Wohnidylle Hinterhof

Derendorf..  Oliver Buddenberg und Inge Tauchmann haben etwa zwei Jahre gesucht. Es gab bereits ein Objekt in Bilk, die Planungen waren auch bereits abgeschlossen, aber weil unklar war, ob es eine Baugenehmigung erteilt werden würde, haben sie davon schließlich Abstand genommen. In Derendorf wurden sie schließlich fündig, an der Tannenstraße 5. Genaugenomen ist es aber der Hinterhof der Tannenstraße 5, wo sie ihr Einfamilienhaus bauten. Sie kauften das Vorderhaus und bekamen so das Baugrundstück im Hinterhof gratis dazu, sagt Inge Tauchmann.

Hier errichteten sie schließlich einen Kubus, ein Haus, das ihrer Familie genug Platz bot. Dann wurde die Familie größer, und sie bauten einfach eine Etage drauf. Buddenberg und Tauchmann sind Architekten, haben ein kleines Büro mit fünf Mitarbeitern. „Wir sind zufrieden hier“, sagt Tauchmann, und die Kinder wollen die Stadt auch nicht missen. Wenn immer mehr Menschen in der Stadt wohnen wollen, muss der vorhandene Raum besser ausgenutzt werden. Verdichtung heißt das Schlagwort, und oft genug geht es an die Hinterhöfe. Hier, mitten in der Stadt ist noch freier Raum zum Bauen. Das kann Geschosswohnbau sein, wie er etwa an der Ackerstraße 144 in Flingern geplant ist und für die „Ackerlofts“ im Hinterhof geworben wird. Oder am Fürstenwall in Friedrichstadt, wo in den Höfen der Häuser Fürstenwall 183, 185, 187 und 189 bis zu 36 Wohnungen entstehen sollen

Ein- bis dreigeschossige Stadthäuser sind hier geplant, mit „intensiver Begrünung“: Durch kleine Gärten, zwischen Bäumen sollen die Bewohner lustwandeln können. Ebenfalls soll die bestehende Tiefgarage für die neuen Bewohner erweitert werden. 72 Stellplätze für Autos sind unter der eigentlichen Bebauung geplant. Billig ist das Ganze natürlich nicht. „Die Logistik ist aufwendiger“, sagt Tauchmann. Sie mussten jeden Stein ihres Hauses durch die Tür des Vorderhauses schleppen. Und weil man auch jede Schaufel Sand mit der Schubkarre hätte herausfahren müssen, haben sie etwa ohne Keller gebaut. Einmal setzten sie einen großen Kran ein, der Spannbetondecken über das Vorderhaus in den Hof hieven musste. Der war natürlich deutlich teurer als ein normaler Baukran. Allerdings sei das Haus trotzdem nicht teurer als ein konventionelles Haus im baugebiet gewesen, was hauptsächlich über das Finanzierungsmodell funktioniert.

Die Mieten aus dem Vorderhaus sind einkalkuliert, die Architektenleistung ist Eigenleistung und das Grundstück gab es eben gratis dazu. „Der klassische Häuslebauer traut sich vielleicht nicht ran“, gibt Tauchmann zu. Doch was für Projektentwickler funktioniert, kann auch etwas für Privatleute sein. Allerdings muss man auch Einschränkungen hinnehmen. So kämen sich manche Besucher vor wie auf einem Präsentierteller, sagt Tauchmann. Man kann eben alles einsehen von den Fenstern der Hinterhäuser. Außerdem müsse man als Bewohner des Hinterhofes sensibel mit der Lautstärke sein. Wenn Buddenberg und Tauchmann eine Party geben, bekommt es das ganze Haus mit. Der Hinterhof hallt eben. Das sei schon anders als in einem Baugebiet oder auf dem Land. Allerdings überwiegen für sie die Vorteile. „Wir haben sogar einen kleinen Garten. Mitten in der Stadt.“

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