60 Islam-Lehrer erhalten die Unterrichtserlaubnis "Idschaza"

60 Lehrer erhielten in der Merkez Moschee in  Marxloh eine Lehrerlaubnis für islamischen Religionsunterricht
60 Lehrer erhielten in der Merkez Moschee in Marxloh eine Lehrerlaubnis für islamischen Religionsunterricht
Foto: WAZ FotoPool
Die ersten 60 Islam-Lehrer in NRW haben in der Duisburger Merkez-Moschee ihre offizielle Unterrichtserlaubnis erhalten. Der Beirat für den islamischen Religionsunterricht überreichte ihnen am Montag die so genannte „Idschaza“. Bisher arbeiteten die Lehrer mit einer vorläufigen Lehrerlaubnis.

Duisburg. Unterrichtet wird islamische Religion an 33 Grundschulen des Landes bereits seit Beginn des Schuljahres. Am Montag erhielten die 60 Religionslehrer nun in der Marxloher Merkez-Moschee die „Idschaza“, die offizielle Unterrichtserlaubnis.

Zu dem Termin war Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ebenso nach Marxloh gekommen, wie der Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime (KRM), Erol Pürlü. Einigkeit herrschte darüber, dass am gestrigen Tag ein Stück Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen geschrieben wurde.

Der erste Schritt ist gemacht

Im Jahr 2011 wurde die gesetzliche Grundlage für die Erteilung des islamischen Religionsunterrichts in NRW geschaffen. Für die Muslime im Land bedeutete die gestrige Feier sehr viel. „Es ist ein Gefühl des Angekommenseins und der Gleichbehandlung“, sagte der Vorsitzende des Beirates für den islamischen Religionsunterricht in NRW, Mehmet Soyhun. Moschee und Religionsunterricht sollen sich gegenseitig ergänzen und befruchten. Ängste und Vorurteile in den Schulen könnten so abgebaut werden.

Noch sei nicht alles perfekt, aber man sei auf einem guten Weg. Man warte auf den entsprechenden Lehrplan, um das Lernmaterial darauf abstellen zu können. Auch könne man zur Zeit noch nicht allen Wünschen nach Einführung des islamischen Religionsunterrichts gerecht werden. „Aller Anfang ist schwer, aber wir lassen uns nicht entmutigen.“

Deutschland wird mehr zur Heimat

Ministerin Sylvia Löhrmann betonte die positiven Auswirkungen auf das Leben der Muslime in Nordrhein-Westfalen: „Es ist ein Beitrag zur Integration.“ Sie sei froh und stolz, dass NRW als erstes Bundesland den islamischen Religionsunterricht eingeführt habe. „Es ist ein Zeichen der Gleichberechtigung der Muslime. Deutschland wird dadurch mehr zu ihrer Heimat.“

Die Ministerin zeigte sich beruhigt darüber, dass das nicht unumstrittene Konstrukt mit dem Beirat nach Information von Juristen im Einklang mit der Verfassung stehe. Obwohl es noch Steine auf dem Weg gebe, sei der Weg selbst vorgezeichnet. Die zentrale Frage laute: „Was ist gut für die Kinder? Das ist der Maßstab.“

Arbeiten aus Überzeugung

Der Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime, Erol Pürlü, unterstrich die Bedeutung dieses Tages für die 60 Lehrer, die nun den Schlüssel zu den islamischen Religionswissenschaften erhalten hätten. Ihre Aufgabe sei „kein Mittel zum Broterwerb, sondern eine Aufgabe aus religiöser Überzeugung“. Dies sei auch der Unterschied zum Islamkunde-Unterricht.

Mehmet Soyhun unterstrich die Forderung, Seiteneinsteigern die Möglichkeit zu eröffnen, islamischen Religionsunterricht zu erteilen. So könne das Ziel eine flächendeckenden Unterrichtsangebots früher erreicht werden.

 
 

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