Wie Heinrich Strangmeier die Hildener Bücherei rettete

Hilden..  Zum 100. Geburtstag der Stadtbücherei würdigt Birgit Alkenings, Vorsitzende der SPD Hilden, die herausragenden Verdienste von Heinrich Strangmeier, dem ehemaligen Leiter der Stadtbücherei und Beigeordneten (SPD) ab 1945.

Heinrich Strangmeier, Leiter der Hildener Stadtbücherei, war Sympathisant, aber kein Mitglied der SPD. Er galt als ein sozialdemokratisch angehauchter Liberaler. Am 4. April 1933 meldete die Lokalpresse die erste Bücherverbrennung in Wuppertal. Entsetzt darüber, dass sowohl NSDAP-Funktionäre als auch Hildener Bürger das Verbrennen von Büchern forderten, die sie nie gelesen hatten, ließ ihn handeln: Alle Bücher mit sozialistischem und kommunistischem Inhalt sowie Bücher deutscher, ausländischer und jüdischer Schriftsteller entfernte er aus der Stadtbücherei.

Der vorgetäuschte Verkauf

Er fingierte einen Barverkauf, den „Verkaufserlös“ zahlte er aus eigener Tasche. Das gefährdete Schriftgut landete in der ostwestfälischen Heimat Strangmeiers, in einem guten Versteck. Mit dieser Aktion riskierte Strangmeier Kopf und Kragen. Einige wenige Eingeweihte, darunter sein Freund Robert Gies und sein jüdischer Hauswirt Jakob Schmitz, rieten ihm dringend, in die NSDAP einzutreten, damit er über jeden Verdacht erhaben war. Er wurde „Nazi-Parteigenosse“ ohne die Gesinnung zu wechseln. Nach den Büchern fragte niemand mehr.

Nach dem Krieg war es Heinrich Strangmeier gelungen, die von ihm 1933 in Sicherheit gebrachten Bücher Ende des Jahres 1945 nach Hilden zurückzuholen. „Dadurch hatte Hilden schon kurz nach dem Krieg die bestbestückte Stadtbücherei weit und breit“, schrieb der ehemalige Hildener Stadtarchivar Dr. Gerd Müller.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges übernahm Heinrich Strangmeier Verantwortung in der Kommunalpolitik. Er wurde 1945 Beigeordnete und war zuständig für kulturelle Angelegenheiten, später wurde er erster Beigeordneter in der Hildener Stadtverwaltung und schied 1964 aus Altersgründen aus.

Birgit Alkenings: „Wir sind stolz auf Heinrich Strangmeier, ihm sind wir mit unserem Einsatz für die Bücherei verpflichtet. Wir sind froh, dass der Veranstaltungssaal im “Alten Helmholtz“ nach ihm benannt ist.“

 
 

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