30 junge Täter aus Duisburg sollen die „Kurve kriegen“

Das Duisburger „Kurve kriegen“-Team mit (v. l.) Dirk Pfeiffer, Jörg Bialon und Matthias Gottesbühren.
Das Duisburger „Kurve kriegen“-Team mit (v. l.) Dirk Pfeiffer, Jörg Bialon und Matthias Gottesbühren.
Foto: WAZ FotoPool
Gerade erst 15 und schon zwei Körperverletzungen auf dem Kerbholz. 30 Jugendliche aus Duisburg sollen die "Kurve kriegen". Das gleichnamige Projekt soll Jugendliche wieder auf den richtigen Weg bringen: Anti-Aggressions-Training und Betreuung durch Sozialarbeiter statt Jugendarrest.

Duisburg. Mesut (Name von der Redaktion geändert) ist 15. Und er hat für sein Alter schon einiges auf dem Kerbholz. Wegen zweier Körperverletzungen stand der Jugendliche aus Fahrn vor Gericht. Der Richter beließ es in seinem Urteilsspruch aber bei Sozialstunden, statt den Jungen zu Jugendarrest zu verdonnern – weil Mesut gerade im Begriff ist, die Kurve zu kriegen. Dazu gehört die Teilnahme an einem Anti-Aggressions-Training, aber vor allem die Betreuung des Täters und seiner Eltern durch Sozialarbeiter sowie Kräfte der Polizei. Diese vom NRW-Innenministerium ins Leben gerufene Aktion trägt den richtungsweisenden Namen „Kurve kriegen“. Und sie wendet sich an jene, die auf die schiefe Bahn geraten sind, die vor dem weiteren Abrutschen aber bewahrt werden sollen.

An acht Standorten

Seit Oktober 2011 läuft das Projekt nun an acht Standorten, einer davon ist Duisburg. Allein hier nehmen 30 Kinder (darunter ein Mädchen) im Alter zwischen 8 und 13 Jahren teil. Sie alle verbindet, dass sie strafrechtlich mehrmals auffällig geworden sind. „Nach drei schweren Eigentumsdelikten oder einer Gewalttat wie gefährliche Körperverletzung gehen wir auf die Leute zu“, berichtet Jörg Bialon. Der Kriminalhauptkommissar der Polizei Duisburg betreut das Projekt von Beginn an. „Wer hier bei uns mitmacht, tut es freiwillig. Wir versuchen auch stets, die Eltern aktiv mit einzubinden. Das erhöht die Erfolgsaussichten enorm.“

Ein wichtiger Baustein in diesem Konzept ist eine sinnvolle Freizeitgestaltung der Kinder. Dazu gehört etwa die Teilnahme an Sportkursen, schulischen Nachhilfekursen, Ferienprogrammen, Anti-Aggressions-Trainingseinheiten oder am Musikunterricht. Weil viele der Kinder aus sozial schwachen Familien stammen, bekommen sie die Kurse bezahlt. Die Gelder dafür stammen aus einem Sonderetat.

Vertrauensverhältnis aufbauen

„Genauso wichtig ist es aber, dass wir es schaffen, ein Vertrauensverhältnis zu den Kindern aufzubauen“, sagen die Diplom-Sozialarbeiter Dirk Pfeiffer und Matthias Gottesbühren. Sie sind Ansprechpartner für die Kinder und deren Eltern, bieten ein Coaching, sind Begleitung und Ratgeber im Alltag. Natürlich wird nicht bei jedem sofort die gewünschte Wirkung erzielt, anders gesagt: einige Teilnehmer werden wieder straffällig. „Wir schmeißen sie aber nicht nach dem ersten Verhaltensrückfall sofort aus dem Projekt“, so Pfeiffer.

Stattdessen werde sanktioniert, etwa die Teilnahme am Sportkurs vorübergehend gestrichen. „Wenn jemand was ausfrisst, erfahren wir es sofort und konfrontieren damit auch direkt die Eltern“, sagt Bialon. Die Kinder lernen, dass ihre Fehlverhalten sofort Konsequenzen hat. Sie spüren dadurch aber auch, dass es ein Interesse an ihrer Person gibt. Ein Gefühl, dass jene, die aus Problemfamilien stammen, so bis dahin noch gar nicht kannten.

 
 

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