640 Beschäftigte warten zehn Jahre nach Insolvenz weiter auf Abfindung

Frank Rehe am Tor des früheren Firmengeländes: Sein Fall wurde bei der Berufung zum Pilotverfahren erklärt.
Frank Rehe am Tor des früheren Firmengeländes: Sein Fall wurde bei der Berufung zum Pilotverfahren erklärt.
Foto: Ingo Blazejewski
Zehn Jahre nach der Pleite der Rheinhauser Firma „Haustadt & Timmermann“ warten die 640 Mitarbeiter noch immer auf Geld, das ihnen zusteht. Trotz eindeutiger Urteile der Amtsgerichte müssen sie ihre Ansprüche jetzt vor dem Landgericht verteidigen: Der Insolvenzverwalter geht in Berufung.

Duisburg. Der Streit um die Abfindungsansprüche der rund 640 ehemaligen Mitarbeiter der Firma „Haustadt und Timmermann“ (H&T) in Höhe von insgesamt 4,1 Millionen Euro geht in die nächste Instanz: Am Donnerstag, 10. Oktober, kommt es vor dem Düsseldorfer Landesarbeitsgericht zum Mega-Verfahren. Gleich neun Fälle werden an einem Termin verhandelt. Nach den deutlichen Urteilen des Amtsgerichts hatte der Insolvenzverwalter Helmut Schmitz aus Krefeld Berufung eingelegt.

Die erstinstanzliche Klagewelle hatte Insolvenzverwalter verursacht, als er den ehemaligen Mitarbeitern überraschend mitteilte, dass ihre Abfindungen aus dem Sozialplan verjährt seien. Zehn Jahre hatten die Beschäftigten auf die Auszahlung gewartet, viele zogen vor Gericht — und bekamen in jedem Einzelfall recht.

Es geht um 4,1 Millionen Euro

Der erfahrene Insolvenzverwalter Schmitz, der noch 23 Mio Euro Insolvenzmasse zu verteilen hat, sei „keineswegs“ von diesen deutlichen Urteilen überrascht gewesen, sagte er der NRZ. Er hatte den Gang durch die Instanzen bis zu „einem höchstrichterlichen Urteil“ bereits im Vorfeld angekündigt, äußert sich inzwischen aber zurückhaltender: „Sollten die Urteile vor dem Landgericht bestätigt werden, müssen wir neu überlegen, ob wir tatsächlich bis zum Bundesarbeitsgericht gehen“, sagte Schmitz.

Die ehemaligen Beschäftigten und ihre Anwälte sehen dem Termin am Donnerstag gelassen entgegen. „Ich gehe fest davon aus, dass die bereits vorliegenden Urteile bestätigt werden“, sagt der Rheinhauser Rechtsanwalt Christian Puhr-Westerheide, der in der Sache 150 Mandanten vertritt.

„Ich kann gar nicht verstehen, wie man nach solchen Urteilen überhaupt Berufung einlegen kann“, sagt Frank Rehe, der ehemalige Personalleiter des 2003 in die Pleite gerutschten Pipeline-Bauers „H&T“. Sein Fall wurde zum Pilotverfahren vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf erklärt: „Alle Mitarbeiter sind guter Hoffnung, dass sie endlich ihre Abfindungen erhalten“, sagt Rehe. „Ich hoffe nur, dass ich am Ende nicht noch nach Erfurt zum Bundesarbeitsgericht fahren muss.“

 
 

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