355.000 Menschen fordern in Petition Loveparade-Prozess

Mehr als 355.00 Menschen haben die Online-Petition zur Loveparade unterschrieben. Sie fordern die strafrechtliche Aufarbeitung der Geschehnisse vom 24. Juli 2010.
Mehr als 355.00 Menschen haben die Online-Petition zur Loveparade unterschrieben. Sie fordern die strafrechtliche Aufarbeitung der Geschehnisse vom 24. Juli 2010.
Foto: Oliver Berg/Archiv
Sechs Jahre nach der Loveparade-Katastrophe setzen sich mehr als 355.000 Unterzeichner für einen Strafprozess ein. Montag soll die lange Unterschriftenliste ans Oberlandesgericht Düsseldorf übergeben werden.

Duisburg/Düsseldorf. Gabi Müller ist überwältigt. "Überwältigt, wie viele Menschen mein Vorhaben unterstützen." Um den "sinnlosen Tod" ihres Sohnes Christian aufzuklären, der nach der Massenpanik der Duisburger Loveparade gestorben war, hatte sie im April eine Online-Petition gestartet. Ihre Forderung: Eröffnen Sie das Strafverfahren gegen die Verantwortlichen der Loveparade. Mehr als 355.000 Menschen sehen dies offenbar ähnlich und haben ihre Petition unterschrieben. Am 25. Juli, einen Tag nach dem sechsten Jahrestag der Tragödie, will die Initiatorin die lange Liste nun dem Oberlandesgericht Düsseldorf übergeben.

Nachdem Anwälte der Hinterbliebenen und Opfer, aber auch die Duisburger Staatsanwaltschaft Beschwerde gegen den Nichtzulassungsbeschluss eingelegt hatten, prüft das OLG derzeit, ob die Entscheidung der zuständigen fünften Strafkammer am Duisburger Landgericht rechtlich korrekt war. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, ist unklar. Unterdessen hat die Duisburger Staatsanwaltschaft ein weiteres Gutachten in Auftrag ergeben, das die Klage gegen die zehn Beschuldigten untermauern und doch noch ermöglichen soll.

Die Initiatorin: "Verantwortungslosigkeit muss angemessen bestraft werden"

Gabi Müller hofft, durch die große Unterstützerzahl beweisen zu können, dass eine breite Öffentlichkeit einen Strafprozess zur Loveparade-Tragödie fordert. Die Initiatorin selbst will nicht nur die Umstände des Unglücks aufklären, unter denen ihr Sohn Christian ums Leben kam. Sie will auch ein Zeichen für zukünftige Großveranstaltungen setzen: "Verantwortungslosigkeit muss angemessen bestraft werden", betont die Mutter, "damit zukünftig solche Katastrophen verhindert werden können."

Auch ihr Anwalt Julius Reiter, der mit seiner Kanzlei an die 100 Betroffene der Duisburger Loveparade vertritt, gibt sich optimistisch: "Auch wenn das OLG selbstverständlich unabhängig und unbeeinflusst entscheiden wird, bringt die Petition die Erwartung der Betroffenen und der Öffentlichkeit an den Rechtsstaat zum Ausdruck." (mawo)

Die Petition auf Change.org kann noch bis 20. Juli 2016, 14 Uhr, unterschrieben werden.

 
 

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