwischen den Haltestellen „Watereck“ und „König-Heinrich-Platz“ im 5-Minuten-Takt. Auf der Strecke der 901 werden zusätzliche Pendelbusse eingesetzt.

Kommen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste noch problemlos ans Ziel? 

Vorbehaltsspuren wie in Kaßlerfeld gelten neben dem ÖPNV auch für Einsatzwagen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. „Ansonsten müssen wir uns wie jeder normale Verkehrsteilnehmer an die anderen Routen halten“, sagt Polizeisprecher Joachim Wawrzeniewski. Zwar habe man Konzepte für die veränderte Verkehrssituation vorbereitet, so sollen Fahrzeuge etwa vermehrt direkt bei Fahrtantritt Blaulicht und Martinshorn anschalten, „aber letztlich können wir auch nur hoffen, dass sie auch aufgehen“, sagt Wawrzeniewski.

Stadt Duisburg: Unternehmen sollen mit Gleitzeiten reagieren

Eine weitere Methode, die Staus zu umgehen, hat zudem die Stadt Duisburg gewählt. „Wir haben die Gleitzeiten für Mitarbeiter der Verwaltung noch weiter nach vorne gelegt“, erklärt Sprecher Hilbrands. Jetzt können die Mitarbeiter schon um 6 statt „erst“ um halb 7 Uhr zur Arbeit kommen. „Wir appellieren an jene Unternehmen, die die Möglichkeit haben, ähnliche Vorkehrungen zu treffen.“

Eine weitere Methode, um die drohenden Staus zu Hauptverkehrszeiten zu umfahren, ist laut Hilbrands der Umstieg aufs Fahrrad. Für innerstädtischen Pendler schlagen die Verkehrsplaner neben den gängigen Strecken eine zusätzliche Alternativroute zwischen Duisburg-Hamborn und der Innenstadt vor (eine Grafik finden Sie rechts als Download).

Natürlich gebe es Unternehmen und Privatpersonen, denen weder veränderte Gleitzeiten noch der Umstieg auf den ÖPNV oder das Rad möglich seien, gibt Hilbrands zu. Die müssen dann wohl doch aufs letzte Mittel zurückgreifen: die Extraportion Gelassenheit.

 
 

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