Wie Kliniken mit Patienten mehr verdienen könnten

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Düsseldorf.. Eine Wirtschaftswissenschaftlerin rechnet Krankenhäusern vor, wie sie Kosten senken und Einnahmen erhöhen könnten - ohne dass Patienten darunter leiden. Die Doktorandin Carolin Clausen empfiehlt Kliniken, mehr Patienten zu versorgen.

Gesundheit ist uns teuer. Vor allem die Kosten der Krankenhäuser explodieren - mittlerweile auf über 60 Milliarden im Jahr, ohne dass eine Lösung des Problems in Sicht ist. Aber ist es überhaupt möglich, den Kostendruck in Kliniken zu senken, ohne die Versorgung einzuschränken? „Allerdings“, meint die junge Wirtschaftswissenschaftlerin Carolin Clausen.

In ihrer soeben erschienenen (500 Seiten starken) Doktorarbeit bietet sie ein ganzes Bündel an Vorschlägen, wie Kliniken wirtschaftlicher arbeiten könnten. Vor allem aber hat sie ein Rädchen in diesem Riesenapparat entdeckt, das bisher wohl völlig unterschätzt wurde: der Patient selbst.

„Würden Sie diese Klinik weiterempfehlen?“

Sie hat wochenlang an Krankenbetten gesessen, hat knapp 280 Kassenpatienten des Uniklinikums ihre elf Seiten langen Fragebögen vorgelegt. Carolin Clausen wollte wissen, wie zufrieden die Kranken mit dem Essen, mit der Ausstattung der Zimmer, der Freundlichkeit des Pflegepersonals sind.

Sie fragte aber auch, wie kompetent Ärzte wirken, ob die Abläufe im Krankenhausalltag gut organisiert sind und ob die Behandlungsmethoden verständlich erklärt wurde. Vielleicht die wichtigsten Fragen aber lauteten: „Würden Sie wiederkommen und würden Sie diese Klinik weiterempfehlen?“

Denn zwei Dinge tragen nach ihrer Erkenntnis dazu bei, ein Krankenhaus wirtschaftlicher zu führen: die Kosten zu senken und die Erlöse zu erhöhen. Ausgaben ließen sich, so die Wissenschaftlerin, senken, unter anderem durch mehr Kooperation von Krankenhäusern untereinander. So würden heute noch zu viele Patienten mehrfach untersucht, außerdem ließen sich Großgeräte oft von mehreren Häusern gemeinsam nutzen.

Fachbegriffe übersetzen, Ansprechpartner bieten

Aber wie kann ein Haus seine Einnahmen verbessern, eine Klinik ist ja kein Warenhaus? Clausen: „Durch mehr Patienten. Das Ziel sollte eine Auslastung von 100 Prozent sein.“ Davon sind die meisten Krankenhäuser weit entfernt.

Das Uniklinikum zum Beispiel hat eine durchschnittliche Auslastung von 78 Prozent, wobei manche Klinik die 90 Prozent erreicht, andere Abteilungen aber deutlich geringer belegt sind. Fest steht für die Wissenschaftlerin: Der Patient ist „Kunde“ des „Unternehmens Krankenhaus“ - „dadurch hat er einen ganz bestimmten Wert.“

Medizinern fällt es allerdings schwer, einen Kranken unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Doch für Carolin Clausen ist das kein Widerspruch: „Je zufriedener ein Patient ist, desto eher würde er dieses Krankenhaus weiterempfehlen.“

Niedergelassene Ärzte umwerben

In ihrer Doktorarbeit bietet sie konkrete Verbesserungsvorschläge, wie sich diese Zufriedenheit steigern lässt. „Zum Beispiel dadurch, dass der Patient genau weiß, warum er auf welche Weise behandelt wird.“ Umdenken ist dafür erforderlich, so dürfte es bei einem solchen Patient-Arzt-Verhältnis auch selbstverständlich sein, dass medizinische Fachbegriffe übersetzt werden. „Ich will ein neues Denken etablieren“, meint die Wissenschaftlerin selbstbewusst. Auch wenn einige Kliniken heute schon „extrem fortschrittlich“ geführt würden, hätten viele großen Nachholbedarf.

Dazu würde auch gehören, niedergelassene Ärzte, die Patienten einweisen, wie umworbene Partner zu behandeln. Wie „Premium-Kunden“ wie das im Marketing so schön heißt. Clausen: „Krankenhäuser sollten einem niedergelassenen Arzt immer den selben Ansprechpartner bieten, dazu dauerhafte Informationen über Behandlungsmethoden und -erfolge.“

Fazit ihrer Untersuchung aber lautet: Der Patient ist das wichtigste Glied in dieser Kette, wenn es darum geht, die Wirtschaftlichkeit eines Hauses zu sichern. Das Uni-Klinikum Düsseldorf bekam übrigens „erstaunlich positive“ Noten von seinen Patienten. So gaben 74 Prozent bei der Befragung an, bei einer erneuten Krankheit unbedingt wiederzukommen.

 
 

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