200 Jahre bis zur demografischen Kehrtwende

Duisburg.. Duisburg wächst wieder! So zumindest macht es ein Blick auf die aktuelle Geburtenzahl glauben: Nach der neuesten Erhebung der Landes-Statistiker haben im Vorjahr 2,1 Prozent mehr Neugeborene in Duisburg das Licht der Welt erblickt als im Jahr zuvor.

Doch der Schein trügt: „Das ist nicht viel Plus“, nimmt Roland Richter den Zahlen ihren Glanz. Der unumstößliche Befund des Experten im Duisburger Amt für Statistik: „Wir schrumpfen“.

4185 Geburten im Jahr 2010

4185 rosige Wonneproppen haben die Statistiker 2010 in Duisburg gezählt, 87 mehr als im Jahr zuvor. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren waren es noch 6063 Geburten! Dennoch: Ein kleines Plus, das sich auch im Malteser Krankenhaus St. Anna, eine von vier Geburtskliniken in Duisburg, niederschlägt: „Wir hatten 2010 mit 612 Geburten einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr mit 573 Geburten“, freut sich Sprecherin Annette Debusmann. „Ich glaube, dass wir die Zahlen auch in diesem Jahr erreichen“, vermutet sie mit Blick auf die bisherige Geburtenzahl von knapp 300. Doch die Freude ist auch gedämpft: „Aber es sieht nicht so aus, dass der Trend zu mehr Kindern dauerhaft fortschreitet.“

Kein Grund zur Euphorie auch im Klinikum Duisburg: „Bei uns ist der positive Trend nicht zu bestätigen“, so Sprecherin Ute Kozber. Im Gegenteil: „Im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2010 haben wir einen leichten Geburtenrückgang von rund fünf Prozent.“ Durchschnittlich 900 Frauen werden jährlich im Klinikum Duisburg Mutter, doch im ersten Halbjahr 2011 waren es nur 385. Zwar ist die Klinik „trotz der zurückhaltenden Geburtenentwicklung optimistisch, das sich die Geburtenzahlen auch in diesem Jahr noch entwickeln werden“, mit einem allgemeinen Babyboom aber rechnet niemand.

Negatives Saldo von 2000 bis 3000 jährlich

Den jedoch müsste es geben, damit die Stadt nicht weiter schrumpft: „Aufs Jahr gesehen haben wir in der Bevölkerungsentwicklung ein negatives Saldo von 2000 bis 3000“, weiß Statistiker Richter. Seit Mitte der 90er Jahre gehe es „rapide bergab“, vor allem bedingt durch sinkende Geburtenraten. So starben im vergangenen Jahr 2019 Duisburger mehr als geboren wurden. Dazu kommen 721 mehr Fort- als Hinzugezogene. Macht zusammen 2740 „Bevölkerungs-Miese“, wie der Fachmann es nennt. Da helfe auch die aktuell gestiegene Geburtenrate von 2,1 Prozent wenig. Es sei denn, der positive Trend setze sich tatsächlich fort.

Aber auch in diesem Fall ließen spürbare Auswirkungen lange auf sich warten: „Laut Bevölkerungswissenschaft der Uni Bielefeld bräuchte es zweihundert Jahre, bis sich die Bevölkerungsentwicklung so stabilisiert, dass wir wieder wachsen“, nimmt Richter jegliche Illusion auf eine baldige Kehrtwende in Sachen demografischer Wandel. Anders ausgedrückt: „Es dauert zwei bis drei Generationen, bis wir wieder auf dem ansteigenden Ast sind.“ Erst wenn das erreicht ist, kann die frohe Botschaft vielleicht auch einmal bei genauerer Betrachtung lauten: Duisburg wächst wieder!

 
 

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