9000 Stahlarbeiter gingen in Duisburg auf die Straße

Thomas Richter
Tausende Stahlarbeiter von Thyssen-Krupp Steel, aber auch aus zahlreichen anderen Unternehmen protestierten beim gestrigen Aktionstag vor der Hauptverwaltung des Unternehmens in Bruckhausen.
Tausende Stahlarbeiter von Thyssen-Krupp Steel, aber auch aus zahlreichen anderen Unternehmen protestierten beim gestrigen Aktionstag vor der Hauptverwaltung des Unternehmens in Bruckhausen.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Stahlaktionstag lockt tausende Stahlarbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet nach Duisburg
  • Betriebsräte und Belegschaften fordern Antworten zu möglichen Standortschließungen und Fusionsplänen
  • Das Werk Hüttenheim wird bereits von Unternehmensberatern durchleuchtet

Duisburg. Zur symbolträchtigen Uhrzeit um „fünf vor zwölf“ hatte Duisburgs OB Sören Link die rund 9000 Teilnehmer das Stahlaktionstages am Mittwoch vor der Hauptverwaltung von Thyssen-Krupp Steel Europe (TKSE) in Bruckhausen begrüßt. „Für unseren Standort in Hüttenheim ist es aber nicht fünf vor, sondern bereits fünf nach zwölf“, ließ Werner von Häfen, der dortige Betriebsratsvorsitzende, kräftig die Alarmglocken schrillen.

Wenn man auf die Bilanzen der letzten drei Jahre in Hüttenheim blickt, steht dort laut von Häfen ein addiertes Defizit von 36 Millionen Euro zu Buche. Wohl deshalb seien bereits seit drei Wochen Kräfte einer Unternehmensberatung vor Ort, die alle Abteilungen und Bereiche durchleuchten sollen. „Wir sind die ersten, die es erwischt hat“, sagt von Häfen. Weil er und seine Mitstreiter dem Braten aber nicht so recht trauen, hat der Betriebsrat einen eigenen Unternehmensberater engagiert, der dieselben Aufgaben übernehmen soll. „So haben wir Vergleichsmöglichkeiten.“

Das Spezialgebiet der Arbeiter im Duisburger Süden sind Grobbleche. Das Walzwerk und die Warmbandverarbeitung produzieren addiert 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr. „Rund 80 Prozent des Materials beziehen wir als Brammen von HKM, die anderen 20 Prozent als Coils hier vom Standort Hamborn“, so von Häfen. Eine Schließung des Werks Hüttenheim als schlimmstes Szenario hätte unweigerlich Folgen für die Hochofen-Standorte. „Alles hängt mit allem zusammen. Deshalb wollen wir uns nicht auseinander dividieren lassen und kämpfen um jeden Standort und jeden Arbeitsplatz.“

Zu jung für die Altersteilzeit

Seit 1978 arbeitet Uwe Hillebrandt am Standort Hüttenheim. Der Elektrotechniker (55), der im Stadtteil Bergheim lebt, schildert sein Dilemma: „Ich bin noch zu jung für die Altersteilzeit, aber bereits zu alt für den Arbeitsmarkt.“ Er habe Angst, dass sein Standort geschlossen wird. Eine Gemütslage, die er mit seinem Arbeitskollegen Daniel Ostach aus dem Team Automatisierung/NDT teilt. Ostach ist erst 23 und hat daher bessere Wechselperspektiven. „Ich will aber bei Thyssen bleiben. Meine ganze Familie hat im Stahlbereich gearbeitet. Ich will unbedingt, dass es für uns alle hier im Süden weitergeht“, sagt der Buchholzer.

Das hofft auch Knut Giesler. Der Bezirksleiter der IG Metall NRW geißelt die TKSE-Konzernleitung für eine „Mauer des Schweigens“, die diese mit Blick auf das angekündigte Umstrukturierungsprogramm errichtet habe. „NRW hat ein Herz aus Stahl. Wir sind bereit zum Kampf“, ruft er den Belegschaften zu. Duisburgs OB Link hatte zuvor betont, dass es „richtig und notwendig“ sei, Klarheit und Antworten auf brennende Fragen nach der betrieblichen Zukunft zu verlangen. „Was sie verdienen“, so Link zu den Zuhörern, „das ist Wertschätzung und Transparenz.“