50 Jahre gemeinsame Geschichte mit der Türkei

Mit ehemaligen Arbeitskollegen von Mannesmann traf Serdar Bozkurt (links) am Freitag in der Hüttenschänke in Huckingen zusammen und blickte zurück. Foto: Hayrettin Özcan
Mit ehemaligen Arbeitskollegen von Mannesmann traf Serdar Bozkurt (links) am Freitag in der Hüttenschänke in Huckingen zusammen und blickte zurück. Foto: Hayrettin Özcan
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Eine Pressekonferenz mit Symbolcharakter: Der DGB bewertete das vor 50 Jahren geschlossene Anwerbeabkommen mit der Türkei aus seiner Sicht und am Tisch waren drei türkischstämmige Generationen vertreten: Serdar Bozkurt für die Generation der ersten Gastarbeiter, der lange Zeit als Dolmetscher bei Mannesmann arbeitete, Leyla Özmal Integrationsbeauftragte der Stadt für die Generation der Kinder, und Ünsal Baser, Vorsitzender der DGB-Jugend für die Generation der Enkel.

Ulrich Rieger, beim DGB zuständig für internationale und multikulturelle Zusammenarbeit, unterstrich, dass das vor 50 Jahren geschlossene Anwerbeabkommen „die Stadt nachhaltig verändert“ hat. Als das Abkommen geschlossen wurde, herrschte in der Bundesrepublik zwar Arbeitslosigkeit, aber den 150 000 Arbeitslosen standen 500 000 offene Stellen gegenüber. „Man hätte den damaligen Bedarf auch nicht ansatzweise mit heimischen Arbeitskräften decken können.“

Von dem eigentlich angedachten Rotationsprinzip, dass die in anderen Ländern angeworbenen Arbeitskräfte nach wenigen Jahren wieder in die Heimat gehen und neue Arbeitskräfte von dort hierher, rückte auch die Wirtschaft schnell wieder ab. „Von vier Millionen eingewanderten Gastarbeiter blieben 2,5 Millionen hier.“ In Duisburg waren es 34 000 Türken, etwas mehr als fünf Prozent der Einwohner (damals ca. 600 000). „Die Gesellschaft war nicht darauf eingestellt, dass sie bleiben.“

Integration in den Betrieben

In den Betrieben, so Rieger, funktionierte die Integration. Durch die Änderungen des Betriebsverfassungsgesetzes bekamen ausländische Arbeitnehmer später auch aktives und passives Wahlrecht, kämpften fortan als Betriebsräte und Vertrauensleute gemeinsam. Es sei ein großes Versäumnis, dass ihnen immer noch kein kommunales Wahlrecht zugestanden wurde. Denn in den Betrieben hätten die Türken gezeigt, dass sie gemeinsamen mit den deutschen Kollegen handeln konnten.

Serdar Bozkurt war sich damals schnell im Klaren, dass er Deutsch lernen musste und absolvierte einen Sprachkurs. „Nach der Arbeit jeden Tag von 18 bis 21 Uhr.“ So wurde er schließlich Dolmetscher im Betrieb. „Heute ist die Stelle nicht mehr besetzt, weil kein Türke dort noch einen Dolmetscher braucht.“ Und so bringen ihn die Unterstellung, dass (Duisburger) Türken kein Deutsch sprechen, auf die Palme: „Es sind vielleicht 14 %, die es nicht können.“

In der Gesellschaft verankert

Ünsal Baser: „In den ersten 30 Jahren wurde über Integration gar nicht groß gesprochen. Das ist erst seit fünf oder zehn Jahren der Fall. Ob man aber nun von deutsch-türkischen oder türkisch-deutschen Bürgern spreche, sei doch eigentlich egal: „Ich bin definitiv Duisburger.“ Und zu glauben, dass in türkischen Familien anders über das Thema Bildung für die Kinder diskutiert werde als in deutschen Familien, sei ein Trugschluss. „Viele sind längst in der deutschen Gesellschaft verankert. Und es gibt mehr positive als negative Beispiele“, so Ünsal Baser.

Auch die Integrationsbeauftragte Leyla Özmal plädiert dafür, mehr die Gemeinsamkeiten heraus zu stellen als immer nur defizitorientiert zu diskutieren. Ihr Referat unterstützte deshalb zahlreiche Veranstaltungen anlässlich des 50. Jahrestages des Anwerbabkommens. „Die Integration ist eine große Ressource, die wir haben.“

Zeitreise

Im Rahmen einer Veranstaltung anlässlich des Jahrestages wird am 19. November im Konferenzzentrum „Kleiner Prinz“ (Schwanenstraße) zu einer „Zeitreise durch die gemeinsame Geschichte“ eingeladen. In drei Gesprächskreisen sollen nach den Festansprachen deutsche und türkische Zeitzeugen zu Wort kommen.

 
 

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