32 Jahre Kampf gegen Job-Abbau

Willi Mohrs
Jürgen Dzudzek bei einer Kundgebung vorm Werkstor von Thyssen-Krupp Steel.
Jürgen Dzudzek bei einer Kundgebung vorm Werkstor von Thyssen-Krupp Steel.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Am kommenden Freitag verabschiedet die IG Metall ihren 1. Bevollmächtigten Jürgen Dzudzek (65) in den Ruhestand. Fast zehn Jahre stand er an der Spitze der Gewerkschaft, insgesamt war er 32 Jahre für die Duisburger IG Metall tätig. Sein Fazit: „Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht.“

Obwohl es ihm die Arbeit nicht immer leicht gemacht hat: „Ich hatte ja eigentlich immer mit Arbeitsplatzabbau zu tun.“ Über 40 Insolvenzen habe es in den letzten drei Jahrzehnten bei Duisburger Metallbetrieben gegeben, oft seien Jobs über Nacht verloren gegangen, nicht selten habe es massiv an der Verantwortung von Firmenführungen und -eigentümern gegenüber den Beschäftigten gemangelt, sei daran die Fortführung von Unternehmen gescheitert.

Ein beispielhafter Sozialplan

Aber es habe auch Erfolge gegeben, mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Die Ruhrorter Schiffswerft habe man retten, beim Kfz-Zulieferer ISE vor der endgültigen Schließung zwei Insolvenzen überstehen können.

Die letzte Unternehmensschließung in Duisburg, das in Österreich vom Mutterkonzern Voestalpine verkündete „Aus“ für die TSTG-Schienenfertigung in Bruckhausen, sei schlimm gewesen, weil wirtschaftlich nicht notwendig. Dafür habe man aber einen beispielhaften Sozialplan ausgehandelt: „Der kann sich sehen lassen.“ 50 Mio Euro müsse Voestalpine locker machen, um rund 250 Ex-Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft für neue Beschäftigungen fit zu machen. Er sei optimistisch, dass bei einer großen Zahl von Schienenwerkern innerhalb des kommenden Jahres eine Vermittlung in neue Arbeit gelingen werde.

Ein Verlust für Duisburg

Bei der Frage nach seiner Einschätzung der Zukunftsfähigkeit des Stahlstandortes Duisburg wird Dzudzek nachdenklich und vorsichtig, wie es seine Art ist. „Im Moment“ halte er die Stahlunternehmen vor Ort für sicher. Aber es gebe auch Alarmsignale durch „verschiedene Formen des Substanzverlustes“, etwa durch das teure Thyssen-Krupp-Abenteuer in Brasilien und den USA. Dort seien Milliarden „verballert“ worden, die man lohnender in deutsche Werke investiert hätte, etwa in das Grobblechwerk in Hüttenheim.

Und die Schließung von TSTG sei eine weitere Schwächung des Stahlverbundes in und um Duisburg, wo etwa bei der Schienenfertigung Thyssen-Krupp, Arcelor-Mittal und Voestalpine eng zusammengearbeitet haben. Dzudzek: „Das ist ein Verlust für Duisburg.“ Und die Einwirkungsmöglichkeit der Gewerkschaft sei in solchen Fragen „sehr gering“.